NextMedia

Blog

Online Marketing Rockstars 2017: Zwischen Startups und YouTube-Helden

Am 2. und 3. März wurde die Hamburger Messehalle von den Online Marketing Rockstars einmal mehr in einen quietschbunten Tempel für Medien- und Digital-Verrückte verwandelt. nextMedia.Hamburg war an beiden Tagen des Mega-Events dabei und hat die spannendsten Eindrücke für euch zusammengetragen.

Michel Abdollahi (links) und Casey Neistat bei den Online Marketing Rockstars.

„Wir sind super glücklich, dass so viele Menschen wieder Lust auf unser Festival hatten. Die Digitalbranche kommt offenbar gern im März nach Hamburg – egal ob Marketing-Entscheider oder Selfmade-Rockstars. Wir wachsen von Jahr zu Jahr und spüren den Rückenwind der ganzen Branche“, so die Bilanz von Online Marketing Rockstars-Gründer und -Veranstalter Philipp Westermeyer nach den beiden Festival-Tagen. Ein Blick auf die Statistik macht den Zuwachs deutlich: Mit 26.872 Besuchern kamen im Vergleich zum Vorjahr noch einmal 10.000 mehr Digital-Marketing-Begeisterte nach Hamburg. 2018 sollen dank einer weiteren Messehalle sogar 40.000 Besucher zu den OMR gelockt werden, wie Westermeyer gegenüber meedia.de verriet.

Dabei war der Start der selbsternannten Plattform für Medienmacher dieses Jahr durchaus holprig. Kaputte Kartenlesegeräte, Probleme beim Cashless-Payment-System und die infolge der kleinen Pannen im Regen wartenden Besucher: Es schien anfangs wie verhext. Doch spätestens als das Team von OMR-Oberhaupt Philipp Westermeyer sich dazu entschloss, alle Gäste einfach hineinzulassen, konnte das Fest der Superlative beginnen. Bereits beim Betreten der heiligen Hamburger Messehallen eröffnete sich ein kunterbuntes Bild aus Digital-Marketing, Popkultur und Food.

Namhafte Aussteller und Speaker am Expo-Tag

Auf einer Fläche von 25.000 Quadratmetern stellten über 200 Aussteller ihre neuesten Produkte vor. Darunter auch Big Player wie Google, Facebook oder Ströer. Eine besonders interessante Marketing-Idee stellte Adobe vor. Am Stand P7 konnten Besucher mithilfe der Creative Cloud eine eigene Ad basteln, auf www.create-your-ad.de online stellen und über die Adobe Marketing Cloud in Echtzeit beobachten, wie oft das eigene Kunstwerk geklickt wurde. User hatten die Möglichkeit, online über die besten Ads abzustimmen. Der Gewinner durfte sich über ein iPad Air 2 freuen. Welche Marketing-Trends der Software-Riese 2017 auf dem Radar hat, verriet uns Stefan Ropers von Adobe Deutschland im Interview.

Neben den zahlreichen Ständen war am ersten Tag der Online Marketing Rockstars vor allem die Expo-Stage gut besucht. Auf dieser diskutierten zahlreiche Größen aus der Influencer- und Content Marketing-Branche wie Georg Nolte (PR, Social Media und Medien Berater von Nico Rosberg), Peter Schilling (Heftig.co-Gründer), Shirin David (DSDS-Jurorin und Influencerin) oder Sascha Pallenberg (Head of Digital Content at Daimler AG) über aktuelle Marketing-Trends. Pallenberg konnten wir uns für spannende Statements vor die Kamera holen. Im Interview riet der gebürtige Dortmunder Unternehmen unter anderem dazu, von der Rolle des permanenten Senders abzukommen. „Wir müssen auf die Ebene der Diskutanten kommen, wir müssen uns Feedback abholen, wir müssen zuhören und dann auch entsprechend darauf reagieren. Nichts ist nerviger für einen Kunden, als wenn er nur zugehauen wird“, gab Pallenberg zu Protokoll.

nma-MediaMatch holt 50 herausragende Startups zu den OMR

Gegenüber von der großen Expo-Bühne befand sich der next media accelerator-Stand. Der war zwar vergleichsweise klein, überzeugte jedoch mit einem riesigen Programm. „Es ist pickepackevoll“, sagte Nico Lumma, COO vom next media accelerator im Gespräch mit nextMedia.Hamburg, und gab offen zu, beim Tagesablauf „längst den Überblick verloren“ zu haben. Nicht verwunderlich: Der next media accelerator (nma) startete mit dem nma-MediaMatch eine einzigartige Plattform, die bis zu 50 herausragende Medien-Startups aus ganz Europa mit Medienmachern und Investoren zusammenbringt.

„Wir wollen über Speed-Datings und Elevator-Pitches möglichst viele Kontakte und einen intensiven Austausch zwischen Gründern, Medienmachern und Investoren ermöglichen“, erklärte Meinolf Ellers, CMO und Managing Partner des next media accelerators. Unter den Teilnehmern waren auch die fünf Hamburger Jungunternehmen WhoCares, Wish.Technology, Nqyer, AdTriba und appinio. Aber nicht nur Medienmacher selbst kamen auf der nma-Bühne zu Wort. So griff Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries bei einer Podiumsdiskussion zum Mikro. Die SPD-Politikerin warb für mehr privates Kapital für Startups. Insbesondere in der Anfangsphase fehle es Firmen in der Digital-Branche oft an Finanzmitteln, sagte Zypires, die sich dafür einsetzt, Startups und Industrie zusammenzubringen.

Westermeyer präsentiert „State of the German Internet“-Marktstudie

Der Kongress-Tag am 3. März begann mit einem Vortrag von Philipp Westermeyer, der die deutsche Online-Branche zum Thema seiner Keynote machte. Welche Unternehmen haben das Zeug, sich im internationalen Markt zu etablieren, wie schlägt sich die hiesige Branche im Vergleich zu den großen US-Konzernen und wo liegen aktuelle Chancen im Online Marketing? Diesen und weiteren Fragen ging die von Westermeyer erstmals präsentierte „State of the German Internet“-Marktstudie nach. Dafür haben die Online Marketing-Macher eigens den sogenannten German Internet Index (GIX) gebildet, bestehend aus deutschen börsennotierten Internet-Firmen, die über eine Milliarde Euro wert sind. Für alle Daheimgebliebenen: Die Online Marketing Rockstars stellten die Slides sowie das Video der Präsentation online.

Rockstar-Auftritte von Gary Vaynerchuk & Casey Neistat

Weiter ging es am zweiten Tag mit einem Speaker, der dem Namen Online Marketing Rockstars alle Ehre machte: Online-Weinhändler, Social Media-Guru und Bestseller-Autor Gary Vaynerchuk brachte seine Botschaft in wahrer Rockstar-Manier rüber: „Werdet praktisch! Weniger Gerede, mehr Action!“, forderte der 41-Jährige seine rund 6000 begeisterten Zuhörer auf. Was Vaynerchuk hierbei meinte, ist, dass jeder User mittels gezielter (Werbe-) Ansprache sein eigenes Publikum aufbauen kann. Aufmerksamkeit für eine Marke oder eine Person zu bekommen, sei allerdings nur mit harter Arbeit möglich – etwas, was viele Marketing-Menschen aus der Internet-Industrie offenbar unterschätzen. „Jeder will ein Architekt sein, niemand ein Klempner“, kritisiert Vaynerchuk, der zum Abschluss unmissverständlich an das Publikum appellierte: „Geht raus, hört auf, Headlines zu lesen. Startet verdammt nochmal mit Dingen, um die größten Möglichkeiten auf Social Media nicht zu verpassen.“

Im gleichen Tenor ging es auch beim Vortrag von YouTube-Phänomen und Filmproduzent Casey Neistat weiter. Eindringlich mahnte der US-Amerikaner auf der 64 Meter breiten Bühne die Online-Marketer dieser Welt: „Wenn du nur wartest, bis sich der perfekte Weg anbietet, wartest du ewig!“ Mit anderen Worten: Um auf den sozialen Netzwerken durchzustarten, muss man keine Raketenwissenschaft betreiben oder große Kampagne auffahren. Für cineastischen Content, der sich auch monetarisieren lässt, bräuchte man heutzutage schließlich nur eine große Portion Kreativität und ein Smartphone mit guter Kamera, so Neistat.

Bruce Dickinson: „Ich hasse Kunden!“

Eine etwas andere Sicht auf die technologischen Dinge hatte „Iron Maiden“-Frontmann und Luftfahrtunternehmer Bruce Dickinson, der als letzter Speaker die Kongress-Bühne betrat. Nach Meinung des Musikers benötige man für eine enge Followerschaft nicht einmal ein Smartphone. Währenddessen zückte er unter großem Gelächter aus den Besucherreihen sein altes Nokia-Handy aus der Hosentasche und hielt es stolz in die Höhe. Er benutze das Telefon, um mit Menschen zu sprechen, sagte Dickinson. Und genau das verkennen viele Unternehmen, wenn sie mit Kunden kommunizieren. Firmen schicken Mails raus und würden sich dann wundern, dass sie keine Antwort bekommen.

Zwar sei laut Dickinson jeder auf seine Art eine Marke, vom traditionellen Verkäufer-Verbraucher-Modell hält der ehemalige Pilot von Tui und British Airways allerdings nicht viel. „Ich hasse Kunden. Denn Kunden können einfach so aus dem Laden gehen und nie wieder kommen.“ Daher sein Tipp an die Marketingsprofis dieser Welt: Vergesst Kunden, holt euch Fans. Die sind schließlich loyal und würden stets eine emotionale Beziehung führen. Leichter gesagt als getan, wenn man Frontmann einer Band ist, die seit über drei Jahrzehnten dick im Geschäft ist.

Hip-Hop-Stars dominieren die Online Marketing Rockstars

Wie jedes war auch das musikalische Rahmenprogramm bei den OMR 17 vollgepackt mit namhaften Acts. Am Abend traten auf der Expo-Party unter anderem Künstler wie Meute, Thees Uhlmann, Flo Mega sowie Oli P. auf. Zweifellos eines der Highlights am zweiten Festival-Tag: Der Überraschungsauftritt der Fantastischen Vier, die im Anschluss an Casey Neistat die Bühne rockten und für ein Smartphone-Blitzlichtgewitter vor der Bühne sorgten. Einen gebührenden Abschluss gaben Chefboss, Das BO, der Chor „Die Hamburger Goldkehlchen“ und die Beginner mit einem Live-Konzert bei der Aftershow-Party am letzten Tag.  

Online Marketing Rockstars, OMR, Casey Neistat