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Chris Mead von "Twitch" über Streaming als soziales Erlebnis

Anderen Leuten beim Spielen zugucken. Mit dieser simplen Idee ist "Twitch" zu einer der größten sozialen Live-Streaming-Videoportale geworden. Welche Rolle der deutsche Markt für das Unternehmen hat, warum E-Sports immer beliebter für Streamer wird und wo Twitch in 20 Jahren stehen will, das verrät uns Chris Mead (Director of Partnerships) im Vorfeld seiner Keynote auf dem newTV Kongress am kommenden Dienstag (21. März) im Interview.

Chris Mead, Director of Partnerships for EMEA bei Twitch

Was macht den Erfolg von Twitch aus?

Chris Mead: "Wenn ich auf unseren Launch im Jahr 2000 zurückblicke, ging es uns darum, eine Plattform für Spieler und Creator zu schaffen, auf der sie wachsen, zusammen Communitys aufbauen und ihren Content monetarisieren konnten. Heute sind wir sehr viel weiter. Viele unserer Partner und User streamen Vollzeit. Sie lernen, von Twitch zu leben. Ihnen die Möglichkeit zu geben, eine eigene Karriere zu starten, das ist für mich einer der größten Erfolge von Twitch. Es ist eine unglaublich belohnende Erfahrung, mit diesen Leuten jeden Tag zu arbeiten und ihren Wachstum zu sehen. Es ist für jeden, der mit Twitch zu tun hat, ein großartiges Gefühl, Teil des Ganzen zu sein."

Wie wichtig ist der deutsche Markt für dich?

Chris Mead: "Er ist ungemein wichtig. Das deutsche Publikum liebt Twitch, und es wird immer größer. Es gibt jede Menge bekannter deutscher Let’s Player wie z. B. PietSmiet, in deren Communitys wir viel Zeit und Energie investieren. Wenn wir über Deutschland sprechen, dürfen wir natürlich auch einen der größten Spiele-Events nicht vergessen, die Gamescom. Im Zuge unseres Wachstums wollen wir unsere Zuschauer auch dort platzieren. Wir haben kürzlich DreamHack Leipzig gestartet, dort hatten wir eine fantastische Show, bei denen zahlreichen Partner von uns da waren. Nach und nach erzielen wir in Deutschland immer größere Erfolge, weshalb der Markt sehr wichtig für uns ist."

Einige professionelle deutsche Fußball-Clubs, wie Schalke oder Wolfsburg, engagieren sich für E-Sport-Spieler. Wird E-Sport also schon bald populärer sein als „echter“ Fußball?

Chris Mead: "Ja, ich denke schon. Aber es wird vermutlich noch einige Jahre dauern. Dass diese Frage jedoch überhaupt gestellt wird, zeigt, wie schnell E-Sports zuletzt gewachsen ist. Ich glaube nicht, dass Leute vor fünf oder sechs Jahren sich gefragt hätten, ob E-Sports populärer sein wird als die traditionellen Sportarten heutzutage. Nicht zuletzt, weil man sich eine eigene Karriere aufbauen kann, ist E-Sports zur kulturellen Norm geworden. Professionelles Spielen ist inzwischen in der Gesellschaft akzeptiert. Viele Länder und Interessengruppen betreiben E-Sports auf einem globalen Level. Es ist ein großartiger Weg, um das Millennial-Publikum zu erreichen, das sich nicht nur für Fußball oder traditionelle Sportarten, sondern auch für E-Sports, Digitales und Spielen im Allgemeinen interessiert."

Gibt es Überlegungen, einen speziellen E-Sports-Sektor zu starten?

Chris Mead: "Wir sind ein großer Teil der E-Sports-Community und investieren sehr viel Zeit in diesen Bereich. Viele E-Sportler sind auf Twitch bekannt geworden und wir helfen ihnen, noch schneller zu wachsen. Twitch ist zwar eine soziale Video-Plattform, die sich aufs Spielen konzentriert. Letztes Jahr haben wir jedoch die Kategorie 'Creative' eingeführt, bei der es um die Erstellung von vollkommen neuen Originalarbeiten oder originalen Audio- und Videoinhalten geht. Dort gibt es mittlerweile eine große Anzahl von Künstlern und viele verschiedene Kunstformen."

Das Durchschnittsalter der Twitch-User ist 21. Wird eure Zielgruppe zukünftig jünger oder älter?

Chris Mead: "Es ist ein guter Mix aus beiden. Aber die Zielgruppe, die wir erreichen, sind die 18- bis 34-Jährigen. Interessanter als das Alter ist für mich jedoch, dass unser Publikum zu 75 Prozent männlich und 25 Prozent weiblich ist. Es ist generell so, dass Streamer, je nach deren Themaschwerpunkt, auch unterschiedliche Personen und Altersgruppen ansprechen. Minecraft zum Beispiel hat ein wesentlich jüngeres Publikum."

Hamburg ist eine Spiele-Hochburg. Gibt es Pläne, ein Twitch-Büro in Hamburg oder Deutschland zu eröffnen?

Chris Mead: "Hamburg ist eine wunderschöne Stadt, ich liebe sie. Ich war schon oft dort und viele unserer Partner arbeiten in Hamburg. Wir wollen unser Hauptquartier in London beibehalten, aber der deutsche Markt hat angesichts des stetigen Wachstums, der Events und den zahlreichen Twitch-Channels, eine hohe Priorität. Ich würde es also nicht ausschließen, auch in Hamburg ein Twitch-Büro zu eröffnen."

Früher versammelte sich die ganze Familie am Samstagabend vor dem Fernseher. Wie und wann wird Twitch hauptsächlich gesehen?

Chris Mead: "Die ganze Zeit. Twitch ist ein großartiges Beispiel für den Konsum digitaler Medien, die du jederzeit und überall anschauen kannst, solange du eine gute Internetverbindung und ein mobiles Endgerät hast, worauf du Twitch schauen kannst. Das kann auf deinem Amazon Fire TV Stick, Roku oder auf deinem iPad im Zug sein. Portabilität beim Konsum von digitalen Medien wird für viele User zunehmend wichtiger. Des Weiteren ist die Beziehung zwischen Sender und Zuschauer nicht einseitig. Twitch versteht sich als soziale Video-Plattform, auf der der Viewer mit dem Absender interagieren kann und andersherum. Der Community-Gedanke und das Gemeinschaftsgefühl spielt eine wichtige Rolle bei uns. Jeder, der Twitch konsumiert, ist irgendwie involviert. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal unserer Plattform."

Wird das klassische TV-Programm in 20 Jahren noch existieren?

Chris Mead: "Oh, das ist eine schwierige Frage. Traditionelles Fernsehen ist nach wie vor eine enorme Stütze in vielen Haushalten und wird auch in naher Zukunft nicht verschwinden. Viele sprechen über den Tod des klassischen Fernsehens oder das dieses auf dem Abstellgleis steht. In Wirklichkeit schauen aber immer noch sehr viele  Menschen fern. Wenn man sich das Sehverhalten von Twitch anschaut, dann stellt man fest, dass es das klassische TV auch nur nachahmt. Twitch-Nutzer konsumieren 108 Millionen Minuten Content am Tag – sowohl kurze als auch lange Videos. Webvideos werden zwar immer beliebter, aber das klassische Fernsehen hat seine Daseinsberechtigung und wird immer bleiben. Gut möglich, dass es zwischen alten und neuen Bewegtbild-Formaten schon bald eine Fusion geben wird."

Wie wird Twitch 2020 aussehen?

Chris Mead: "2020 ist wirklich weit entfernt. Das ist eine schwierige Frage, die ich nicht so recht beantworten kann, um ehrlich zu sein. Wenn es um unsere Ziele geht, dann wollen wir weiterhin ein großartiges Produkt für Creator und Viewers erschaffen. Wir wollen Videos teilen, die Spaß machen und einen Mehrwert haben, und mit der Community wachsen. Zudem sollen Creator ihren Channel-Content monetarisieren können. Da möchten wir 2020 hin."

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