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Rückblick scoopcamp 2016: Medienmacher zwischen „Badassness“, Wagemut und Verantwortung

„Mehr ‚Badassness‘ in den Newsrooms“ oder etwas diplomatischer formuliert: „Mehr Vielfalt bei der Content-Gestaltung und -distribution“ war das Credo des achten scoopcamp, der Innovationskonferenz für Medien.

Rund 250 Medienschaffende, Redakteure und Programmierer kamen zu der Veranstaltung in Kooperation mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am 29. September in Hamburg zusammen, um gemeinsam in Vorträgen, Talkrunden und Workshops über die nächsten Innovationen der Medienlandschaft zu diskutieren.

Keynote-Speaker waren die Vordenker Jeremy Gilbert (Director of Strategic Initiatives bei der Washington Post), Assaf Sagy (Vice President International Markets bei Playbuzz) sowie Verena Pausder (Gründerin und Geschäftsführerin der Fox & Sheep GmbH). Letzte überzeugte das Publikum mit einer mitreißenden Motivationsrede  über „Herzblut & Authentizität als Schlüssel für unternehmerischen Erfolg“ und wurde nicht zuletzt deswegen mit dem scoop Award für digitale Mediapreneure ausgezeichnet.

Pausder macht Kinder und Jugendliche spielerisch mit der Digitalisierung vertraut. Die Gründerin des Kinderspiele- und Lernapp-Entwicklers Fox and Sheep ist auch Geschäftsführerin der HABA Digitalwerkstatt und Unterstützerin der Plattform STARTUP TEENS. Die Auszeichnung übergab Meinolf Ellers, Chief Digital Officer der Deutschen Presse-Agentur. In seiner Laudatio betonte er: „Wer sich unsere  Kriterien – Journalismus, Technologie, Unternehmertum – vor Augen führt, muss zugeben, dass das Angebot an wirtschaftlich erfolgreichen Medien-Gründerinnen hierzulande nicht allzu reichhaltig ist. Aber es wird besser. Und daran hat auch Verena Pausder ihren Anteil“, so Ellers über das Multitalent.

Auf Verena Pausder folgte Assaf Sagy von Playbuzz. Sagy stellte etwas vermeintlich Offensichtliches klar, nämlich dass Medienunternehmen sich zu guten Storytellern entwickeln und sich dabei stetig an die verschiedenen Distributionskanäle anpassen müssen. Zumindest letzterer Aspekt sei nicht immer der Fall. „Dabei müssen wir den Content immer wieder für unsere User adaptieren – wo auch immer sie sich gerade befinden. Der Kunde will individualisierte Inhalte – und Medien lassen ihm künftig auch immer öfter die Wahl.“ Dafür bedarf es jedoch auch einer gestiegenen Kompetenz der Nutzer.

Als dritter Speaker folgte Jeremy Gilbert, Newsroom-Leiter bei der Washington Post. Der Strategie-Experte aus den USA zeigte den rasanten digitalen Wandel der Mediennutzung am Beispiel des eigenen Medienhauses auf: Seit 2013 sei der Anteil mobiler Nutzer von rund einem Drittel auf heute schon 75 Prozent gestiegen. „Das betrifft das Gerät zur Ausspielung, aber auch der Zeitpunkt der Nutzung hat sich geändert.“ Und vor diesem Hintergrund habe das US-Medium ein neues Selbstverständnis entwickeln müssen. Dazu gehöre auch eine Portion „Badassness“, ein Ausspruch von Washington Post-Käufer Jeff Bezos, der damit den Optimismus und das Selbstverständnis seiner Redaktion anspricht. Dies gilt auch beim Storytelling. Gilbert definiert das so: „Wir machen keine Stories, wir liefern Komponenten, Module und Bausteine, um Stories zu gestalten. Und dazu gehören Fotos, Videos, Texte, Grafiken – auch Audio. Denn wir bedienen schon lange nicht mehr nur die drei Produkte Zeitung, Website, App – wir distribuieren Content überall.“

Gleichzeitig zeigte sich, dass der Journalismus auch angesichts der digitalen Entwicklung weiter für das Vertrauen der Nutzer kämpfen muss. Nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von nextMedia.Hamburg sehen 85 Prozent der Befragten die Medien in der Verantwortung, bei kontroversen Gesellschaftsthemen „ehrlich zu informieren“ – nur knapp halb so viele (41 Prozent) erwarten hingegen, dass sie hier „Haltung zeigen sollen“. Auch plädierten 66 Prozent dafür, dass „Medien transparenter werden müssen, um sich weiter ihre gesellschaftliche Bedeutung zu erhalten“. Dr. Carsten Brosda, Staatsrat für Kultur, Medien und Digitales der Freien und Hansestadt Hamburg, sagte: „Es ist unsere Aufgabe, den Journalismus in einer Weise weiterzuentwickeln, dass er weiterhin seine wichtige Funktion in der Gesellschaft erfüllt. Und dafür ist Hamburg der richtige Standort, denn wir sind eine Medienstadt und wir haben zugleich die technische und digitale Kompetenz.“
Diese und weitere Zahlen werden übrigens ausführlich im Digitalmagazin Unified im Oktober präsentiert.

Workshops zu den Themen Datenjournalismus, Investigativrecherche, immersives Storytelling, Social Media und Produktinnovation, ein Hackathon in Kooperation mit der Hamburg Media School und dem next media accelerator sowie ein Abschluss-Panel rund um die heutigen Bedingungen für Medien-Startups rundeten das prall gefüllte Programm ab.

Hier geht es zur scoopcamp-Website und hier zu den Bildern der Konferenz (Fotos: Johannes Arlt).

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