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LifeTime: Hamburger Startup entwickelt digitale Patienten-Akte für das Smartphone

Mit der Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) sollte die digitale Transformation endlich auch in der Medizinbranche ankommen. Tatsächlich aber bietet die eGK im Vergleich zu ihrem Vorgänger keine wesentlichen Vorteile für Patienten. Genau hier setzt die App LifeTime ein, die einen papierlosen Austausch medizinischer Dokumente ermöglicht. Wie das im Detail aussieht, hat uns Co-Founder Matthias Lau im Interview verraten.

Matthias Lau von LifeTime.

"Deine Gesundheit in deiner Hand" – so lautet der Claim von LifeTime, der App des Hamburger Startups connected-health.eu. Der Slogan ist im wörtlichen Sinne zu verstehen, denn mit der Anwendung ermöglicht das Jungunternehmen Patienten, über das Smartphone auf Befunde, verschriebene Medikamente oder sogar Röntgenbilder zuzugreifen und so die eigene Krankenakte zu organisieren. Die Dateien werden über eine Hardware, den sogenannten LifeTime Hub, vom Arzt zur Verfügung gestellt. 

"Der nahtlose Austausch von Daten ist einer unser wesentlichen Ziele. Dazu gehört auch, dass wir digitale Prozesse des Arztes entsprechend unterstützen und optimieren", erklärt Softwareentwickler und Mitbegründer Matthias Lau, der gemeinsam mit dem Hamburger Arzt Johannes Jacubeit die LifeTime-App ins Leben gerufen hat. Die beiden gehen mit ihrer Geschäftsidee einen generellen Missstand an, der schon lange in Praxen vorherrscht. Lau: "Es ist einfach ein harter Medienbruch, wenn der Arzt die Patientendaten digital verwaltet, in Word seine Briefe schreibt und sie dann doch wieder ausdruckt."

Mehr Sicherheit durch Verschlüsselung

Bei Patientendokumenten handelt es sich um hochsensible Information, daher ist Datenschutz- und Sicherheit auch eines der Kernthemen des LifeTime-Teams. "Das Schöne ist, dass wir viel mehr Sicherheit schaffen als der Status quo. Oft ist es in Praxen noch so, dass Ärzte die Daten über Faxgeräte versenden  – einen der unsichersten Kommunikationskanäle, den man nur wählen kann. Aufgrund fehlender Alternativen erfolgt der Transfer teilweise sogar via E-Mail, was gar nicht erlaubt ist", so Matthias Lau. Um Fremdzugriffe auszuschließen, setzt das Startup bei den Übertragungswegen auf eine AES 256-Verschlüsselung. Die Daten laufen dabei nicht über eine Cloud, sondern direkt vom Arzt auf das Smartphone. Selbst das Startup kann die digitalen Dokumente nicht einsehen. 

Beliebt bei Alt und Schwanger

Ein Jahr lang wurde die App in einer Pilotphase in Praxen getestet. Dabei haben sich die connected health.eu-Gründer nicht nur Input von Ärzten eingeholt, sondern auch viel mit Patienten über ihr Produkt gesprochen. Eine wichtige Erkenntnis nach dem Testlauf: Auch ältere Menschen, die aufgrund der höheren Anfälligkeit für Krankheiten oft zum Arzt gehen müssen, sind gegenüber der App sehr aufgeschlossen. 

"Wir haben festgestellt, dass viele ältere Patienten WhatsApp nutzen, um Bilder ihrer Enkelkinder zu erhalten oder mit ihren Familien zu chatten." Zwar fehle es oft an technischem Verständnis, Angehörige müssten bei der Installation von LifeTime aushelfen. Der Bedarf und das Interesse, die App zu benutzen, sei bei der Generation 50plus allerdings enorm hoch. 

Großer Beliebtheit erfreut sich die Software auch bei werdenden Müttern. „Die App funktioniert u. a. im gynäkologischen Bereich sehr gut. Schwangere lassen sich Ultraschallbilder lieber digital mitgeben, weil sie eine ausgedruckte Version ohnehin abfotografieren und über WhatsApp verschicken würden“, sagt Lau.

LifeTime will auch ausländische Märkte erschließen

Seit Mitte 2016 ist LifeTime marktreif und wird von vielen Ärzten positiv angenommen, die auch selbst aktiv Produktentwicklung mitbetreiben. "Es gibt zahlreiche Praxen, die mit sehr gutem Feedback und Ideen auf uns zukommen."

Für die Zukunft plant das Startup, seine App auch außerhalb des deutschen Marktes zu platzieren. „Wir sind ein Unternehmen, bei dem Globalisierung ein sehr interessanter Punkt ist. Es gibt viele Märkte, in denen unsere Lösung einen noch höheren Mehrwert hat als in Deutschland.“ Neue Kontakte könnten bereits Anfang März geknüpft werden. Dann steht für LifeTime die Teilnahme an der South by Southwest an, die von Hamburg@work und nextMedia.Hamburg mit einem Reisekostenzuschuss in Höhe von 3000 Euro gefördert wird.

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