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Was hinter den sechs Hamburger Patrons für die Startup-Szene steckt

Nicolas Kittner hilft Gründern bei der Produktentwicklung - kostenlos. Gemeinsam mit fünf weiteren Branchenkennern ist er Teil des „Silicon Pauli Patrons Program“. Was dahinter steckt, erklärt er in unserem Interview.

Nicolas Kittner vom Silicon Pauli Patrons Program.

Es ist selten, wenn Menschen ihre Expertise verschenken. Nicolas Kittner, Digitalstratege aus Hamburg, hat gleich fünf weitere Personen überzeugt, es ihm gleichzutun. Gemeinsam haben sie das „Silicon Pauli Patrons Program“ ins Leben gerufen, um Startups kostenlos bei der Entwicklung digitaler Produkte zu unterstützen. Wir haben mit Nicolas Kittner über das Hamburger Projekt gesprochen.

Was unterscheidet Silicon Pauli von anderen VC-Programmen, in denen junge Startups mit Know-How unterstützt werden?

Das „Silicon Pauli Patrons Program“ (SPPP) hilft jungen Gründern bei der Produktentwicklung – und zwar umsonst. Wir wollen für unsere Unterstützung also weder Geld noch Anteile von den Startups. Das SPPP ist daher auch kein VC, denn wir geben kein Geld, sondern arbeiten aktiv am Produkt mit. Daher sehen wir uns eher als Ergänzung zu klassischen Kapitalgebern wie Angel-Investoren, Inkubatoren oder VCs.

Nach welchen Kriterien werden die Startups am Ende ausgewählt?

Danach, dass sie geile Sachen machen. Im Ernst: Wir haben keinen festen Kriterienkatalog, denn das Ganze ist auch für uns ein Experiment. Das SPPP ist im Moment selbst ein Minimum Viable Product (MVP), bei dem wir viele Dinge ganz bewusst noch nicht definiert haben. Und so ist es auch mit den Startups: wir schauen, was da kommt und wo es bei uns „klick“ macht.

Welche Art von Startups haben sich bisher beworben?

Interessanterweise ganz unterschiedliche: Wir haben etablierte Unternehmen, die jetzt expandieren wollen. Wir haben Gründer, die kaum mehr als eine Idee haben. Wir haben Leute aus Hamburg, aus dem Ruhrgebiet und aus Österreich. Wir haben digitale Produkte und eher analoge. Diese Bandbreite macht es auch so spannend, denn es gibt eben nicht das eine typische Startup, sondern zig verschiedene.

Ist das Programm vielleicht auch eine deutsche Besonderheit, weil wir hierzulande die digitale Produktentwicklung nicht so richtig beherrschen?

Digitale Produktentwicklung ist in der Tat hierzulande nicht so stark. Aber das liegt auch daran, dass es bisher wenige Unternehmen gab, in denen das einen hohen Stellenwert hatte. Das ändert sich gerade rapide. Sowohl in Startups als auch bei großen Unternehmen wird digitale Produktentwicklung eine der wichtigsten Tätigkeiten werden. Insofern ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, um mit dem SPPP zu starten.

Wie wichtig ist für ein Gelingen von Startup-Projekten die Verknüpfung von Content/Produkt und Technologie?

Diese Verknüpfung ist essentiell. Das eine ohne das andere funktioniert nicht. Das ist ja auch der Grund, warum sich sowohl viele Agenturen als auch große Unternehmen so schwer mit digitaler Innovation tun: Sie trennen Inhalte und Technik voneinander und wundern sich dann, dass dabei nichts herauskommt. Nur wenn Produktmenschen und Programmierer gemeinsam etwas entwickeln, sich verstehen und gegenseitig respektieren, kann ein Startup Erfolg haben.

Startups sind Innovationstreiber, aber verbrennen gerade zu Beginn viel Geld und Ressourcen. Agenturen hingegen verdienen gut an ihren Kunden, können aber zu Auftragsspitzen nicht gut skalieren. Was können die einen vom anderen lernen?

Agenturen und Startups sind oft ein „Perfect Match“. Ich glaube an ein Modell, dass ich „Startup-Agency“ genannt habe. Bei der Startup-Agency finanzieren die konstanten Erlöse aus der  Dienstleistung die aufwändige Entwicklung eines Produktes. Im Gegenzug gewinnt das Unternehmen durch die Produktentwicklung Referenzen und Erfahrungen, die es wieder als Dienstleistung verkaufen kann.
Das Ergebnis wäre eine Company, die auf der einen Seite einen gesicherten Cashflow durch das Dienstleistungsgeschäft hätte und auf der anderen Seite von der Skalierung ihres eigenen Produktes profitieren würde.  

Jung von Matt/Sports hat sich mit sponsoo bereits das erste Startup aus dem Umfeld des Hamburger betahaus an Land geholt. Der richtige Weg für große Kreativnetworks - Skills und Knowhow durch Zukäufe dauerhaft binden, aber außerhalb der eigenen Strukturen wachsen lassen?

Eine Agentur verkauft ihre Zeit, Startups ein Produkt. Im ersten Schritt ist es daher sicher sinnvoll durch Beteiligung Skills zu binden, aber diese nicht in bestehende Strukturen zu pressen. JvM/sports und sponsoo sind ein super Beispiel. Aber es ist auch eines der wenigen im deutschsprachigen Raum. Über kurz oder lang müssen sich daher auch große Agenturnetworks damit beschäftigen, wie sie Produktexpertise ins eigene Leistungsangebot integrieren können anstatt nur von außen zuzuschauen wie Startups die Welt verändern.

Übrigens: Bis zum 15. September könnt auch ihr euch noch für das Silicon Pauli Patrons Program bewerben. Alle Infos dazu gibt's online.

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