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Isabel Bogdan: „Facebook und Twitter sind mein virtuelles Großraumbüro“

Mit „Der Pfau“ in die SPIEGEL-Bestsellerliste: Ein Gespräch mit der Hamburger Autorin Isabel Bogdan über die Digitalität des Schriftsteller-Daseins und der Literatur im Allgemeinen.

Foto: Smilla Dankert

Aktuell ist es Platz 15 auf der SPIEGEL-Bestsellerliste Hardcover, den Isabel Bogdan mit „Der Pfau“ (Kiepenheuer & Witsch) belegt. Nicht nur das schimmernde Cover der Hamburger Autorin scheint die Leser anzusprechen, sondern auch die kurzweilige wie unterhaltsame Geschichte rund um einen verrückten Pfau und seine Auswirkungen auf eine Gruppe Banker. Doch Isabel Bogdan ist nicht nur Autorin, sondern auch Übersetzerin und auch sonst in der (Online-)Literaturcommunity gut vernetzt. Genügend Gründe also, um mit ihr über die Digitalität des Schriftsteller-Daseins und der Literatur im Allgemeinen zu sprechen.

Die Banker in Ihrem Buch „Der Pfau“ sind – zum Teil gezwungermaßen – in den Highlands offline. Wie halten Sie es denn mit dem Online- und Offline-sein?
Ich bin eigentlich 24/7 online. Wenn ich nicht am Rechner sitze, habe ich das Smartphone in der Hand. Allerdings kenne ich die Gegend in Schottland, in der das Buch spielt, sehr gut, und da ist tatsächlich kein Handyempfang. Das weiß ich aber, wenn ich dahin fahre, und dann werde ich auch nicht übertrieben hibbelig.

In Deutschland sieht es mit dem Netz dann doch besser aus, und als Schriftstellerin könnten Sie theoretisch von überall schreiben. Arbeiten Sie auch von unterwegs?
Manchmal übersetze ich auf längeren Bahnfahrten. Auf kurzen Strecken werfe ich eher einen Blick in meine Mails, antworte auch schon mal kurz, oder ich gucke auf Facebook oder Twitter.

Welche Rolle spielen soziale Netzwerke, speziell für Sie als Autorin?
Ich bin schon viel länger in den sozialen Netzwerken unterwegs, als dass ich Autorin bin. Früher hatte ich oft ein schlechtes Gewissen, dass ich so viel im Internet rumhänge, statt zu arbeiten. Aber jetzt stelle ich fest, dass das gar keine verschwendete Zeit war, sondern dass ich dadurch einen kleinen Bekanntheitsgrad im Internet habe. Und das ist für die Vermarktung meines Buchs natürlich super.  

Welche Möglichkeiten nutzen Sie denn dafür in den sozialen Netzwerken genau?
Facebook und Twitter sind mein virtuelles Großraumbüro. Mein Blog ist so eine Art Schaufenster, da präsentiere ich meine Waren und zeige, was ich mache. Man darf aber soziale Netzwerke nicht als reine Werbeplattform benutzen, sondern man muss als ganze Person da sein. Für mich funktioniert das sehr gut, echt zu sein, so wie ich bin. Ich weiß aber, dass viele das nicht möchten, dass es einfach nicht ihr Ding ist. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden.

Es gibt aber auch eigene Online-Literaturcommunitys. Wie wichtig ist etwa LovelyBooks für Autoren?
Das sehe ich als eine von vielen Möglichkeiten. Wahrscheinlich muss man viele verschiedene Wege des Online-Marketings versuchen, glaube aber, dass die Literaturcommunitys nicht für alle Bücher funktionieren. Mein Verlag hat Vorablesen.de genutzt, wo die User schon vor Erscheinen Rezensionen zu „Der Pfau“ schreiben konnten.

Das sind ja eher Maßnahmen, die nach der Finalisierung oder sogar Veröffentlichung des Buchs geschehen. Verändert sich denn auch schon vor Erscheinen das Storytelling um das Buch herum?
Ich habe in meinem Blog und auf Facebook schon den Entstehungsprozess des Buchs begleitet, aber eigentlich, um mich selbst unter Druck zu setzen. Beim ersten Roman hat man im Normallfall noch keinen Verlag und somit keinen Abgabetermin. Und den brauche ich, sonst funktioniere ich nicht. Ich habe mir also gar keine Gedanken über „Storytelling“ gemacht, sondern einfach geschrieben, was mich beschäftigte – aber wahrscheinlich ist dabei ein Storytelling rausgekommen.

Sie sind aber nicht nur Autorin. Mit „Was machen die da?“ haben Sie zudem ein Interviewprojekt – wie viele Standbeine braucht man heute als Kreativer?
Das ist sehr individuell. Ich habe viele Jahre nahezu unbemerkt vor mich hin übersetzt. Dann hatte ich aber Lust, etwas mehr rauszugehen und habe vor nunmehr elf Jahren mit meinem eigenen Blog angefangen. Und dann ergab sich „Was machen die da?“, was ich gemeinsam mit Maximilian Buddenbohm mache. Aber das ist ein Spaßprojekt, da bezahlt uns keiner für. Es freut mich jedoch, derzeit so viele unterschiedliche Sachen machen zu können.

Sie probieren also viel aus und auch die Verlag wagen sich an neue Projekte: Rowohlt etwa mit dem „Deathbook“, Bastei Lübbe mit dem Streaming-Dienst oolipo. Wohin geht die Reise in der Literatur?
Es gibt wahnsinnig viele neue Möglichkeiten, etwa mit Enhanced E-Books, aber ich habe das Gefühl, dass immer noch recht langsam ausprobiert wird. Es erscheinen jedes Jahr immer noch unglaublich viele Romane, die als Papierbuch und zusätzlich als E-Book auf den Markt kommen. Letzteres ist aber zunächst einmal nur ein neues Trägermedium, um das ich die ganze Aufregung nebenbei bemerkt auch nicht verstehe. Dadurch verschwindet das Papierbuch noch lange nicht. Aber ja: die ersten Verlage fangen an, neue Möglichkeiten auszuprobieren, etwa auch Hanser mit dem Roman-Abo von Tilman Rammstedt. Wohin die Reise jedoch geht, da würde ich keine Prognose wagen. Aber ich bin gespannt!

Sie haben ja auch viele Bücher übersetzt – ist dies ein Job, der zukünftig auch maschinell und ohne Menschen möglich ist?
Bei der Literatur geht es so viel um das, was zwischen den Zeilen steht. Ich glaube nicht, dass Maschinen sowas leisten können. Allein die Frage nach dem Du und Sie – eine Entscheidung, die man als Übersetzer aus dem Englischen dauernd treffen muss – bekommt eine Maschine nicht hin. Da braucht es menschliches Gehirnschmalz. Gleiches gilt für Anspielungen oder Zitate. Im Bereich der Technik- und Fachübersetzung wird relativ viel mit Translation Memory Tools gearbeitet. Die merken sich, was man wie übersetzt hat und schlagen das bei nächster Gelegenheit als Übersetzung vor – das macht bei technischen Handbüchern durchaus Sinn. Aber eben nicht bei Literatur.

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