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Medium.com: Von Movies, Politics bis Star Trek

"Move thinking forward", heißt es auf der Startseite von Medium.com. Andreas "The Spectator" Wrede, Editor-in-Chief InnoLab/Medienmanagement, Hamburg Media School, hat sich die Plattform einmal genauer angesehen.

Screenshot: Startseite Medium.com (Stand: 28.1.2016)

Wired hat es ganz gut auf den Punkt gebracht: Medium.com, gegründet bereits 2012, ist „eine Mischung aus Pinterest und Reddit“. Im Grundsatz ist Medium eine Plattform „um Content in verschiedenen Kategorien“ zu teilen. Hier nennt man sie Collections – die Kategorien unterscheiden sich eben durch das jeweilige Thema und unterschiedliche Templates.

Für einen ersten Eindruck seien einige aktuell Tags genannt: Tech, Movies, Politics, Humor, Alcohol, Taxi oder auch Star Trek. Lediglich Staffpicks/Top Stories/ Bookmarks finden sich im Header – so wenige Stichworte sind natürlich schon programmatisch, ebenso die Ansprüche der Gründer. Es entbehrt nicht einer gewissen Netzironie, dass ausgerechnet einer der Founder von Twitter, Evan Williams, Medium mit ins publizistische Leben gerufen hat.

Schließlich war es auch seine Ursprungsidee, dass die User auf Twitter den Standard von maximal 140 Zeichen zu akzeptieren haben (dies hat sich inzwischen ja geändert, siehe Twit-longer). Nach einer Twitter-Weile hatte Mr. Williams die Benchmark für sich und seine Medium-Mitstreiter formuliert,
in der Tat kurz und bündig: „Wir denken Publishing neu und bauen eine Plattform von Anfang an“ (das sind jetzt übrigens weit weniger als 140 Zeichen).  

Und weiter heißt es auf Medium: „(Dies ist ein) Platz, wo der Maßstab des Erfolges nicht Views sind, sondern Viewpoints. Wo die Qualität der Idee entscheidend ist, nicht die Qualifikation des Autors. (Es ist) ein Platz von dem aus Ideen vorangebracht werden durch Konversation und wo Worte immer noch Bedeutung haben.“ Warum das so ist? Ganz einfach! „Die Welt hat einen saturierten Punkt erreicht voll hohlem, gedankenlosem Content.“ Demgegenüber sei Medium „voll von Geschichten mit Tiefe und Bedeutung.“

So finden wir also etwa folgende Stories auf Medium: „An appeal to end the suffering in Syria“ oder „No Toilets for the Homeless“ oder „Waiting for Bowie“ oder auch „Fuck working hard“, ein sehr persönliches Stück. Es beginnt mit dem wunderbar wahren Satz: „I used to work really hard. So hard, I almost killed myself“.
Die inhaltliche Medium-Bandbreite bewegt sich mithin zwischen hochpolitischem Stoff und besonders persönlicher Sicht der Dinge. Der User sieht gleich zu Beginn des Artikels wie lang man zum Lesen braucht, wie viele Menschen das Stück liken (hier: mit einem Herz) und wie viele darauf geantwortet haben.

Das Design gefällt mir ausgesprochen gut: Viel Weißraum, ergo Großzügigkeit im Layout, schöne Typographie, feine Strukturen, meint das Niemanlab. Dem kann ich nur zustimmen. Wobei ich gerne noch die reduzierten Optiken hervorheben möchte, oft wird mit intelligenten Anschnitten gearbeitet. In jedem Fall: „Anstatt eine Kategorie einem Post hinzuzufügen, fügt man einen Post zu einer Kategorie hinzu“. Will sagen: das Thema zählt erheblich mehr als der Autor, das ist eine spannende Herangehensweise – ist das Netz (inklusive YouTube & Co.) doch zunehmend auf (oft banale) Personen ausgerichtet, wenn es um Content zu tun ist.

Unklar ist freilich noch, wie Medium Geld verdienen soll. Möglicherweise tatsächlich über die Qualitätsschiene, aber nichts Genaues weiß man noch nicht. Denn Werbung ist (wie schön) auf Medium nicht zu sehen. Mir gefällt der wilde Themenmix, das Niveau der Stories stimmt (seien sie nun länger oder kürzer), die einfache Handhabung ist klasse. Sehr sympathisch ist weiterhin ein „Umbrella Project for open source efforts at Medium“ (Medium/opensource Git-Hub).

Ich möchte empfehlen, Medium regelmäßig zu verfolgen, die eine oder die andere Geschichte kann uns inspirieren. Und das ist doch schon was in dem immer umfänglicher werdenden globalen Internet-Sumpf auf dumpfbackigem Dschungel-Camp-Niveau.

von Andreas Wrede, Editor-in-Chief InnoLab/Medienmanagement, Hamburg Media School

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