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5 Fragen für 2014: Carolin Neumann (VOCER)

Zum Jahreswechsel befragt das Next Media-Blog führende Köpfe der Digitalszene. Carolin Neumann ist Co-Redaktionsleiterin bei VOCER und Mitgründerin der Digital Media Women. Trotz harter Zeiten empfiehlt sie Absolventen, von einer großartigen Zukunft im Journalismus zu träumen. Ob die Huffington Post Deutschland diese jedoch erleben wird: äußerst unsicher.

5 Fragen für 2014: Carolin Neumann (VOCER)

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Next Media: Bei VOCER beschäftigst du dich als Co-Redaktionsleiterin immer wieder mit Innovationen im Journalismus. Welche Medienhäuser machen denn, welche schnacken nur rum?

Carolin Neumman: Das sollte man nicht an einem ganzen Medienhaus festmachen. Ich schaue mir lieber an, welche Medien bzw. welche Redaktionen gute Arbeit leisten. Was der NDR und "Süddeutsche Zeitung" in Kooperation gemacht haben, geheimerkrieg.de, finde ich zum Beispiel großartig. Überhaupt alles, was bei "Süddeutsche.de" in puncto Journalismus neu denken gerade so passiert. Aber die spannendsten Sachen entstehen oftmals außerhalb klassischer Verlagsstrukturen.

Next Media: Kann man jungen Absolventen noch guten Gewissens raten, Journalist zu werden?

Carolin Neumann: Wenn man die richtigen Worte wählt - klar! Der Redakteur, der mich eins für den Journalismus begeisterte, sprach auch schon von schlechten Arbeitsbedingungen und wenig Geld, abgeschreckt hat er mich trotzdem nicht. Wichtig ist halt, die Situation einigermaßen realistisch darzustellen. Ein bisschen Träumen sollten die Absolventen trotzdem noch dürfen.

Next Media: Man liest ja immer, dass der „neue Journalist“ unbedingt auch VJ sein muss, mit Daten umgehen soll und am besten noch programmiert. Was ist wirklich wichtig?

Carolin Neumann: Dass der "neue Journalist" all dem gegenüber offen ist und sich neuen Möglichkeiten und Anforderungen gegenüber nicht verschließt. Was dann wirklich von ihm gefordert ist in seiner Position und was wichtig wird in einigen Jahren, das kann er oder sie nur sehr individuell beantworten.


Next Media: Sind Blogs, die sich zu hyperlokalen Medien vernetzen, die bessere Tageszeitung?

Carolin Neumman: In absehbarer Zukunft - ja. Noch erreichen Lokalblogs einen Großteil ihres potentiellen Publikums nicht, weil es tendenziell älter und seltener online ist, aber das wird kommen.


Next Media: Gerade die Branche der freien Journalisten leidet unter mickrigen Salären. Ist Aufmerksamkeit und Reichweite – wie etwa die Huffington Post verspricht – der einzige Ausweg aus der Misere?

Carolin Neumman: Unsinn. Aufmerksamkeit und Reichweite werden natürlich immer wichtiger, je mehr sich der Journalismus ins Netz verlagert und dort dazu führt, dass auch Konkurrenz deutlicher sichtbar wird. Ich muss mich eben positionieren in einer solchen Welt. Aber die Ich-Marke wird nicht automatisch und unmittelbar zu mehr Geld in meiner Tasche führen. Dafür muss ich zunächst einmal eine gute Journalistin mit tollen Ideen und Geschichten sein. Ich möchte glauben, dass ich diese auch ohne Rampensau-Gen noch zu Geld machen kann, wenn ich gut bin.

Next Media: Vielen Dank für das Gespräch!