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Auf Twitter: Wer bezieht Informationen von wem?

Am Hans-Bredow-Institut in Hamburg wurde eine Methode entwickelt, um Zugang zu Mustern zu bekommen, die Aufschluss darüber geben, wie Twitter-User diesen Dienst für ihr persönliches Informations-Management nutzen. Unser "Spectator" Andreas Wrede, Editor-in-Chief InnoLab/Medienmanagement, Hamburg Media School, hat sich mit diesem spannenden Thema beschäftigt.

Foto: Twitter

Forschungen, die sich mit Praktiken und Konsequenzen bei der Nutzung von Social Media befassen, verstärken sich immer mehr. In diesem Zusammenhang wurde am Hans-Bredow-Institut der neue Begrifff "Twitter friend repertoires" geprägt. Darin wird festgehalten, dass seit dem Twitter-Launch 2006 dieser Dienst nicht nur öffentliche Debatten befeuert oder die Pop-Kultur global maßgeblich beeinflusst hat. Auch Wissenschaftler verschiedener Disziplinen hätten Twitter Analysen und Untersuchungen unterzogen.  Und dabei wurde Twitter vorwiegend als ein Broadcast-Modell, das sich auf Follower-Beziehungen konzentriert, eingeordnet.

Im Hans-Bredow-Institut hat man sich nun allerdings der Friends-Beziehung zugewandt. Das führte zur Prägung des Begriffes Twitter friends repertoires (Verhaltensweisen von Twitter-Freunden). Dieser Begriff hilft zu klären, wie drastisch sich öffentliche Kommunikation im Zeitalter von Social Media verändert hat.

Für die genannte Untersuchung wurden für vier Gruppen die Friends erhoben und mit einer Liste öffentlicher Sprecher auf Twitter abgeglichen. Dabei handelte es sich um die Tagesschau. Die Süddeutsche Zeitung. Deutsche Fußball-Spieler, die an der WM 2014 teilnahmen. Sowie politische Kandidaten für eine Regionalwahl.

Bei der Herangehensweise unterscheidet man den Macro- und den Microlevel. Auf dem Macrolevel finden sich u.a. sogenannte Ad Hoc-Themen. Das sind Veröffentlichungen, die sich um geteilte Hashtags formieren. Auf dem Microlevel macht man interpersonelle Kommunikation aus, die Konversationselemente auf Twitter einführte.

Am Institut hat man sich allerdings besonders für das Meso-, also das mittlere Level personalisierter Veröffentlichungen, interessiert. Der bildet sich im Kommunikationsraum eines individuellen Accounts und sich zeichnet sich durch eine Follower-/Friend-Beziehung aus.

Weitere Untersuchungen widmeten sich einerseits der Analyse traditioneller Influencer wie Journalisten, Celebrities oder politisch-sozialer Aktivisten. Anderseits wurden Informations-Kaskaden, also etwa der Informations-Flow innerhalb bestimmter Gruppen, ausgemacht. Bisherige Untersuchungen haben nur die Follower-Beziehung im Fokus gehabt. Jedoch ist jede Follower-Beziehung eben auch eine Friend-Beziehung, stellt man im Hans-Bredow-Institut fest. Und daraus ergibt sich die Frage: Wer bezieht Informationen von wem?

Festzuhalten ist: Die meisten Twitter-User haben mehr Friends als Follower. Daraus ergeben sich zwei Verhaltensmodi auf Twitter: Zum einen jener Modus, der auf einem Informationsbedürfnis beruht und zum anderen jener, der sich auf wechselseitige soziale, sprich auch persönliche, Beziehungen gründet. In jedem Fall ist Twitter mittlerweile ein maßgebliches Tool zum Management von Informationen für die User geworden.

Twitter friend repertoires ist durchdrungen vom Model Media repertoires (sogenannte relativ stabile intermediale Muster bei der Mediennutzung) und bricht nun diese generelle Idee auf eine spezielle Twitter-Plattform herunter. Stark verkürzt gesagt hat sich herausgestellt: Mit Twitter friend repertoires gibt es jetzt einen wissenschaftlich analytischen und empirischen Ansatz, um Twitter tatsächlich als Tool für das Informationsmanagement seiner User untersuchen zu können.

Von besonderem Interesse ist hierbei das Ermitteln von Anteilen öffentlicher Sprecher an Twitter Friends einer Gruppe und die Herausarbeitung von Unterschieden zwischen den einzelnen Gruppen. Künftig soll nun in noch größeren Untersuchungen rekonstruiert werden, welchen Entscheidungen, Normen und Praktiken Twitter-User unterliegen. Und das wiederum führt zu einem weitaus detaillierteren Bild von einem der wichtigsten Online-Räume unserer Zeit. Gerade hat die Welt beim US-Wahlkampf beobachtet, wie bedeutsam Twitter als Kommunikationstool ist. Ohne diesen Dienst wäre ein notorischer Fake-News-Verbreiter wie Donald Trump nicht US-Präsident geworden...

Twitter, Social Media, Content