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Warum es Internet-Konferenzen in der Offline-Welt braucht

Ulrike Klode, die gemeinsam mit Ole Reißmann am 6. Juni in Hamburg die nebenan veranstaltet, erklärt auf nextMedia.Hamburg, wie es zur Konferenz kam – und wieso es solche Veranstaltungen auch offline braucht.


Brauchen wir noch eine Internet-Konferenz? Hätte mich das Ende Februar jemand gefragt, hätte ich gesagt: „Noch eine? Vermutlich nicht“. Damals war ich noch jung und hatte keine Ahnung.

Im Ernst: In den vergangenen drei Monaten habe ich meine Meinung geändert. Als Ole Reißmann und ich Anfang März die Idee hatten, eine eigene Konferenz zu veranstalten, war das eher eine Twitter-Schnapsidee: Aus der „Die rp15 hat meinen Session-Vorschlag abgelehnt“-Laune heraus schlug ich vor, dass wir ja etwas Eigenes machen könnten. Es war nicht ernst gemeint. Ole dagegen meinte es ernst – und überzeugte mich. Am nächsten Tag haben wir mit der Planung angefangen.

Anfangs waren wir skeptisch, ob sich überhaupt genug Menschen für unsere Konferenz interessieren könnten. Selbst als die Liste der Speakerinnen und Speaker immer voller, spannender und abwechslungsreicher wurde, blieb die Skepsis. Meine Antwort auf obige Frage hätte zu diesem Zeitpunkt gelautet: „Hm. Vermutlich eher nicht. Aber wir versuchen es einfach mal.“ Erst seit am 9. April alle Tickets nach nur zweieinhalb Stunden ausverkauft waren, obwohl wir nur auf Twitter darauf aufmerksam gemacht hatten, bin ich sicher: Wir brauchen noch eine Internet-Konferenz. Und nicht nur eine, sondern viele. Denn das Virtuelle ersetzt das Analoge nicht. Sondern beide spielen zusammen.

Das Bedürfnis, die Menschen in Fleisch und Blut kennenzulernen, von denen man schon viel im Netz gelesen und gesehen hat, mit denen man per Twitter, Blogkommentaren oder auf Facebook diskutiert und sich ausgetauscht hat, ist riesig.

Der Mensch ist immer noch ein soziales Wesen, das Gemeinschaft sucht – online und offline. Und da ist zwischen der großen re:publica, den kleinen Barcamps und den unzähligen Fachkonferenzen noch viel Platz. Die re:publica ist riesig und unübersichtlich, Zufallsbekanntschaften sind dort mittlerweile eher die Ausnahme. Die Barcamps sind übersichtlich, aber man weiß nie, welche Sessions einen erwarten. In den Fachkonferenzen dagegen tauschen sich die Experten oft nur untereinander aus.

Doch das bringt uns alle nur bedingt weiter. Was fehlt, sind Inspirationen, andere Sichtweisen und unerwartete Herangehensweisen. Und auch genau deswegen braucht „das Internet“ - nennen wir es einfach mal so - noch viele weitere Konferenzen: Es ist nicht einfach eine Summe der verschiedenen Teilöffentlichkeiten. Sondern ein großes Ganzes, das ganz unterschiedliche, sehr kleine und auch sehr große Nischen hat. Es steckt riesiges Potenzial darin, wenn Menschen aus unterschiedlichen Nischen Gedanken austauschen, sich vernetzen. Einfach mal etwas Gemeinsames wagen – weil man auf einer kleinen, familiären Konferenz einen inspirierenden Vortrag gehört hat und danach bei einem kühlen Getränk ins Gespräch kommt.


Ulrike Klode, auf Twitter auch als @FrauClodette bekannt, schreibt derzeit für das Medienportal dwdl.de. Zuvor arbeitete sie für stern online. Auf der nebenan-Konferenz, zu deren Partner auch nextMedia.Hamburg gehört, spricht sie über „Starke Frauen in Serien“.

Foto: Ralf Sander

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