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Werbung mal anders – das Startup admeee

Das Hamburger Startup admeee setzt auf Werbung – und Gamification. Was dahinter steckt, erklärt Co-Founder und CEO Patrick Koch im Interview.

„Werbung, die dich bezahlt“ – so heißt es auf der Website des Hamburger Startups admeee. Hinter dem Jungunternehmen stecken Patrick Koch (39, Co-Founder & CEO) und Lutz Maichel (36, Co-Founder & CTO), die Werbung und Gamification in einer App zusammenbringen. Wie das gelingen soll und was gute Werbung ausmacht, erklärt uns Patrick im Interview.

Eigentlich wird Werbung häufig als störend und belästigend empfunden. Was zeichnet denn gute Werbung, die dem User gefällt, aus?

Dafür gibt es verschiedene Kriterien und je mehr davon zusammenkommen, desto besser funktioniert Werbung. Das Wichtigste ist natürlich, dass das beworbene Produkt zu den Interessen und am besten sogar zu den aktuellen Kaufabsichten des Users passt. Daneben kommen aber immer häufiger Aspekte wie das situative Umfeld oder Storytelling ins Spiel.

Was meinst du mit situativem Umfeld?

Mit situativem Umfeld ist gemeint, dass man nicht durch Werbung ungefragt belästigt oder unterbrochen wird. Das kennt man von TV-Werbung kurz vor Ende des Krimis oder einem Popup, wenn ich eigentlich einen Blog-Artikel lesen will. Dadurch wird Werbung zum Störfaktor und findet in einem negativen situativen Umfeld statt. Für Storytelling sind aktuell die aufwändigen Edeka-Kampagnen ein tolles Beispiel, die in aller Kürze eine mitreißende Geschichte erzählen. Interessant bei diesen beiden Trends ist, dass kein Push-Mechanismus für die Ausspielung erforderlich ist, sondern ein Pull-Effekt entsteht. Die Nutzer nehmen sich aktiv die Zeit und widmen ihre Aufmerksamkeit ganz bewusst der Werbung – Stichwort positives situatives Umfeld.

Nicht jede Werbung ist wie der Edeka-Weihnachtsspot und wird von den Usern gesucht. Gerade Bannerwerbung scheitert oft an Adblockern. Seid ihr das Gegenmittel gegen die Adblockeritis?

Kurz gesagt: Ja! Adblocker sind bei Browsern ja fast schon Standard und spätestens seit iOS 9 hält das Phänomen auch Einzug in die mobile Welt. Der Aufschrei ist groß und gewichtige Publisher wie Axel Springer versuchen sogar gerichtlich vorzugehen. Bei admeee funktionieren Adblocker erst gar nicht. Erstens ist die Werbung bei uns technisch für Adblocker nicht als solche zu erkennen und zweitens ist es konzeptionell ausgeschlossen. Mit Adblockern haben wir daher keine Probleme. Gleiches gilt übrigens auch für Bot-Traffic und Banner-Fraud.

Sprechen wir mal über euer Konzept: Den Versuch, Werbung mit Bonuspunkten und Prämien zu verbinden, hat es schon gegeben –  etwa von TvSmiles, Shopkick oder Shopnow. Wie unterscheidet sich eure App von der Konkurrenz?

Zwischen den genannten Beispielen und admeee gibt es einen deutlichen Unterschied. Wir knüpfen jegliche Art von Inzentivierung ausschließlich an das Engagement mit dem Werbemittel und nicht an Performance-Aktionen. Wir würden beispielsweise keine Credits – so heißt unsere Währung – für Klicks auf ein Werbemittel, den Download von Apps oder das Betreten eines Geschäftes vergeben. Diese Art von Anreiz passt für uns nicht zu ehrlicher Werbeinteraktion. Wir und damit eben auch unsere Werbekunden bezahlen die Nutzer ausschließlich für ihre Zeit und ehrliche Aufmerksamkeit gegenüber dem Werbemittel – 100% Engagement sozusagen.

Und woher wisst ihr, dass die User euch wirklich die ganze Aufmerksamkeit schenken?

Das stellen wir über inhaltliche Quizfragen sicher. Selbstverständlich gibt es bei admeee nach dem Werbemittel auch eine direkte Verlinkung zum Werbekunden. Ob aber jemand dann den Online-Shop besucht, eine Probefahrt vereinbart, eine App herunterlädt oder später physisch ein Geschäft betritt, bleibt seine Sache und hängt vornehmlich von der Attraktivität des Werbemittels ab. Durch dieses CPE-Modell können wir sowohl zielgruppengesteuerte Brand- als auch Performance-Kampagnen anbieten.
 
Eure App verspricht präzises Zielgruppentargeting. Gilt das nur für die Generation Hashtag oder könnte auch „Klosterfrau Melissengeist“ oder „Doppelherz“ sinnigerweise bei euch Werbung anbieten?

Klar, das ist problemlos möglich, da wir mit unserem Content-Angebot keine Zielgruppe ausschließen. Bei admeee erstellen die Nutzer selbst ihr Profil spielerisch. Wir nutzen keine ausgefeilte Ad-Technologie, sondern erstellen ein transparentes Werbeprofil auf Basis unzähliger Interessens- und Quizfragen. Je mehr, je häufiger und je bewusster ein Nutzer interagiert, desto besser können wir die Interessen einschätzen und desto mehr bekommt er eben auch für sein Werbe-Engagement bezahlt – nur fair, oder? Entsprechend können wir mit Hilfe der demografischen und inhaltlichen Informationen auch die Zielgruppe von „Klosterfrau Melissengeist“ ansprechen. Für sehr spitze Zielgruppen geht es bei admeee aber auch noch einfacher, indem man einfach Fragen einstreut wie „Nutzt Du homöopathische Mittel, um Dein Wohlbefinden zu verbessern?“. Diese Nutzer können wir anschließend adressieren. Natürlich gibt es bei uns auch die Nebenbedingung, dass die Nutzer mobile- oder zumindest online-affin sein sollten. Das nimmt bei der Generation „Klosterfrau Melissengeist“ natürlich ab, aber es gibt erfreulicherweise auch in höheren Altersklassen sehr regelmäßige Nutzer von admeee.

Marketingfachleute suchen immer wieder nach Wegen, die Leute da zu erreichen, wo sie es nicht erwarten. Wo wird Werbung in Zukunft stattfinden?

Ich denke die wird immer mobiler stattfinden, auf dem Smartphone und anderen mobilen Gadgets und irgendwann auch ziemlich sicher in vernetzten, selbstfahrenden Autos. Das ist nicht nur näher am Point und am Moment of Sale, sondern auch außerhalb der Qualitätszeit, die ich zum Beispiel zuhause mit der Familie verbringe. Die große Frage ist das wie, denn verglichen mit Online-Werbung kann man auf den kleineren Mobil-Geräten ja kaum vernünftig Banner einbinden. Aus dem Grund wird sich meiner Meinung nach auch die Entwicklung, Konsumenten immer unerwarteter zu erreichen, langfristig nicht fortsetzen – im Gegenteil. Ich glaube, die Konsumenten sind immer aufgeklärter und lassen sich nicht mehr so leicht überrumpeln. Das wird zu einem bewussteren und stärker selbstbestimmten Umgang mit Werbung führen. Genau da möchten wir mit admeee ansetzen, indem wir für die User eine Vermarktungsmöglichkeit ihrer Konsumentenaufmerksamkeit bieten.

 

admee im Monitor von Hamburg Startups

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