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Das digitale Transformations-Dilemma

Für viele Branchen scheint die Digitalisierung der einzige Ausweg. Eine neue Studie zeigt, dass Marken und Unternehmen aber auch hier noch viel falsch machen können. Entscheidend ist die Positionierung einer Plattform, weniger die Inhalte. Und nur wenn Nutzer das Gefühl haben, dass Angebot sei einzigartig, sind diese auch bereit zu zahlen. Schlechte Nachrichten also für die Printbranche?

Das digitale Transformations-Dilemma

Dieses Blog steht nicht gerade im Verdacht, der Digitalisierung gegenüber besonders kritisch zu sein. Doch nicht alles, wo Bits und Bytes dranstehen, glänzt auch ordentlich. Es fällt zwar leicht, sich von Zahlen aus dem Springer-Konzern, wo schon mehr als die Hälfte der Umsätze mit digitalen Angeboten erwirtschaftet werden, blenden zu lassen.Doch auf alle Zuspätkommer und zaghaften Transformierer wartet das digitale Transformations-Dilemma.

Einige Zeitungs- und Medienhäuser haben schon gemerkt, dass sich die sinkenden Umsätze im traditionellen Geschäft nur sehr schwer durch Digitalisierung kompensieren lassen. Und auch Netzriesen wie Amazon müssen sich mit ihrem neuen digitalen Streaming-Angebot relativ jungen Mitbewerben wie Netflix stellen und verlieren im Vergleich. „Die Erwartungshaltung der User in Bezug auf Usability, Prozesse und Angebotsumfang sind stark ausgeprägt. Zu Beginn kann man nur verlieren, wenn diese nicht erfüllt werden. Aber auch im positiven Falle ist das noch nicht gleichbedeutend mit einer schnellen dauerhaften Nutzung des neuen Angebots“, so Christian Hoffmeister, Autor der Studie „Das digitale Transformations-Dilemma“.

Inhalte alleine zählen also nicht mehr. Viel wichtiger, so Hoffmeister der die Studie in Zusammenarbeit mit der Hochschule Fresenius realisierte, sei die Positionierung einer Plattform. Je bekannter diese, desto größer auch die Bereitschaft der Kunden für die dargebotenen Inhalte zu zahlen. Damit dürfte auch vollends das Argument von der unseligen Gratismentalität im Internet endgültig ad acta gelegt werden können. Der Berater schätzt den harten Kern von Usern, die immer alles umsonst aus dem Netz wollten, auf gerade mal 20 bis 30 Prozent.

Was für Amazon, Netflix und Spotify gilt, trifft jedoch nicht auf die digitalen Angebote von Zeitschriften und Magazinen zu. Während erstgenannte noch als alternativlos in ihrem jeweiligen Feld angesehen werden, werden Zeitungsmarken nur selten als „einzigartig“ angesehen. Und noch eine weitere schlechtere Nachricht wartet auf die Printmacher: Die auch aus anderen Branchen bekannten Koppelgeschäfte (50 Euro bei Kontoeröffnung) beeinflussen die Meinung der User zur Plattform-Attraktivität nicht.

 Bildnachweis: flickr.com User colemama (under CC licence)

Autor: Jan C. Rode