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Picalike bringt dem Computer das Sehen bei

Wer online shoppt, hat eine riesige Auswahl. Da fällt’s schwer, sich zu entscheiden. Es kann ewig dauern, bis das passende Stück endlich gefunden ist. Aber dank „picalike“ wird das Angebot wirkungsvoller. Das Hamburger Startup hat einen Algorithmus entwickelt, der die Performance von Online-Shops verbessert.

Die picalike-Gründer Daniel Raschke (l.) und Sebastian Kielmann

„Wir bringen dem Computer das menschliche Sehen, vor allem das menschliche Seh-Verständnis, bei“, erklärt Daniel Raschke, der picalike gemeinsam mit Sebastian Kielmann gegründet hat. „Wir extrahieren Daten aus Fotos. Und nutzen diese Daten dann zur Personalisierung, Empfehlung und Suche in Online-Shops. Unsere Software ermöglicht, Produktempfehlungen viel effizienter zu gestalten.“

Mit der ausgeklügelten Technik, die automatisch optisch ähnliche und aufeinander abgestimmte Artikel findet, erhöht sich die Relevanz der Alternativ-Vorschläge zum eingegebenen Suchbegriff deutlich. Die Suche des Users nach dem Richtigen wird dadurch hingegen verkürzt. Kaufentscheidungen fallen schneller. Zu den Kunden von picalike gehören Unternehmen aus der Mode- und Einrichtungsbranche (u.a. OTTO, Esprit).

„Unser Algorithmus kann nicht besser gucken als der Mensch. Aber er kann viel länger gucken, weil er nicht müde wird. Wir trainieren ihn. Der guckt sich eine Viertel Milliarde Fotos an. Er lernt und verändert sich jeden Tag selbst“, beschreibt Raschke den „visuellen Assistenten“, während er über die Dächer Hamburgs schaut. Auch die Zentrale von picalike im 5. Stock eines Bürohauses zwischen der Schanze und St. Pauli ist was fürs Auge...

Innovation für Individualität

Erfinder der intelligenten Computer Vision Software ist Kielmann (früher bei SAP). Raschke (studierter Jurist) kümmert sich um den Vertrieb. Die Innovation für Individualität kommt gut an. Beim Internet-User, der sehr persönliche Kaufvorschläge und nie zwei Mal dieselbe Empfehlung bekommt. Und beim Kunden, der dank picalike seine KPI’s vergrößern kann.

„Wir verbessern die User Experience, die Conversion und den Average Order Size, lösen zudem den Paradox of Choice“, erklärt Raschke. Teile des Algorithmus-Codes, ein spezielles System, haben sich die beiden Gründer patentieren lassen.

„Wir haben uns 2010 kennengelernt, um ein Business aus den Algorithmen zu bauen. Bereits 2002 fing ich aber an, mich zu fragen: Warum kann der Mensch eigentlich sehen, der Computer aber nicht? Daraufhin habe ich angefangen zu forschen“, erinnert sich Kielmann. „Anfänglich wurde ich belächelt. Man hat mir gesagt, das sei unmögliche Forschungsneugier.“

Denkste! Geht nicht, gibt’s nicht. Entstanden ist picalike. Kielmann: „Wir bringen der Maschine das subjektive Empfinden des Menschen bei. Sie prognostiziert ständig. Unsere Vision ist ein maschinengetriebenes Seh-System, das dem des Menschen qualitativ mindestens ebenbürtig ist. Dann kann man die quantitativen Vorteile voll ausspielen. Teilweise geht das jetzt schon. Teilweise ist die Forschung aber weit davon weg.“

Im Frühjahr geht's in die USA

Es warten spannende Wochen. Mitte März tritt picalike die Reise zur SXSW nach Austin/Texas, die von Hamburg(at)work und nextMedia.Hamburg mit 3000€ bezuschusst wird, an. „Wir sind neugierig auf das Entdecken dieser inspirativen Welt“, sagt Raschke. „Freuen uns auf den Kontakt mit Investoren und den Austausch mit potentiellen Kunden. Denn der US-Markt ist ein ganz anderer als der europäische.“ Und ein sehr lukrativer.

Im April eröffnen Raschke und Kielmann ein Büro in San Francisco. „Dann starten wir unser USA-Geschäft. Schließlich ist picalike sprachenunabhängig“, erklärt Raschke, der dann seinen Lebensmittelpunkt mit seiner Familie nach Kalifornien verlegt.

Da gibt’s auch eine Menge zu sehen ...

User Experience, Algorithmus, Computer Vision Software, Picalike