NextMedia

Blog

Snapchat für Meinungen: Wie Appinio die Marktforschung kräftig aufrüttelt

Wer eine Umfrage bei den führenden Markt- und Meinungsforschungsinstituten in Auftrag geben will, muss in der Regel mehrere Wochen auf die Auswertung warten und für diese nicht selten einen fünfstelligen Betrag auf den Tisch legen. Eine wesentlich schnellere und kostengünstigere Lösung schafft Appinio. Wir haben mit Gründer Jonathan Kurfess über seine Geschäftsidee, die Zukunft der Marktforschung und die Rolle des US-Markts für das Hamburger Startup gesprochen.

Der Gründer von Appinio: Jonathan Kurfess.

Auf dem großen Konferenztisch liegen mit roten Fähnchen geschmückte Brownies. Es ist Valentinstag. Als Jonathan Kurfess den lichtdurchfluteten Raum direkt am Neuen Wall betritt, blickt er mit einem zufriedenen Lächeln auf die Leckereien. Er hat allen Grund, gut gelaunt zu sein – nicht nur wegen der Brownies. 

Kurfess ist CEO des Hamburger Startups Appinio, das auf dem besten Weg ist, die Marktforschung zu revolutionieren. Wie, das deutet der Firmen-Name an, der sich aus „App“ und „Opinion“ zusammensetzt. Mit der Anwendung für das Smartphone lassen sich Meinungen ganz unkompliziert erheben – und zwar wesentlich schneller als bei Big Playern wie YouGov oder Forsa. „Wir können innerhalb von zehn Minuten circa 1000 Umfragen zur Verfügung stellen, und das schafft kein anderer“, gibt Kurfess stolz zu Protokoll. 

Appinio versteht sich auch als soziales Netzwerk

Ein weiterer Pluspunkt von Appinio: Nutzer haben die volle Kontrolle. „Wir bieten eine Do-it-yourself-Plattform an, worüber man autark und selbstständig die Umfragen einstellen, die Zielgruppe bestimmen und die Erhebung live in Realtime checken kann.“ Das ist nicht nur praktisch, sondern auch günstig, weil der komplette Marktforschungsprozess automatisiert und digitalisiert ist. Dank der mobilen Lösung funktioniert Appinio auch bei der Smartphone-Generation, die gegenüber klassischen Umfragen nicht sonderlich aufgeschlossen ist. „Im Gegensatz zu YouGov oder Forsa erreichen wir ohne Probleme die Millennials. Gerade in der Medienbranche, wo die relevante Zielgruppe aus 14- bis 30-Jährigen besteht, liefern wir das repräsentative Sample in dieser Altersgruppe“, so Kurfess.

Ein besonderer Anreiz für das jüngere Publikum ist, dass sich Appinio auch als soziale Plattform versteht, auf dem User selbst Fragen stellen, sich vernetzen oder ihre Meinung benchmarken können. Über die Marktforschung wird das Ganze monetarisiert, der Content wird von der Community selbst erstellt. „Wir wollen so eine Art Snapchat für Meinungen sein“, erklärt Jonathan Kurfess das Ziel seines Jungunternehmens, das bereits 2015 mit dem Webfuture Award ausgezeichnet wurde. 

Um über die App eine Umfrage zu starten, muss man kein professioneller Marktforscher oder Tech-Nerd sein – die Software ist so intuitiv aufgebaut, dass sie jedermann nutzen kann. Wer trotzdem Hilfe braucht, dem wird bei Bedarf auch ein Marketing Consultant zur Seite gestellt.

Bestehende und neue Kontakte auf der SXSW

Obwohl die Vorteile von Appinio auf der Hand liegen, wird es wohl noch dauern, bis das Hamburger Startup sich auf dem Markt etablieren kann, glaubt der Gründer. „Unternehmen, die seit 20 oder 30 Jahren Marktforschungen machen, sind häufig nicht so innovationsbereit, wie man sie gerne hätte oder sie sich auf die Fahne schreiben. Da muss man noch ein dickes Brett bohren.“ Trotzdem ist Kurfess zuversichtlich, dass Appinio neue Märkte erschließen und in spätestens zehn Jahren auf dem Gebiet der Demoskopie eine globale Rolle spielen wird. 

Ein großer Schritt in diese Richtung könnte schon Mitte März erfolgen: Appinio ist eines von vier Startups, das von nextMedia.Hamburg und Hamburg@work für die Teilnahme an der SXSW in Austin, Texas, gefördert wird. „Der US-Markt ist mit Abstand der relevanteste für uns.“ In den Staaten sei die Digitalisierung wesentlich fortgeschrittener, Unternehmen hätten bereits Interesse an Appinio gezeigt. „Da ist das South by Southwest eine super Möglichkeit, um mit bestehenden Kontakten zu sprechen und neue zu knüpfen“, sagt Kurfess, der im Rahmen des German Accelerator-Programms erst kürzlich drei Monate im Silicon Valley verbrachte. 

Aber auch in Entwicklungsländern will das Startup mit seiner App einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, dass jedermann Marktforschung kostenlos betreiben kann. Appinio scheint für Kurfess mehr zu sein als nur eine clevere Geschäftsidee, es ist eine Herzensangelegenheit. Da passen die Valentinstags-Brownies doch perfekt ins Bild. 

Appinio, Marktforschung, Forsa