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flow.social: Geld verdienen im sozialen Netzwerk

Roland Becker, Gründer und CEO von social.flow, erklärt im Interview, wie User mit seinem sozialen Netzwerk Geld verdienen können.

Roland Becker, Gründer und CEO von flow.social.

Als Nutzer Geld verdienen mit sozialen Netzwerken? Was zunächst ungewohnt klingt, ist das Konzept des Hamburger Startups flow.social, die damit auch schon den Hamburger Uni Pitch gewonnen haben. Mit der App können Fotos und Texte für 24 Stunden geteilt werden, die Inhalte-Ersteller bekommen dafür Geld aus den Werbeeinnahmen. Wie genau das funktioniert und was er Facebooks Übermacht entgegenstellt, erklärt Gründer und CEO Roland Becker im Interview.

Roland, mit eurem sozialen Netzwerk flow.social können User Bilder aufnehmen und teilen, nach 24 Stunden verschwinden sie wieder. Klingt wie eine Mischung aus Instagram und Snapchat, oder?

Richtig, wir kombinieren bei flow.social die Einfachheit von Instagram mit dem Reiz des Vergänglichen der Snapchat-Stories. Im flow ist nichts von gestern, es entsteht ein ständiger Strom von Momenten, der immer neu, live und spannend ist. Vor allem aber beteiligen wir unsere Nutzer an den Werbeeinnahmen, das machen Instagram und Snapchat nicht. Je erfolgreicher der Content der Nutzer ist, desto höher ist ihr Anteil an der Ausschüttung. Insgesamt schütten wir jeden Tag 70 Prozent unserer Einnahmen an alle aktiven Nutzer aus. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, dass Leute, die relevanten Content erschaffen und zur Verfügung stellen, dafür auch entlohnt werden. Der Berliner Philosoph Byung-Chul Han bezeichnet den aktuellen Zustand daher als „Ausbeutung der Kommunikation“ - Content-Sklaverei trifft es auch ganz gut. Das wollen wir ändern. 

Wenn ihr die User an den Werbeeinnahmen im Netzwerk beteiligen wollt – von welcher Summe sprechen wir da pro Monat, die der Nutzer erhält?

Das hängt davon ab, wie viele Nutzer es insgesamt gibt und wie hoch damit unsere Werbeeinahmen insgesamt sind. Schon ab ca. 50.000 Nutzern können wir den erfolgreichsten eine dreistellige Summe pro Tag ausschütten, das heißt eine vierstellige Summe pro Monat ist dann schon drin. Bei mehr als 1 Millionen Nutzern können wir bereits vierstellige Ausschüttungen pro Tag machen. Aber selbst bei einer Handvoll Nutzer gibt es bereits für jeden ein paar Cent. Je mehr Leute mitmachen, desto besser ist es für alle.

Reichen denn die 30 Prozent, die ihr von den Werbeeinnahmen nicht an die User ausschüttet, um euch langfristig zu finanzieren?

Ja auf jeden Fall. Wir sind damit schon ab ca. 50.000 Nutzern profitabel. Die technischen Kosten sind extrem degressiv und fallen insgesamt nicht so sehr ins Gewicht. Die größten Aufwände entstehen beim Community Management und im Marketing. Wenn man sich mal die Bilanz von Facebook anschaut, erkennt man sehr schnell, dass die Kosten des operativen Betriebs der Social Media-Plattform an sich bei weitem von den Einnahmen übertroffen werden. Manche Leute sind der Meinung, dass sogar zehn Prozent reichen würden. Das glaube ich nicht, aber aktuell verdienen die Social Media-Plattformen unglaublich viel – vor allem, weil sie eben einfach nichts für den Content zahlen, und die Nutzer das momentan noch mitmachen.

In Hamburg sitzen einige spannende Digital-Startups. Gäbe es da nicht das ein oder andere Jungunternehmen, mit denen sich eine Zusammenarbeit anböte?

Die Hamburger Startup-Szene hat definitiv im vergangenen Jahr deutlich an Dynamik gewonnen und es gibt hier sehr viele spannende Unternehmen, und auf jeden Fall auch einige, mit denen eine Zusammenarbeit spannend sein könnte. Ein paar Gespräche haben wir schon geführt, aber da gibt es noch nichts konkretes. Ich bin auf jeden Fall offen für Vorschläge. Vor allem suchen wir aktuell auch einen CTO als technischen Co-Founder, der Lust hat, flow.social mit uns weiter zu entwickeln.

Gerade für ein soziales Netzwerk wäre ja auch eine internationale Community spannend. Sind da eurerseits schon Schritte zur Internationalisierung im Gange?

Geplant ist die Internationalisierung natürlich und rein technisch ist diese Hürde ziemlich klein, aber wir wollen die App erst noch weiter verbessern, und vor allem auch eine Android Version entwickeln, bevor wir diesen Schritt machen. Wann wir flow.social international ausrollen können, wird dann davon abhängen, wie schnell die Userzahlen in Deutschland wachsen und wann wir unsere nächste Finanzierungsrunde abschließen können.

Blicken wir mal kurz in die Zukunft: Bis wann habt ihr Facebooks Übermacht mit den gegenwärtig rund 1,44 Milliarden Nutzern gebrochen?

Ich glaube, dass Facebook in Zukunft zunehmend anders und von einer anderen Zielgruppe genutzt werden wird, mehr wie eine Mischung aus Informations-/ Entertainment-Portal und Adressbuch. Immer mehr Blogger und Jugendliche teilen ihre eigenen Inhalte aber jetzt schon lieber auf Instagram (ok, ist auch Facebook) oder Snapchat, diese beiden Netze wachsen momentan am stärksten. Dort bekommen sie aber kein Geld dafür. Daher sind wir mit flow.social als Mischung aus Instagram und Snapchat, bei der die Nutzer an den Einnahmen beteiligt werden, ganz gut aufgestellt. Die Herausforderung besteht aber darin, für den Launch nicht nur einen Haufen einzelner Nutzer sondern eine ganze Community dafür zu begeistern, und so den Tipping Point zu erreichen, ab dem das Wachstum auch organisch läuft. Wenn wir das schaffen, kann sich Facebook warm anziehen. Denn auch wenn wir natürlich selbst auf mittlere Sicht keine direkte Gefahr für Facebook darstellen, so wird doch allein die Tatsache, dass es soziale Netze gibt, die ihre Nutzer als Content-Lieferanten bezahlen, ein entsprechendes Bewusstsein bei vielen Leuten schaffen und so Druck auf die bestehenden Dienste ausüben. Wenn wir das schaffen, wäre es schon ein großer Erfolg.

flow.social im Monitor von Hamburg Startups

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