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scoopcamp 2015 – Warum jetzt die Zukunft des Journalismus beginnt

Zum siebten scoopcamp kamen am 1. Oktober mehr als 260 Medienschaffende, Redakteure und Programmierer im Theater Kehrwieder in der Hamburger Speicherstadt zusammen, um über die wichtigsten Trends und Innovationen im Journalismus zu diskutieren. Aus den Workshops, dem Expertentalk und den spannenden Keynotes von scoop Award Gewinner Marten Blankesteijn (Blendle), Natalia Antelava (Coda) und Thomas Wallner (DEEP Inc.) ging eines klar hervor: der Journalismus von morgen wird schon heute gemacht.

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Den größten Applaus erntete das Schlusswort beim scoopcamp 2015: „Wir müssen aufhören über die Zukunft des Journalismus zu reden“, sagte Jessica Wagener (himate.de) im Expertentalk mit Johannes Vogel (Süddeutsche Zeitung). Eine gewagte Aussage auf einer Innovationskonferenz für Medien. Doch mit dem Zusatz „es gibt nicht die eine Lösung. Wir müssen die verschiedensten Dinge in der Gegenwart ausprobieren, ständig hinterfragen und permanent neu testen“, brachte das Statement der himate-Gründerin den Grundgedanken der Konferenz von nextMedia.Hamburg und der Nachrichtenagentur dpa auf den Punkt. Auf die vielen Fragen, die die Digitalisierung mit sich bringt, gibt es nicht die eine ultimative Antwort. Welcher der zahlreichen neuen Trends sich durchsetzen wird – ob Virtual Reality oder beispielsweise Real Time News – lässt sich nur herausfinden, indem die Tools und Techniken in den Redaktionen Anwendung finden. 

„Das scoopcamp bietet einen Diskursraum, in dem die unterschiedlichsten Akteure der Medienbranche die Köpfe zusammenstecken und voneinander lernen können“, erklärte Dr. Carsten Brosda, Bevollmächtigter des Senats der Hansestadt Hamburg für Medien, in seiner Begrüßungsrede. „Wie entwickeln wir eigentlich Innovationskultur im Journalismus? Warum gibt es im Journalismus so wenige Ausgründungen im Vergleich zu anderen Branchen? Brauchen wir so etwas wie redaktionelle Labore, um dort auszuprobieren und zu experimentieren?“ die Suche nach Antworten auf diese und viele weitere offenen Fragen nannte Brosda als Hauptmotivation für das scoopcamp. 

Dass wir in der Zukunft der Medienbranche angekommen sind, stellte scoop Award Preisträger Marten Blankesteijn in seiner Keynote unter Beweis. Der Mitbegründer des Digitalkiosk Blendle berichtete von den schnellen Erfolgen seines Unternehmens, aber auch von der Skepsis, die ihm und seinem Geschäftsmodell begegneten: „,Die jungen Leute werden niemals für Journalismus bezahlen‘ – das war die Standardreaktion fast aller holländischen Zeitungsverleger, mit denen wir über Blendle sprachen. Ich habe dann erwidert: ,Mag sein, aber das haben vor zehn Jahren auch alle über Musik gesagt! Heute sind diverse Streaming-Dienste wie Spotify und Deezer erfolgreich am Markt.‘“ Blendle selbst konnte innerhalb des ersten Jahres im Gründerland Holland stolze 440.000 – vor allem jüngere – Nutzer verzeichnen und ist nun seit drei Wochen auch in Deutschland verfügbar. 

Auch die zweite Keynoterin Natalia Antelava zeigte in ihrem Vortrag auf, inwiefern die Digitalisierung neue Möglichkeiten schafft, die den Journalismus grundlegend verändern können. „Die Berichterstattung, die wir kennen, ist nicht sehr kontinuierlich“, kritisierte die Mitgründerin von Coda, einer Web-Plattform, die ausführliche Analysen zu Krisenthemen liefert. „Wir glauben aber, dass es wichtig ist, an den Geschichten dran zu bleiben. Das digitale Zeitalter gibt uns dazu die technischen Möglichkeiten – besser als je zuvor können wir die Kontexte abbilden und fundierte Hintergrundgeschichten erzählen, auch wenn der Aufmerksamkeits-Peak im Mainstream schon längt überschritten ist.“

Neue Technologien müssen gelernt, ein neues Medium entdeckt werden – das betonte Grimme Online Award Preisträger Thomas Wallner, der in einem bildgewaltigen Vortrag zeigte, wie 360°-Kameras und Virtual Reality die Bewegtbilderstellung revolutionieren können. „Es gibt in dem Bereich keine Experten. Wir lernen alle“, erklärte Wallner (DEEP Inc.). Gleichzeitig unterstrich er die Wichtigkeit eines gelungenen Zusammenspiels von Content und Technology: „Die Technologie muss unsichtbar werden – dann kann man mit Virtual Reality an Orte gelangen, die einem sonst verborgen blieben. Am wichtigsten sind die guten Geschichten, die sich die neue Erzählform zu Nutze macht. Denn für sich ist auch die innovativste Technologie nach mehrfachem Gebrauch irgendwann nicht mehr spannend.“

Das Thema Virtual Reality wurde auch in einem der fünf Workshops aufgegriffen, in dem die scoopcamp-Teilnehmer die digitalen Brillen ausprobieren und sich mit der Technologie vertraut machen konnten. Daneben tauschten sich die verschiedenen Medien-Akteure in den Workshops „Real Time News“, „Big Data im Newsroom“, „Storytelling” und „Die Rolle der Medien in der Flüchtlingsdebatte” zu aktuellen Branchenthemen aus. Wie im Vorjahr hatte ein Hackathon rund um das Thema „New Storytelling“ die Veranstaltung bereits an den Vortagen eingeleitet. Binnen 36 Stunden initiierten drei Teams in dem Kurs „Multimediales Arbeiten“ an der Hamburg Media School Medienprojekte, die sie in fünfminütigen Pitches dem Konferenzpublikum im Theater Kehrwieder vorstellen durften. Gewonnen hat das Projekt „News it!“ von Mark Heywinkel (VOCER), Hannah Suppa (Hannoversche Allgemeine Zeitung), Judith Bader (ProSieben, taff), Julia Rosicki (Jahreszeitenverlag) und Hannes Rohde (Deutsche Welle). Als „Tinder für Nachrichten“ angekündigt, handelt es sich bei „News it!“ um eine für mobile Endgeräte optimierte Seite, die den Nutzer mit Gamification-Elementen spielerisch Medienangebote entdecken lässt. 

Eine Hausaufgabe bekamen die Besucher des scoopcamps auch noch mit auf den Weg: „Besorgt euch eine VR-Brille zum selbstbasteln – probiert die Google Cardboards aus“, forderte Moderatorin Jennifer Schwanenberg (dpa-infocom) das Publikum auf. Eine Aufforderung, die den Geist des siebten scoopcamps unterstrich: kennenlernen, ausprobieren, testen und Inspiration im Umgang mit neuen Technologien finden – die Zukunft des Journalismus beginnt jetzt. Comspot, Deutsche Welle, Google, das Medienhaus sh:z und Zeit Online haben das scoopcamp als Kooperationspartner unterstützt.

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