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New York Calling (The Spectator)

Das Silicon Valley gilt gemeinhin als Traumort der Digitalszene, Appenentwicklern und von Investoren. Unser Kolumnist Andreas Wrede richtet den Scheinwerfer hingegen auf die Silicon Alley zwischen Hudson und East River: New York City. Auf engerem Raum und mit besserem Nahverkehr lassen sich neue Ideen hier noch schneller verwirklichen.

New York Calling (The Spectator)
New York Calling (The Spectator)

Noch vor zehn Jahren war New York City auf der Dot-Com-Weltkarte ein eher kleiner Spot, einer von vielen und keiner, der besonders gefunkelt hätte. Oder wie es ein Journalist formulierte: „The city’s tech scene was a punch line.“ Aber nicht erst seitdem Google 2006 das größte Office außerhalb vom Silicon Valley in Downtown Manhattan bezog, entwickelt sich die Silicon Alley und ist heute mit jeder Menge erfolgreicher Firmen gepflastert.

Bereits 2003 wurde Shutterstock gegründet, ebenso Gawker Media. Es folgten etwa Etsy, Outbrain, Buzzfeed, Upworthy oder Fab. Nach und nach wurden diverse Digital Ventures gegründet, heute finden sich in New York City rund 1500 Internet Unternehmen. Im Gegensatz zum Silicon Valley ist in NYC der öffentliche Nahverkehr entschieden besser organisiert, das kulturelle Angebot ist glattweg unvergleichlich. Zudem hat sich die Stadt nach der 9/11-Schockstarre längst wieder ihrer alten Stärke besonnen: Never say die.

Erstaunlich ist die Bandbreite an jungen Start-Ups und/oder bereits arrivierten Unternehmen. Ich durfte das jüngst auf einem Innovation Field Trip der Hamburg Media School vor Ort beobachten. Fifty Three hat die fabelhafe App Paper für’s  iPad entwickelt, die mit 2-D und 3-D-Elementen spielt. Und dazu gibt’s nun auch das Touch Tool Pencil, damit kann man auf dem Screen direkt künstlerisch wirken.

Der auf kreativen Lifestyle in all’ seinen Facetten fokussierte Blog-Aggregator Bloglovin’  ist vor einer Weile kurzerhand von Stockholm nach New York City umgezogen – die Investoren haben das angeregt. Zudem werden von den Machern in NYC mehr Talente für diese Plattform gesichtet als anderswo. Und dass eine Non-Profit-Organisation wie ProPublica in New York ihr Hauptquartier hat, macht mithin Sinn. Wer es sich leisten kann, nur investigativ zu arbeiten, wird in der Stadt, in der die New York Times erscheint, jede Menge hochqualifizierter Journalisten finden.

Apropos NYT: Dort gönnt man sich den Luxus von acht Mitarbeitern im Research and Development Department. Die machen sich derzeit zum Beispiel Gedanken darüber wie man das gigantische Photoarchiv dieser Zeitung (sie erscheint übrigens seit dem 18. September 1851) sinnvoll digitalisiert und effektiv monetarisiert. Weder Down-, noch Mid- oder Uptown sitzen die Gründer der Crowdfunding Company Kickstarter. Die erst 2009 gegründete Plattform zur Finanzierung kreativer Projekte hat sich nun in Brooklyn niedergelassen.

Eine ehemalige, denkmalgeschützte Fabrik für Stifte wurde in eine postpostmoderne Factory aus Holz und Stahl inklusive Bibliothek, Dachgarten und Ruhezonen verwandelt. Dorthin kommt dann ein Hero des Independent Film wie Spike Lee allzu gern, um Projekte zu pitchen. Etwa seinen neusten Streifen „Da Sweet Blood of Jesus“, dafür hat er via Kickstarter $ 1,4 Millionen aufgetrieben, ihn in nur 16 Tagen gedreht – jetzt sucht er einen Verleih.

Überhaupt: in Brooklyn – und zwar nicht nur im DUMBO (Down Under the Manhattan Bridge Overpass) District am East River – gründen sich zunehmend digitale Unternehmen. Genau genommen wird die Silicon Alley Manhattans hierhin einfach verlängert. Und wenn, vielleicht schon 2017, der neue Techno-Campus auf Roosevelt Island eröffnet wird , hat die Silicon Alley New Yorks noch ein spektakuläres Outlet zwischen Manhattan und Queens. New York calling!

Andreas Wrede