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TV-Formate ins Netz zu verlängern ist „große Kunst“

Im Interview: Carina Teutenberg, Produzentin im Factual-Bereich der Studio Hamburg Produktion Gruppe, und Michaela Hummel, Geschäftsführerin von Doclights, über Fernsehen, Social Media und den ZDFdonnerstalk.

Carina Teutenberg. Credit: Doclights

Michaela Hummel. Credit: Doclights/Sabine Finger

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Viele Talkshows im deutschen TV laufen nach einem bekannten Schema ab: Moderator, Gäste, ein oder mehrere Themen, 60 Minuten Sendezeit. Kein Wunder, dass eine Innovation wie der „ZDFdonnerstalk“ mit ZDF-Morgenmagazin Moderatorin Dunja Hayali schon in der ersten Saison für Aufsehen sorgte. In den auch Factual genannten Format spielt die Moderatorin in den eingespielten Reportagen selbst eine wichtige Rolle, später vertieft sie ihre Eindrücke mit Studiogästen. Mit Carina Teutenberg, Produzentin im Factual-Bereich der Studio Hamburg Produktion Gruppe, und Michaela Hummel, Geschäftsführerin von Doclights, besprach nextMedia.Hamburg, wie das Format es schaffte, auch im Netz Nachhall zu erzeugen.

Warum brauchen Talkshows im TV dringend ein Update?

Michaela Hummel: Es gibt immer noch zu viele Talkshows. Gäste und Themen wiederholen sich, man trifft sich im Studio. Deshalb auch die Idee des ZDFdonnerstalks, sich zu öffnen, Dunja Hayali als Reporterin im „echten Leben“ einzusetzen, mit den Menschen vor Ort zu sprechen und diese auch ins Studio einzuladen.

3 Themen in 60 Minuten wie beim ZDFdonnerstalk - funktioniert so etwas nur im Fernsehen oder parallel und hinterher auch im Netz?

Carina Teutenberg: Wenn man auf drei unterschiedliche Themen im Netz die Antworten kanalisieren möchte, müssen direkt nach der Sendung drei attraktive Initiativ-Posts abgesetzt werden, die die Anmutung des TV-Themas widerspiegeln. Hier empfiehlt es sich, den kontroversesten Gast oder einen kontroversen Ausschnitt aus der Reportage noch einmal in einem Video mit einer zur Diskussion anregenden These zu posten. Die Erfahrung jedoch zeigt, dass sich die Kommentare meistens unter dem aktuellsten Post sammeln. Bei einem späten Sendetermin empfiehlt es sich, die Zuschauer mit einem knackigen und kreativen Video, Stichwort „Wie war’s?“ direkt nach der Sendung abzuholen und dann am Morgen diese Aufforderung noch einmal mit einer weiteren Video-Variante oder einem „Key-Photo“ zu wiederholen. Denn viele User steigen erst am Morgen, nachdem sich die Sendung „gesetzt“ hat, noch einmal in die Diskussion ein und wollen nicht in einem Post vom Vortag gesammelt werden.

Wie wichtig ist für TV-Formate eine Präsenz im Web und sozialen Netzen?

Carina Teutenberg: Je jünger die Zielgruppe, desto wichtiger ist die Präsenz und Diskussionsmöglichkeit im Netz. Der direkte Zugang zu den „Machern“ und der Austausch mit ihnen wird zukünftig noch viel entscheidender werden, um einen wachsenden Kreis von Zuschauern an das Format zu binden und somit auch die Reichweite zu steigern. Hier spielt Authentizität eine große Rolle. Der direkte Zugang zu der Redaktion muss gewährleistet sein.

Internet-Usern wird gerne nachgesagt, durch das tägliche mediale Dauerfeuer schnell abzustumpfen. Wie muss Bewegtbild produziert werden, um sie dennoch erreichen?

Carina Teutenberg: Das Angebot muss gleichermaßen die Formatidee immer wieder variiert transportieren und dabei auch noch den Social-Media-Gesetzen gerecht werden. Das ist eine große Kunst.

Hat sich die Recherche von Fakten in den letzten Jahren vereinfacht oder verschlechtert?

Michaela Hummel: Die Recherche von Fakten hat sich vereinfacht, an Informationen ist schneller ranzukommen. Da wir für alle Fakten die Quellen hinterlegen, hat sich an der journalistischen Arbeit nichts geändert, Studien lesen und auswerten, Zahlen gegenchecken. Allerdings hat sich die Menge der Informationen deutlich erhöht durch eine Vielzahl von neuen Quellen. Also ist es am Ende natürlich mehr Aufwand.

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