NextMedia

Blog

The Spectator - Das große Wunschkonzert

Die nationale und internationale Hotel-Branche ist nicht gerade bekannt dafür, gegenüber neuen, technologischen Entwicklungen offen zu sein. Vieles, was über Buchungen via Internet hinausgeht, wird von diesem bislang konservativen Metier eher distanziert beobachtet.

The Spectator - Das große Wunschkonzert
The Spectator - Das große Wunschkonzert

Aber auch hier weht nun ein frischerer Wind: „Die Zeit in der Hotellerie ist gerade hoch-spannend, sie befindet sich in einer Phase des Generations- und Technologiewandels“, sagt Dorna Hekmat, 44, COO von i-frontdesk.

Gemeinsam mit ihren drei Partnern (Peter Duesing und Daniel Beringer von Webtogo, der Vierte im Bunde ist David Gomez) begann sie vor rund zwei Jahren i-frontdesk zu konzipieren, zu entwickeln und auf den Hotelmarkt zu bringen. Die Idee: „Wir bieten eine White-Label-Lösung für Hotels in Form einer App. Darüber können Gäste, in ihrer jeweiligen Muttersprache diverse Services – angefangen vom Zimmerservice über Wellness-Buchungen und Mietwagen bis  hin zum Konzert- oder Museums-Besuch – schnell, zuverlässig und unkompliziert buchen“, erläutert Dorna Hekmat, die weiß wovon sie spricht.

Jahrelang hat sie das Boutique-Hotel Cortiina in München, in dieser Metropole hat i-frontdesk seinen Sitz, geleitet. Und immer wieder festgestellt: „Mitarbeiter waren immer mit spezielleren Wünschen von Gästen doch oft überfordert.“ Dabei, so findet die i-frontdesk-Frontfrau, „sollte eigentlich jeder Gast in einem besseren Hotel, also etwa einem Boutique-Hotel, die Klaviatur des großen Wunschkonzertes spielen können.“ Sprich: der japanische Gast in einem Hotel in Marokko müsste in der Lage sein, einen Tisch in einem  Restaurant mit französischer Küche, dessen Weinkarte auch südafrikanische Tropfen anbietet, zu machen, alles auf Japanisch, versteht sich.

„Wir wollen Customer Relation Management direkt im Hotelzimmer platzieren“, betont Dorna Hekmat. Um so-gleich hinterher zu schieben: „Den klassischen Concierge wollen wir damit keineswegs überflüssig machen, wir möchten nur den steigenden Ansprüchen von Gästen im
Internet-Zeitalter gerecht werden.“ Die ganze Idee fand man beim Incubtaor von Telefonica, Wayra, derart gut, dass von dort die Anschubfinanzierung kam. „Inzwischen finanzieren wir uns selbst“, sagt Dorna Hekmat, die sich vor allem „um den Vertrieb des Produktes und den Kontakt ins globale Hotel-Business“ kümmert.

Nach erfolgreichem Start auf kleinerem Level auf einer kambodschanischen Insel, dem Ressort Song Saa, wird i-frontdesk inzwischen in diversen Hotels – wie etwa dem berühmten „Sacher“ in Wien - eingesetzt. Und die Mannschaft ist gerade im Gespräch mit einer internationalen Hotelkette: „Das wäre natürlich ein schöner Durchbruch, wenn so ein Deal klappt und wir uns auf noch breiterer Basis skalierbar beweisen können“, meint Dorna Hekmat. Die Application  wird man bald auch im App-Store finden,  die Hauptakquise wird gleichwohl über Hotels laufen, denn über deren proprietäre Systeme soll der i-frontdesk schließlich laufen.

Kürzlich nannte die Süddeutsche Zeitung Dorna Hekmat „die Wünscheerfüllerin“, das gefiel der Iranerin, die seit ihrem zehnten Lebensjahr in Deutschland lebt schon.
Fast noch besser allerdings findet sie Ralph Fiennes als Concierge in ihrem Lieblingsfilm „Grand Hotel Budapest“.
Denn sie weiß: bei aller funktionierenden Technik, der Gast ist ein Mensch, dem nicht nur mit Technologie begegnen sollte. „Aber heutzutage muss ein gutes Hotel eben nicht nur in neue Betten investieren“, weiß Dorna Hekmat, „unsere App begleitet den Gast vom Check-In bis zum Check-Out“.

 

von Andreas Wrede, Editor-in-Chief  InnoLab/Medienmanagement, Hamburg Media School