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Rockfish Games: Zwischen Crowdfunding und Virtual Reality

Crowdfunding-Erfolg made in Hamburg: Rockfish Games rockt Kickstarter. Ein Grund mehr, mit Gründer Michael Schade über ihre Kampagne und Trends im Gaming zu sprechen.

ROCKFISH Games, das ist das Hamburger Games-Startup von Michael Schade und Christian Lohr. Wem die Namen bekannt vorkommen: Sie waren auch die Köpfe hinter Fishlabs Entertainment.

Nun also das Jungunternehmen Rockfish Games, mit dem sie kürzlich durch eine Crowdfunding-Kampagne für Furore gesorgt haben und auch für die Beste Kampagne beim Deutschen Entwicklerpreis nominiert sind. Mit Michael Schade haben wir über den Erfolg des Crowdfundings, über Trends im Gaming und Virtual Reality gesprochen.

Michael, mit eurer Kickstarter-Kampagne zu Everspace habt ihr ziemlich schnell ziemlich viel Geld eingenommen. War euch von Anfang an klar, dass ihr das Game crowdfunden wollt?

Wir hatten den ersten Prototypen von Everspace bereits auf der DICE in Las Vegas im Februar und auf der GDC in San Francisco im März bei zahlreichen, internationalen Publishern gepitched. Alle waren beeindruckt von der visuellen Qualität, unserem ungewöhnlichen Konzept aber auch der Spielbarkeit zu diesem frühen Zeitpunkt. Aufgrund unserer mehr als zehnjährigen Erfahrung in der Entwicklung von hochwertigen Space Games hatte kein Publisher Zweifel, dass wir einen tollen Space Shooter werden abliefern können. Es waren jedoch alle skeptisch, ob ein weiteres Space Game neben Elite: Dangerous, dem kommenden No Man’s Sky und natürlich Star Citizen Erfolgschancen am Markt haben würde. Also mussten wir mit einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne erst den Beweis dafür liefern, was uns dann ja auch recht eindrucksvoll gelungen ist.

Der erste Schritt ist ja, die Leute überhaupt auf die Crowdfunding-Kampagne aufmerksam zu machen. Wie habt ihr es geschafft, dass die Leute die Kampagne überhaupt auf dem Schirm haben?

Hier hat uns im ersten Schritt unsere Fanbase von Galaxy on Fire enorm geholfen: Über 30 Millionen Smartphone- und Tablet-Nutzer haben eine Version der Serie auf ihrem Gerät. Wir haben natürlich in der Presse und auf den sozialen Kanälen mit dem Pfund geworben, dass wir das ursprüngliche GOF-Team bei ROCKFISH Games wieder an Bord haben und an einem geistigen Nachfolger für den PC arbeiten. Das hat entsprechend viel Aufmerksamkeit generiert und auf dieser Basis haben wir dann erst einmal eine Steam Greenlight Kampagne durchgeführt, die mit einer sagenhaften Zustimmungsquote von 89% bei insgesamt über 17.000 Stimmen als eine der erfolgreichsten Steam Greenlight Kampagnen überhaupt gelten dürfte.
Mit so einer Erfolgsmeldung hatten wir entsprechend viel Rückenwind, um unsere Kickstarter-Kampagne direkt im Anschluss zu starten und konnten auf der Gamescom zahlreiche Interviews mit der Gaming-Presse führen, die dann ausführlich über unsere Kickstarter-Kampagne berichteten.
Den größten viralen Coups haben wir mit unseren animierten GIFs vom Spiel gelandet, die es auf imgur und reddit jeweils mehrfach auf die Startseiten geschafft haben und so insgesamt über 14 Millionen Views generierten – das dürfte einem Mediabudget entsprechen, das deutlich im siebenstelligen Bereich liegt.

Lass uns mal über die Storyline von Everspace reden: Ihr versprecht eine „Deep Story“, die – so schreibt ihr auf der Website zum Game – eigentlich untypisch für das Genre sei. Warum habt ihr euch dann für eine non-lineare Story entschieden?

Zum einen wollten wir die beliebten Rougelikes der Indie-Szene nicht nur grafisch auf ein neues Niveau heben, sondern auch eine spannende Geschichte erzählen, die einen neben den immer wieder neuen Herausforderungen und Überraschungen des Genres bei der Stange hält. Dadurch grenzen wir uns inhaltlich auch noch einmal deutlich gegenüber Elite:Dangerous und No Man’s Sky ab und setzen außerdem auf die Fans der GOF-Serie, deren Story ja gerade bei GOF2 und den beiden Erweiterungen großen Anklang gefunden hat. Durch das häufige, genre-typische Sterben, Wiedergeboren werden und dem zufallsbeeinflussten Spielverlaufs in einem Rougelike Game mussten wir uns eine Geschichte ausdenken, die sich entsprechend non-linear erzählen lässt und dennoch ein definiertes Ende hat. Dies haben wir nicht als Einschränkung empfunden, sondern als Inspiration, etwas Neues zu wagen.

Für das Game soll es auch VR-Support geben. Wie genau soll der aussehen?

In Everspace wird der Spieler sowohl in 1st person als auch in 3rd person View spielen können. Spieler, die ein Oculus RIFT oder HTC Vive Headset haben, werden aller Voraussicht nach beide Perspektiven auch in VR mit einem Gamepad spielen können. Das Erlebnis ist natürlich um ein Vielfaches immersiver und wir planen sogar einen „Cruise Mode“, in dem man gefahrenlos einfach nur unseren wunderschönen Weltraum genießen kann. Wir haben hier ganz bewusst nicht auf Fotorealismus gesetzt, bei dem der Weltraum weitgehend dunkel und über weite Strecken leer ist, sondern eine lebendige, farbenfrohe Interpretation gewählt, die zum Verweilen und Bestaunen einlädt.

Kommt man in der Games-Industrie denn überhaupt noch an Virtual Reality als Technologie vorbei?

VR wird sicherlich DAS Thema in 2016 sein. Wie erfolgreich die neue Technologie sein wird, wagen jedoch noch nicht einmal die Hersteller selbst zu prognostizieren und auch wir wissen es natürlich nicht. Wenn ich mir aber allein die enormen Schlangen an Gamern auf der Gamescom oder jüngst auf der Paris Games Week vor Augen führe, die VR einmal ausprobieren wollten, ist das Potential schon zu erahnen. Letztlich kommt es natürlich darauf an, ob die Spiele für VR geeignet sind und da sind wir mit einem Space Shooter, bei dem man komfortabel im realen Sessel zu Hause und gleichzeitig im virtuellen Cockpits seines Raumschiffes sitzt und darin packende Weltraumkämpfe erlebt oder einfach nur fantastische Ort bereist, bestens positioniert. Gerade bei den sogenannten Early Adopters dürfte der Anteil der VR-Spieler aufgrund der allgemeinen Faszination für neue Technologien nirgends so hoch sein wie im Science-Fiction-Bereich.

Lass uns mal in das Jahr 2016 blicken: Auf welche spannenden Entwicklungen und Trends sollte man sich im kommenden Jahr in der Gamesbranche einstellen?

Neben dem Thema VR glauben wir, dass eSports noch weiter an Bedeutung gewinnen und gerade in Kombination mit Streaming auf der mobilen Plattform enorm Fahrt aufnehmen wird. Super Evil Megacorp mit ihrem mobilen MOBA Vain Glory und Mobcrush als SaaS sind hier bereits ganz weit vorn. Persönlich finde ich das Thema Modding absolut faszinierend. Das Portal 2 oder Game of Thrones Mod für Minecraft oder die zahlreichen Mods des gerade mal zwei Wochen alten Fallout 4 zeigen, dass die Kreativität der Spieler keine Grenzen kennt und der Wunsch nach eignen Veränderungen oder Erweiterungen und diese dann zu teilen, enorm ist. Ich denke, das ist absolut einzigartig im Bereich des Medienkonsums und ich kann gut verstehen, warum Kids keinerlei Interesse an Fernsehen haben. Damit wächst eine ganz neue Generation heran, die unser gewohntes Denken in Sachen Medienerzeuger, -verleger und -konsument komplett auf den Kopf stellen wird.

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