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Karl Olsberg: Vom Minecraft-Spiel zum Buch und wieder zurück

Mincecraft zocken und Bücher lesen – wie passt das denn zusammen? Sehr gut, würde Karl Olsberg jetzt sagen. Der Bestseller-Autor brachte die digitale Würfelwelt des beliebten Spiels zu Papier und begeistert Lesefreunde wie Gamer gleichermaßen.

facebook/Karl-Olsberg

Die Digitalisierung stellt viele Branchen vor große Herausforderungen. Insbesondere im Verlagswesen führt der digitale Wandel zu Verunsicherung über die Zukunftsfähigkeit klassischer Geschäftsmodelle. Der Leser ist plötzlich der User, die Lektüre wird häufig nur noch am Display gelesen. Dass diese Entwicklung aber auch eine Chance für Journalisten und Schriftsteller sein kann, zeigt Dr. Karl Wendt.

Unter seinem Pseudonym Karl Olsberg hat der Wahl-Hamburger aus dem Open World-Spiel Minecraft 14 Romane geschrieben. Das Spannende an seinen Büchern: Jeder kann die darin beschriebenen Welten mithilfe eines Codes, dem sogenannten Seed, am Rechner selber erkunden. Diese Adaptionstechnik ist nicht zuletzt ein Grund, warum sich seine Werke auch in der Online-Community großer Beliebtheit erfreuen.

YouTuber verhilft Karl Olsberg zu Bestseller-Platz

Im Netz existieren inzwischen zahlreiche Let’s Play-Videos der elfteiligen Minecraft-Serie „Das Dorf“. Dass es Wendt sogar auf die Bestseller-Liste schaffte, hat er vor allem dem YouTuber Concrafter zu verdanken.  Dieser sprach auf seinem Kanal, der immerhin stolze zwei Millionen Abonnenten zählt, in höchsten Tönen von den Minecraft-Büchern und katapultierte Wendt somit auf Platz zwei im Verkaufsranking auf Amazon. „Ohne ihn hätte ich wohl nicht diesen Erfolg gehabt. YouTube hat einen enormen Einfluss auf das Kaufverhalten der Leser, und es gibt auch immer mehr Videos zu Büchern“, erklärt der Schriftsteller.

Influencer gezielt zu Marketing-Zwecken einzusetzen sei laut Wendt allerdings nicht zwangsläufig ein erfolgsversprechendes Rezept, um mehr Bücher zu verkaufen. „Testimonials funktionieren nur, wenn die auch wirklich begeistert von dem Produkt sind, und das sind sie in der Regel nicht, wenn ihnen etwas aufgedrängt wird. Außerdem wissen sie genau, dass sie ihre Fans verlieren, wenn sie zu ‚kommerziell‘ werden.“ 

Generell geht es Wendt ohnehin nicht darum, um jeden Preis Reichweite zu generieren. „Auch wenn ein Videoamateur mit nur wenigen Followern etwas über eines meiner Bücher macht, freue ich mir ein Loch in den Bauch. Denn es bedeutet, dass ihm meine Geschichten so gut gefallen, dass er eigene Zeit und Arbeit investiert, um daraus etwas Neues zu machen. Das ist das größte Kompliment, das man als Autor bekommen kann“, so der studierte Betriebswirtschaftler.

„Papego“ verknüpft gedruckte und digitale Inhalte 

Besonders beeindruckend ist, dass Wendt seine Bücher ganz ohne Verlag veröffentlichte – das sei vor einigen Jahren kaum denkbar gewesen.  „Digitalisierung verändert so viel in der Buchbranche. Zum Beispiel wäre Selfpublishing ohne eine digitale Wertschöpfungskette, wie sie Amazon zur Verfügung stellt, gar nicht sinnvoll möglich, und es gäbe dann auch meine Minecraft-Bücher nicht.“

Die Digitalisierung im Verlagswesen treibt Wendt nicht nur als Autor voran, auch als Unternehmer ist er erfolgreich unterwegs. Sein Startup Briends entwickelte die  App „Papego“, mit der man gedruckte Bücher unterwegs auf dem Smartphone oder Tablet weiterlesen kann, ohne sie mitschleppen zu müssen. Das Ganze funktioniert wie folgt: Scannt man die zuletzt gelesene Buchseite mit dem Smartphone, erscheinen die folgenden Seiten (bis zu 25 Prozent Buches) in der „Papego“-App.

Für Wendt ist dieser Ansatz ein zukunftsweisender Distributionsweg – und eine echte Alternative zum E-Book. „Ich glaube, dass digitale Inhalte mit dem gedruckten Buch verknüpft werden sollten, denn die meisten Menschen haben kein Problem damit, für ein physisches Produkt Geld auszugeben, sind aber schnell knauserig, wenn es um eine Datei wie ein E-Book geht.“

Minecraft, Karl Olsberg, Romane, Bücher