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Umfrage von nextMedia.Hamburg: 65% der Deutschen konsumieren Live-Inhalte

Laut Experten werden bis 2020 über 80 Prozent des Internet-Datenverkehrs Video-Inhalte sein – einen immer größeren Anteil davon stellen Live-Inhalte dar. Möglich machen dies die neuesten Technologien, unter anderem im Mobilfunk-Bereich.

Fast jeder zweite Bundesbürger schaut oder hört Live-Formate im Internet.

Viele Medien- und Digitalunternehmen streamen mittlerweile via Facebook oder YouTube eigene Live-Shows zu den unterschiedlichsten Themen. Aber wann und mit welchen Inhalten funktioniert live am besten? Und vor allem auf welcher Plattform? Nach Meinung von IntoVR-Gründer Martin Heller spielen die sozialen Netzwerke bei Live-Formaten eine wichtige Rolle. „Livestreams haben den größten Erfolg, wenn sie konsequent mit Social Media verknüpft sind. Also wenn Inhalte nicht nur technisch auf Facebook oder Periscope ausgestrahlt werden, sondern diese ‚sharable‘ sind und die Macher zum Kommentieren anregen, sich mit der Community austauschen“, sagt Heller.

Ralf Klassen, Mitglied der newTV Focus Group von nextMedia.Hamburg, sieht die Erfolgsfaktoren für Liveproduktion hingegen woanders. Der Zuschauer würde vor allem dann einschalten, wenn er „direkt am spannenden Geschehen“ teilhat oder „exklusive Zugänge zu ansonsten ‚verschlossenen‘ Themen“ bekommt, so Klassen.

Sicher ist: Der Ruf des Publikums nach Live-Inhalten wird immer lauter. Das zeigt auch das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die Statista für nextMedia.Hamburg durchgeführt hat. Demnach verfolgen inzwischen 65 Prozent der Deutschen täglich Live-Formate im Fernsehen, Radio oder Internet. In der Altersgruppe zwischen 50 bis 60 Jahre sind es sogar 74 Prozent. 24 Prozent aller Befragten gaben an, ca. einmal die Woche Echtzeit-Content zu konsumieren. Lediglich vier Prozent sagten, sie würden nie Live-Berichterstattung verfolgen.

Jeder Zweite schaut oder hört Live-Formate im Internet

Der Fernseher ist weiterhin die Informationsquelle Nummer eins für Live-Inhalte (das gaben 86 Prozent aller Befragten an), vor Radio (63 Prozent) und Internet (45 Prozent). In den jüngeren Altersgruppen wird verstärkt im Netz konsumiert. 55 Prozent der befragten 18- bis 29-Jährigen gaben an, Live-Berichterstattung im Internet zu sehen oder zu hören (Mehrfachnennung war möglich). Bei den 30- bis 39-Jährigen sind es immerhin noch fast die Hälfte (49 Prozent). Zum Vergleich: Bei den 40- bis 49-Jährigen sind es nur 39 Prozent. Facebook (17 Prozent) liegt dabei als Informationsplattform vor YouTube (13 Prozent) und Twitter (vier Prozent). 43 Prozent der Befragten wünschen sich mehr Live-Inhalte.

Wenn es darum geht, welche Live-Inhalte am liebsten konsumiert werden, ist die Aktualität ausschlaggebend. 89 Prozent aller Befragten interessieren sich für Nachrichten. Gefolgt von Sport-Übertragungen (55 Prozent), politischen Debatten (41 Prozent), Wettervorhersagen (37 Prozent), Spielshows (30 Prozent), Konzerten (22 Prozent) und Kriegsberichterstattungen (15 Prozent). Immerhin neun Prozent nutzen die Möglichkeit, Vertriebsfernsehen/Produkt- oder Markenvorstellungen live zu verfolgen.

Knapp jeder Fünfte würde Geld für noch mehr Live-Inhalte ausgeben

Live-Formate werden immer beliebter. Die Bereitschaft, zusätzlich Geld für Live-Berichterstattung auszugeben, ist auch schon vorhanden. Auf die Frage, ob man einen zusätzlichen Betrag zahlen würde, wenn man dadurch einen besseren Zugriff auf verschiedene Live-Inhalte erhalten könnte, antworteten immerhin 17 Prozent mit „Ja“. Unter diesen 17 Prozent ist auffällig, dass vor allem die Jüngeren sowie die Gruppe der 40- bis 49-Jährigen mehrheitlich auch über fünf Euro (bis maximal zehn Euro) für zusätzliche Live-Inhalte bezahlen würden. Zum Vergleich: Unter den 50- bis 60-Jährigen besteht die Bereitschaft dazu nur bei 37 Prozent. Insgesamt würden 47 Prozent der Befragten bis zu fünf Euro und 50 Prozent zwischen fünf Euro und zehn Euro dafür ausgeben. Einig sind sich alle Generationen in einem Punkt: Zehn Euro oder mehr im Monat dürfen Live-Inhalte nicht kosten. So viel würden lediglich drei Prozent der Befragten zahlen.

Dass die Zahlungsbereitschaft in Deutschland in den letzten Jahren gestiegen ist, hängt laut newTV Focus Group-Mitglied Ingo Reese vor allem mit dem Erfolg von Netflix und Amazon Prime Video zusammen. Eine zukunftsweisende Einnahmequelle sieht Reese in kostenpflichtigen Live-Inhalten allerdings nicht.  „Es wird zunehmend schwerer für einzelne Nischenprodukte zusätzlich Gebühren zu erheben. Hier sehen wir eher ein deutliches Wachstum im Bereich Werbefinanzierung. Die Marktforschung geht von 50% werbefinanzierten Angeboten bis 2020 aus. 30% SVOD und 20% TVOD. Für User Generated Content Gebühren zu erheben, halte ich für wenig Erfolg versprechend.“

Für Sport-Inhalte sitzt das Geld am lockersten

Zudem haben die Deutschen eine klare Vorstellung davon, für welche Art von Live-Inhalten sie Geld ausgeben würden. Hier dominiert ganz klar der Sport. 67 Prozent aller Befragten wären bereit, für Live-Berichterstattung aus dem Sport in die Tasche zu greifen (Mehrfachnennung war möglich). Gefolgt von Nachrichten (49 Prozent) und – überraschenderweise – Musik-Konzerte (48 Prozent). Anschließend wurden politische Debatten (34 Prozent), Wetter- und Ortsinformationen (23 Prozent), Spielshows (17 Prozent), Kriegsberichterstattung (16 Prozent), Vertriebsfernsehen/Produkt- oder Markenvorstellungen (zehn Prozent) und Sonstige (zehn Prozent) genannt.

Noch sind die Bundesbürger übrigens eher lieber Konsument als Produzent. Dennoch gaben 22 Prozent aller Befragten an, schon einmal selbst etwas live über das Internet übertragen zu haben (z. B. mit dem Smartphone). Weitere 16 Prozent beantworteten die Frage zwar mit „Nein“, gaben aber an, es unbedingt mal ausprobieren zu wollen. Das Thema „Live“ wird damit weiter an Bedeutung gewinnen.

Live-Content, Internet, Live-Inhalte, Sport