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Gunnar Stenzel: „Wir wollen die klassische Stellenanzeige abschaffen.“

Gunnar Stenzel vom Hamburger Startup Skjlls plant Großes: Sie wollen die klassische Stellenanzeige überflüssig machen. Wie das gelingen soll, erklärt er in einem Gastbeitrag.

“Chef, wir haben zu viele passende Bewerber“. Wie oft hört man diesen Satz aus HR-Abteilungen? Richtig: Gar nicht. Über zu viele wirklich passende Bewerber wird selten geklagt. Im Gegenteil. In vielen Branchen herrscht schon seit Jahren ein regelrechter “War for talent”. Zum Beispiel in der Kreativ- und Digitalbranche.

„War of talent“ noch nicht digital

Während unser digitales Leben auf Schritt und Tritt getracked, katalogisiert und durch Big Data-Analysen in brauchbare Daten umgewandelt wird, ist der Jobmarkt davon noch weit entfernt: Hier herrschen, „War for talent“ hin oder her, auch im Web noch die aus der analogen Welt bekannten Jobanzeigen vor – nur eben nicht mehr in der Tageszeitung gedruckt, aber auf dem gleichen Prinzip basierend.
Für Unternehmen in Branchen mit Fachkräftemangel ist das ein Problem. Laut dem Branchenverband Bitkom fehlen allein in der IT-Branche zum Beispiel 41.000 Fachkräfte (Stand 2014). Entsprechend gering ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich Unmengen an IT-lern regelmäßig auf Jobportalen, Karriereplattformen, Job-Apps und Job-Aggregatorseiten herumtreiben, um dort nach passenden Stellenanzeigen zu suchen.
Aber auch Unternehmen, die aktiv auf die Suche nach passenden Kandidaten ausweichen, haben es schwer. Die Suche anhand von Berufsbezeichnungen ist aufgrund der sich wildwuchsartig vermehrenden Jobtitel in der Design-, Marketing- und IT-Branche kaum erfolgreich. Es liegt im Auge des Betrachters, was zum Beispiel einen Webdesigner von einem Digital Art Director, einem UX-Designer oder einem Interface-Designer unterscheidet. Und auch eine Suche nach Qualifikationen ist selten von großem Erfolg gekrönt. Ob Unternehmen darüber einen passenden Kandidaten finden, hängt letztlich davon ab, welche Begriffe und welche Schreibweise sie für die Suche nach Qualifikationen verwenden.

Skills statt Stellenanzeigen

Mit Skjlls.com gehen wir deshalb einen anderen Weg, der Stellenanzeigen überflüssig macht. Wir bieten Unternehmen aus Design, Marketing und IT die Möglichkeit, passende Kandidaten ohne den Umweg über Anzeigen oder ein Matching von Jobtiteln zu finden. Wir fokussieren uns dabei auf das, was im Job primär zählt: die Skills.
Damit eine Suche nach Fähigkeiten funktioniert, müssen wir identifizieren, welche Fähigkeiten überhaupt relevant für die Branche sind. Hierzu haben wir einen Gehaltsvergleich auf Basis von Fähigkeiten entwickelt, mit dem unsere User sich miteinander vergleichen und so ihren gängigen Marktwert bestimmen können. Der Vergleich dient uns als Crowdsourcing nach branchenrelevanten Fähigkeiten, bei dem wir aus allen User-Angaben die wirklich relevanten Fähigkeiten identifiziert haben.
Jeder Skjlls-User besitzt nun ein Fähigkeits-Profil, das immer auf demselben Set an branchenrelevanten Fähigkeiten basiert. Das Profil zeigt dabei nicht nur, „was“ jeder User kann, sondern auch, „wie gut“ er etwas kann. Damit unterscheidet sich Skjlls.com bereits maßgeblich von anderen Karriereportalen.
Freelancern und Angestellten bieten wir nun an, ihr Skjlls-Profil für unsere Suche freizugeben und sich so von Unternehmen finden zu lassen. Unternehmen, Agenturen und Start-ups können so über eine Suche nach kombinierbaren, branchenrelevanten Fähigkeiten passende Freelancer oder Kandidaten für eine Festanstellung finden. Mit zusätzlichen Filtern nach Entfernung, Wunschgehalt oder Tagessatz, Berufserfahrung, etc. können sie Kandidaten herausfiltern, bis sie ihren exakten fachlichen Vorstellungen und ihrem Budgetrahmen entsprechen.

Revolution mit Algorithmen

Der herkömmliche Bewerbungsprozess kann somit bis zum persönlichen Kennenlernen übersprungen werden. Unternehmen sparen währenddessen mehrere Wochen Wartezeit, bis die ersten Bewerbungen eintrudeln und einige tausend Euro an Anzeigenbudget. Angestellte haben den Vorteil, in Kontakt zu Unternehmen mit wirklich passenden Jobs zu kommen, ohne sich selbst durch Stellenangebote wühlen zu müssen. Und auch Freelancer müssen nicht selbst auf Akquise gehen, sondern können sich über ihre Fähigkeiten finden lassen und so neue Aufträge an Land ziehen.
Mit unserem Angebot haben wir also nicht weniger vor, als die klassische Stellenanzeige zu revolutionieren, indem wir sie abschaffen. Wir bringen mit jeder Menge Algorithmen diejenigen zusammen, die wirklich zusammen passen. Sofort und ohne Umwege.

Im Moment läuft Skjlls.com in einer “Grace Period”, in der unser Angebot vollkommen kostenfrei ist. Während dieser Phase lernen wir, wen, wonach und in welcher Frequenz Unternehmen, Agenturen und Startups suchen. Nach dem Ende der “Grace Period” wird unsere Suche kostenpflichtig werden. Für Freelancer und Angestellte ist geplant, Skjlls.com weiterhin kostenfrei zu belassen.

Über den Autor: Gunnar Stenzel ist Managing Partner des Startups Skjlls.com, das Arbeitnehmer und Freelancer aus der Digital- und Kreativbranche auf Basis ihrer Fähigkeiten an Unternehmen, Agenturen und Startups vermittelt. In den letzten 10 Jahren, in denen er in leitenden Positionen in Digitalagenturen gearbeitet hat, stieß er immer wieder auf das Problem der aufwändigen Suche nach neuen Kollegen und adäquaten Freelancern. Um die Suche für Unternehmen zu vereinfachen gründete er deshalb 2014 zusammen mit vier Partnern die Karriereplattform Skjlls.com. Wenn er nicht an der Weiterentwicklung der Plattform arbeitet, ist Gunnar Stenzel selbst als Freelancer als Information Architect und als UX Designer für Agenturen und Unternehmen tätig.

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