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Medizin meets newTV: Der Online-Arzt Dr. Johannes Wimmer

In Deutschland, den USA und China hat er Medizin studiert, doch seine größte Praxis ist heute das Internet: Dr. Johannes Wimmer. Der Hamburger Arzt macht keine YouTube Hauls, sondern erklärt dem interessierten User, was der Körper so macht und woher so manches Zwicken kommt. Zudem ist er am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf im CVDerm Insitut als Head of Digital Patient Communication tätig und berät Pharmaunternehmen, Healthcare Provider und Versicherungen zum Thema Patientenkommunikation und Digital Transformation. Er selbst praktiziert mittlerweile nicht nur online, sondern auch in Büchern und im klassischen TV. Im Interview mit nextMedia.Hamburg erklärt er, welches Geschäftsmodell hinter seinem Tun steckt und welche Rolle soziale Netzwerke für seine Inhalte spielen.

Herr Wimmer, online sind Sie als ‚Dr. Johannes‘ durchgestartet, der in kurzen Videos medizinische Themen erläutert. Wie wird man Online-Arzt und wieso haben Sie sich für Bewegtbild entschieden?
JW: In der Medizin gibt es ein riesiges Problem: Menschen verstehen fast nichts von dem, was ihnen ihre Ärzte erzählen oder es ist derart langweilig, dass sie abschalten. Und da Ärzte teilweise 40 Mal am Tag das Gleiche erzählen müssten – was sie aber meist nach dem zehnten Mal schon lassen, weil es zu monoton ist – sind Videos darüber hinaus ein super Mittel, um den eigenen Patienten Medizin nicht nur in der Praxis und im Krankenhaus zu erklären, sondern auch nach Hause mitzugeben.

Beim newTV Kongress sprechen Sie über „Monetarisierung des Contents“ – wie ist Ihr Geschäftsmodell als Online-Arzt?
Auf der einen Seite ganz einfach: Mit der Erstellung und Lizensierung von Videos lässt sich Geld verdienen. Und das nur wenige Jahre nachdem mir alle gesagt haben „Content ist tot!“. Allerdings ist das lange nicht bei allen Projekten so. Manchmal muss man um die Ecke denken und dann auch handeln. Da sind dann die Erlösmodelle auf den ersten Blick sogar für mich selbst nicht ganz klar erkennbar, spätestens aber dann, wenn es klappt. Dazu gehört vor allem Beratung und Kommunikationsarbeit.

Mit Ihren Videos versuchen Sie, medizinische Themen herunterzubrechen und allgemein verständlich zu machen – taugt der Besuch Ihrer Website als Ersatz für den realen Arztbesuch?
Der Clou als „Content Provider“ tätig zu sein ist nicht, Leute auf die eigene Seite zu bekommen. Schon gar nicht, wenn einem diese gar nicht mehr gehört. Der Content ist überall, auf Plattformen, die viel mehr Dampf haben als jede Seite, die man mal eben baut. Dazu gehören große Player wie 1&1, große Verlage aber auch Facebook, wo sich der Upload von Videos sehr dankbar auswirken kann.

Sie beschreiben da den Prozess, dass Inhalte grenzenlos durchs Web wandern, quasi heimatlos werden. Sind soziale Netzwerke damit auch die wichtigste Anlaufstelle für Ihre Inhalte?
Die sozialen Netzwerke sind natürlich hervorragend, um zu interagieren. So gesehen ist der Kontext ja die Weiterentwicklung vom Content, also den Content in einen situativen Bezug mit dem Zuschauer zu bringen. In medizinischen Themen ist es allerdings ein wenig kitzelig, da ich keine Diagnosen bei Facebook stellen darf, auch wenn ich täglich danach gefragt werde.

Sie sind im NDR auch bei „Visite“ zu sehen, schreiben zusätzlich Bücher. Wie wichtig ist es, als Online-Arzt auch in klassischen Medien stattzufinden?
Das ist einer der Grundpfeiler um den Markt der populärmedizinischen Inhalte zu formen. Es gibt fast nichts, was eine höhere Glaubwürdigkeit als ein Buch bei einem renommierten Verlag oder als ein Wissensmagazin im öffentlich-rechtlichen Fernsehen hat. Den Schwung muss man dann aber auch nutzen und in eine Dynamik online wandeln.

Von diversen populärwissenschaftlichen Medizinbüchern bis zur schier grenzenlosen Anzahl an TV-Arztserien geht es immer wieder um das Thema Gesundheit. Womit begründen Sie den medienübergreifenden Boom des Themas?
Das Thema Gesundheit hatte jahrzehntelang einen Sexappeal wie Tütensuppe. Das ändert sich, da Menschen zum einen materiell gesättigter sind und sich zum anderen mehr um den eigenen Körper kümmern und die chronischen Krankheiten immer mehr junge Menschen betreffen und Menschen damit auch wesentlich länger leben. Man hat also eine ganze Menge Zeit, sich mit der eigenen Gebrechlichkeit auseinander zu setzen. Bei Arztserien zählt aber unverändert das alte „Schwarzwaldklinik-Muster“ - eine Mischung aus medizinischem Voyeurismus und dem wohligen Gefühl der Geborgenheit.

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