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Bands und Brands: Warum Marken Künstler brauchen

Künstler und Marken – wie das Zusammenspiel zu einer Win-win-Situation werden kann, erklärt Rechtsanwalt Martin Rüssmann in einem Gastbeitrag.

Martin Rüssmann ist Rechtsanwalt und hat diesen Gastbeitrag geschrieben.

Foto: www.pexels.com

Die Musikindustrie hat sich in den vergangenen fünfzehn Jahren grundlegend verändert. Und verwandelt sich weiter. Durch die Künstler müssen neue Einkommensfelder erschlossen und die darin liegenden Chancen gesehen und vor allem genutzt werden. Wer von Musik leben möchte muss sich nicht dem „Ob“, sondern dem „Wie“ stellen.

Technologien verändern den Markt – und bieten Chancen, zum Beispiel mit Marken

Neue Technologien bieten Künstlern gleichwertige Bedingungen für alle. Allem voran die Möglichkeit mit ihren Fans zu kommunizieren und somit direkte Beziehungen aufzubauen. Fanbeziehungen aufzubauen und auszubauen war und ist ein wesentlicher Grundpfeiler des langfristigen Erfolgs eines Künstlers oder einer Band.

Das heutige Medienumfeld – diversifiziert und auf unterschiedliche Zielgruppen aufgeteilt – macht es andererseits Marken schwierig zum Konsumenten durchzudringen. Um dies zu gewährleisten, müssen Marken Inhalte erzeugen, die authentisch sind, den Konsumenten beteiligen und unterhaltsam sind.

Die meisten Marken wissen zwar, wie man Produkte kreiert und Dienstleistungen anbietet, nicht aber ansprechende Inhalte. Hier können Künstler ein wertvoller Verbündeter sein. Sie ergänzen sich perfekt mit der Marke. Sie haben einen Werdegang, eine ganz individuelle Story, die sie nicht erst erfinden müssen. Der zur Marke passende Künstler kann mit seiner Identität, seiner Fan-Kultur und Fan-Community der Marke dabei helfen, die eigenen Werte und die Glaubwürdigkeit der Marke zu stärken oder zu neuem Leben zu erwecken.

Künstlern Perspektive geben, involvieren und Erwartungen erfüllen – das Beispiel Converse

Wie so etwas funktionieren kann, zeigt das Beispiel der Modemarke Converse, einer Tochter von Nike. Im Jahr 2011 eröffnete das Modelabel ein eigenes Tonstudio mit dem Namen „Rubber Tracks“. Sie stellten Räumlichkeiten, technisches Equipment und junge Toningenieure zur Verfügung. Diese konnten dann von Bands und Künstlern kostenlos für Tonaufnahmen genutzt werden. Die Künstler behielten dabei alle Rechte an ihren Aufnahmen. Im Gegenzug warben die Bands überglücklich über ihre sozialen Netzwerke für die Unterstützung und trugen die Sneakers auf ihren Tourneen.

Von „Smart Artists“ bis „Branded Experience“

Die digitale Evolution wird die Grenzen zwischen Bands und Brands weiter verschieben. Aufstrebende Künstler werden ihre Relevanz nur dadurch steigern können, dass sie sich flexibel neuen Umständen anpassen, sowie den Einfluss auf und die direkte Beziehung zu ihren Fans steigern können.

Kluge Künstler werden entsprechende Customer-Relation-Systeme aufbauen, um ihre Interaktionen mit ihren Fans auf robuste Daten zu stellen. Hierdurch ist es denkbar, dass Künstler mit ihren einflussreichsten Fans Markenartikel testen und veröffentlichen, während andere Künstler Markenartikel mit Musik und Zugängen zu exklusiven Inhalten beim Streaming verbinden.

Auch das Thema „Branded Experience“ wird in der Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Marken stärker eine Rolle spielen. Studien zeigen, dass eine Erfahrung – ein Event – den Konsumenten glücklicher macht, als das reine Produkt – und er sich auch länger an das Ereignis erinnert. Dies kann ein Grund dafür sein, weshalb Musikfestivals so erfolgreich sind. Solche Veranstaltungen bieten den Marken die Möglichkeit direkt mit ihren Konsumenten zu kommunizieren und dauerhaft positiv in Erinnerung zu bleiben.

Eine Win-Win-Situation ist also durchaus gegeben. Künstler verdienen Geld, erhalten Unterstützung und können sich kreativ in eine Kampagne einbringen. Während Brands von einem großen, leidenschaftlichen Publikum profitieren, welches ihr Produkt mit spezieller Musik und Prominenz verbindet.

Kein Ausverkauf der Künstler, sondern die Anpassung an die Entwicklung

Natürlich mag es vielen Künstlern fremd erscheinen sich dem kommerziellen Charakter hinzugeben und sich an eine Marke zu „verkaufen“. Das klassische, reine Musikverkaufsgeschäft funktioniert nicht mehr. Die Künstler müssen ihre Arbeit als multidisziplinäres Geschäft verstehen.

Dabei geht es gar nicht darum, dass sich die Künstler aufgeben. Sicherlich besteht die Gefahr, dass eine Marke zu sehr in die künstlerische Arbeit hineinreden möchte. Aber das Gegenteil sollte passieren: Auch die Marke wird in einer solchen Zusammenarbeit langfristig nur Erfolg haben, wenn sich die Marke mit dem Künstler identifizieren kann und damit dessen Arbeit akzeptiert.  Andersherum gilt dasselbe: Die Künstler, ihre Philosophie und die Art der Musik müssen zu der Marke passen.

Die Veränderungen der Musikindustrie, der Einnahmequellen, der Technologien und des Konsumentenverhaltens zwingen sowohl Künstler, als auch Unternehmen und ihre Marken neue Partnerschaften einzugehen. Dabei ergänzen sich gerade Künstler und Marken in ihren jeweiligen Stärken und Schwächen exzellent. Diese Chancen sollten auf beiden Seiten genutzt werden ohne dabei die eigene Identität zu verlieren.


Über den Autor: Martin Rüssmann ist Rechtsanwalt und berät in der Medien- und Unterhaltungsbranche unter anderem im Urheber-, Marken-, Handels- und Gesellschaftsrecht.

Dieser Artikel wurde bearbeitet. Die ursprüngliche Fassung finden Sie hier.

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