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Das Hamburger Startup bettertalk.to bringt Freelancer an die Kunden

Was braucht eine Freelancer-Suchmaschine, um erfolgreich zu sein? Mike Kotsch vom Hamburger Startup bettertalk.to erklärt es in unserem Interview.

Beim Webfuture Award musste sich bettertalk.to im Kampf um die Wildcard fürs Finale noch dem späteren Sieger SpiceVR geschlagen geben, wenn auch ziemlich knapp. Doch das hat den Enthusiasmus der Gründer Nico Polzin und Mike Kotsch glücklicherweise nicht gebremst; weiterhin möchten sie mit bettertalk.to Freelancern bei der Jobsuche helfen. Im Interview erklärt Mike, wie sie mit ihrer Suchmaschine langfristig Geld verdienen wollen und welche Inhalte auf bettertalk.to stattfinden.

Mike, mit Bettertalk.to wollt ihr „die Freelancer Suchmaschine von morgen“ werden. Welche drei Eigenschaften helfen euch dabei?

Das Wichtigste für uns ist, ständig die Perspektive der Nutzer einzunehmen, denn wir sind selbst unsere besten Kunden. Wir finden selbst Jobs über Bettertalk.to und knüpfen spannende neue Kontakte. Bei der Nutzung fällt uns selbst auf, wenn etwas nicht funktioniert und wir sprechen viel mit befreundeten Freischaffenden über eventuelle Verbesserungen. So lernen wir dazu und können gleichzeitig unsere Freunde sowie viele andere Freelancer in die Entwicklung der Plattform einbinden. Das freut mich persönlich am meisten.

Das war aber jetzt nur eine Eigenschaft.

Stimmt. Das zweite Eigenschaft ist die Perspektive auf die Konkurrenz zu suchen, wieder und wieder. We’ve all been there: Man sitzt haare-raufend am Rechner und versucht nachzuvollziehen, wie andere Business Plattformen wohl auf die Jobvorschläge gekommen sind, die da per E-Mail nach Hause kommen. Diese Plattformen sind groß und bieten Infrastruktur, so richtig überzeugen können sie aber weder uns noch viele der Freelancer mit denen wir gesprochen haben. Das nehmen wir als Motivation, denn es geht auf jeden Fall besser.

Und Nummer drei?

Aus der Designerperspektive ist es das Potential unseres Projektes. Die Lektion ist relativ einfach: nichts ist in Stein gemeißelt. Gutes Produkt-Design und hervorragende Usability sind auch in deutschen Unternehmen keine Fremdworte mehr. Alle großen Spieler arbeiten unter Hochdruck daran, ihre Core-Funktionen kritisch unter die Lupe nehmen, um relevant zu bleiben. Da wir gerade erst anfangen, sind wir noch deutlich agiler und können auf viele Einflüsse und Veränderungen schnell reagieren und so unsere spitze Zielgruppe ideal betreuen.

Für Freelancer galt ja bisher das Netzwerk immer als wichtigstes Element, um einen Job zu bekommen. Steht diese Maxime nicht eurem Suchmaschinenmodell im Weg?

Das Netzwerk als Hindernis? Ganz im Gegenteil, das Netzwerk wird weiterhin ein wichtiger Teil des Prozesses bleiben. Wir machen uns an diesem Punkt keine Illusionen – Agenturen und Freelancer haben seit Ewigkeiten eine tief verwobene Beziehung miteinander. Auf den großen Networking-Plattformen kann man das gut beobachten. Als neuer Player hier direkt anzugreifen und allen Beteiligten zu erklären, dass man über Nacht diese lang aufgebauten Beziehungen ersetzen kann: Bullshit! Wir haben deshalb zunächst einen anderen Aspekt ins Auge gefasst. Was nämlich passiert, wenn das Netzwerk erschöpft ist? Dann muss man sich auf die Suche nach neuen Gesichtern, unbekannten Talenten und Freelancern machen.
Bei der Suche nach neuen Leuten kommt Bettertalk.to ins Spiel. Wir helfen in der Not, wenn die üblichen Verdächtigen keine Zeit haben – oder einfach nicht genau auf einen Job passen.
Das wir früher oder später auch die Verflechtungen zwischen Agenturen und Freelancern abbilden werden, war uns von Anfang an klar. Aber das muss noch warten.

Aber so eine Seite kostet ja auch. Wie wollt ihr damit langfristig Geld verdienen?

Wir haben ein einfaches Abo-Modell im Kopf. HR-Abteilungen bezahlen monatlich oder jährlich für den Zugang zu verfügbaren, gut sortierten Experten. Das soll vor allem eines schaffen: Transparenz. Und diese Transparenz skaliert – im Gegensatz zu dem herkömmlichen Headhunter-Modell – mit Software. Abseits des Bezahlmodells sind wir mit einer spitzen Zielgruppe auch relevant für verschiedene Werbeformate und Veranstaltungen in diesem Bereich.

Xing setzt ja beispielsweise mit Klartext immer mehr auf eigene Inhalte auf der Plattform. Wäre eine Investition in Inhalte für euch auch sinnvoll?  

Wir fokussieren uns auf Inhalte, die nahe am Kern von Bettertalk.to sind: Freelancer und Jobs. Wir sind uns bewusst, dass wir ein Produkt sind, das nicht täglich genutzt oder konsumiert wird – und das ist vollkommen in Ordnung. Deswegen ist es umso wichtiger, jeden Kontakt richtig zu treffen — mit den Informationen, derentwegen unsere Besucher auf die Seite kommen.

Welche Orte in Hamburg sind für dich zentral, wenn du dich über euer Startup austauschen willst?

Das betahaus, sowohl in Hamburg als auch in Berlin. Mittlerweile wohl nicht wirklich ein Geheimtipp, aber doch immer wieder Treffpunkt mit Events, Meetups und hervorragendem Kaffee. Seit einiger Zeit haben wir auch 12min.me auf dem Schirm, eine fast-wöchentliche Veranstaltung mit vielen Insights zum Thema Startups, Sideprojects und aufregender „on the internet, you can be anything“-Attitüde.  Außerdem gibt es es ein Silicon Pauli Slack-Team, ein Treffpunkt für Ex-Agenturler, Tech-Interessierte, Founder und die, die es noch werden wollen. Immer ein Besuch wert, wenn auch nur für die Giphy-Integration auf dem #random-Channel.

Du selbst hast Informatik studiert, warst dann bei Agenturen und bist jetzt Freelancer mit eigenem Startup. Welche dieser Phasen war bisher die anstrengendste?

Das Startup, wenn man es schon so nennen will, ist bisher am „anstrengendsten”. Keiner schließt irgendwann das Büro ab, keiner sagt einem was man tun soll. Nächte und Wochenenden verfliegen, wenn man tüftelt, ausmisst, analysiert, grübelt, konzipiert und Pläne schmiedet. Aber das Gefühl, selber der Chef zu sein, belohnt auch für vieles. Mein Co-Founder Nico meint am Telefon immer öfter: „Ich will nichts Anderes mehr machen.” — Ich auch nicht.

 

bettertalk.to im Monitor von Hamburg Startups

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