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Warum Sie nach dieser Überschrift unbedingt weiterlesen werden und danach nie wieder über das Internet den Kopf schütteln werden

Ist nun der Endgegner für den Print-Journalismus erreicht ? Warum heftig.co und Buzzfeed etablierten Journalisten und Medienhäusern das Fürchten lehren.

Warum Sie nach dieser Überschrift unbedingt weiterlesen werden und danach nie wieder über das Internet den Kopf schütteln werden

Na, kommt Ihnen diese Einleitung für einen Text auf dem Blog von nextMedia Hamburg nicht auch reichlich ungewöhnlich vor? Nun, Sie haben immerhin bis hierhin gelesen und haben sich somit wie ein Großteil der begeisterten Nutzer von Buzzfeed oder heftig.co verhalten, die Listen, Rätsel, Tests und Mysteriöses einfach lieben. Doch warum regt das traditionelle Medien so derart auf? Der Versuch einer Bestandsaufnahme.

Den Anfang machte vor einigen Wochen Lars Wienand in der Rhein-Zeitung Koblenz. Er deckte auf, dass die Texte auf heftig.co meist nur eine Übersetzung von teilweise sehr alten viralnova.com-Artikeln seien und man sich in letzter Zeit auch beim Guardian und anderen Traditionsblättern bedient hatte. Mit rührseligen Überschriften wie „Warum ich gleich weinen musste“, schafft es heftig.co laut Alexa-Ranking unter die erfolgreichsten Seiten Deutschlands. Mit nur 100 Artikeln und 1,4 Millionen Social Shares liegen die Betreiber der kolumbianischen Domain noch vor der HuffPostDE.

Doch woher diese tiefe Abneigung? Vielleicht schwingt die Sorge mit, in heftig.co und Buzzfeed – die im Laufe des Jahres eine deutsche Dependance eröffnen wollen – nun wahrlich den Endgegner für den Print-Journalismus im Netz gefunden zu haben. Wohl jeder von uns hat schon mal in einem Test herausfinden wollen, in welcher Stadt man eigentlich leben sollte und welches die eigene Lieblingsfarbe ist. Das geht online natürlich alles besser und schöner als auf langweiligem Papier. Das nächste Argument der Gegner lautet meist, dass das Niveau der Texte auf Bild-Zeitungs-Niveau läge.

Trotz sinkender Auflage ist das Springer-Flaggschiff – gerade in politischen Kreisen – ein wichtiges Stimmungsbarometer, was sich zudem online mit der digitalen Bundesliga in neue Gewässer traut. Dass die Bild eben nicht immer richtig liegt, wissen wir dank dem Bildblog, welches Verfehlungen mit feiner Ironie anprangert. Wirklich gut debattieren lässt sich dann eigentlich nur über die Tatsache, dass Buzzfeed und Co. hier alten Wein in neuen Schläuchen verkaufen wollen – und dabei die Kreativität anderer dreist nutzen, ohne dies irgendwie kenntlich zu machen.

Im Sinne der immer weiter fortschreitenden Leistungsgesellschaft (früher reichte es, zu joggen; heute muss es schon ein Marathon sein) werden auch Journalisten nicht umhin kommen, sich zu einer eigenen Marke zu entwickeln und individuelle Vertriebswege für ihre Arbeiten zu finden. Der damit einhergehende Bedeutungsverlust von Tageszeitungen und Verlagen ist aber nicht automatisch gleichbedeutend mit einer Entdemokratisierung der Gesellschaft. Die Journalisten können sich nicht mehr hinter ihren Arbeitgebern verstecken, sondern haben es selbst in der Hand. Die Agentur-Meldungen werden eh bald von Robotern verfasst…

Photo by Scott Bele under CC BY-NC-ND 2.0

Autor: Jan C. Rode