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Wie aus Daten ein Denkmal wird

Man kann es kaum anders sagen: Unser "Spectator" Andreas Wrede ist fasziniert. Was der Editor-in-Chief InnoLab/Medienmanagement, Hamburg Media School, an "The Universe Of Miles Davis“ so toll findet, hat er hier aufgeschrieben.

Screenshot: http://polygraph.cool/miles/

Der Bursche, er lebt in New York City, ist eine ziemliche Intelligenzbestie oder ein wahrer Tausendsassa oder verdammter Wunderknabe. Vielleicht auch einfach so alles zusammen. Matt Daniels („coding with AngularJS, D3, PHP/MySQL“, nicht dass ich mich jetzt aufspiele, diese Systeme zu kennen – sie klingen jedenfalls sehr professionell) arbeitet gern und sehr, sehr gut mit Polygraphen. Das sind Graphen, die zur Überprüfung von Sichtenserialisierbarkeit dienen, sagt Wikipedia.

Immerhin das verstehe ich: Mit Hilfe dieser Graphen könne enorm große Datenmengen erfasst, geordnet und dargestellt werden. Matt Daniels hat so etwa „The Largest Vocabulary In Hip Hop“ oder „The Etymology Of Shorty in Hip Hop“ sozusagen decodiert und visualisiert. Sein jüngstes Projekt dieser genialen Art ist „The Universe Of Miles Davis“.

Mal abgesehen davon, dass Miles Davis mein Favorite Musician Of All Time ist, wäre er in diesem Jahr runde 90 geworden, wenn er nicht vor 25 Jahren gestorben wäre.

Mit seinem Polygraph Joint hat Matt Davis dem Grandmaster of Jazz ein wunderbares und wunderbar modernes Denkmal gesetzt.

Wie er das hingekriegt hat. Ach, ganz einfach, er hat die 2.452 Wikipedia-Seiten in Englisch auf denen Miles erwähnt wird, datenjournalistisch ausgewertet und sowohl in chronologische wie korrelierende Zusammenhänge gesetzt. Nach der Lektüre dieses Polygraphen wissen Sie alles, was Sie schon immer über Miles Davis wissen wollten.

Es fängt an mit einer Übersicht – logischer Weise in Form eines Universums – an schier zahllosen Stichworten (Punkten) auf die der Betrachter klicken kann. Zum Beispiel: Jazz, Jazz Fusion, John Coltrane, Charlie Parker, Columbia Records, Double Bass, Don Elliott oder Bitches Brew (das Jazz Fusion Album überhaupt mit unfassbar grandiosem Line-Up, u. a.: John McLaughlin, Chick Corea, Larrs Young, Joe Zawinul, Jack DeJohnette oder Dave Holland).

In diesem Universum werden nicht nur die normativen Einflüsse von Miles Davis’ auf Cool Jazz, Bebop, Hard Bop, Free Jazz, Fusion Ethno und Avantgarde Jazz oder weit über seinen Tod hinaus auf den Hip Hop – Kendrick Lamar (gilt als großer Miles Davis-Verehrer) er- und geklärt. Auch Künstler, die wiederum ihn beeinflussten wie etwa James Brown oder der Titan aller Arrangeure, Gil Evans, finden angemessene Erwähnung. Das die Discographie gleichfalls vollständig ist, logo.

Und nicht zu vergessen „the Notable Usage Section for Motherfucker“ – das MF-Wort hat Miles sehr gern, sehr oft und sehr differenziert benutzt. Es konnte das größte Kompliment sein für einen Musiker oder auch tiefste Verachtung ausdrücken. Prince nannte er einen MF und „eine Mischung aus Jimi Hendrix und Charlie Chaplin“. Darüber kann man sicher streiten, heute würde Miles Prince nicht mehr so unfreundlich titulieren. Er wird das im Musikerhimmel bestimmt kürzlich mit Prince besprochen haben.

So der so: „The Universe Of Miles Davis“ von Matt Daniels eröffnet keineswegs nur für Miles-Eleven und Davis-Follower den ganzen wunderbaren Musik-Kosmos jenes Trompeters, der wie kein anderer den modernen Jazz gestern und heute prägte und morgen weiterhin prägen wird. Miles würde zu dem Polygraph Joint von Matt Daniels sagen: „It’s a Bitches Brew, Motherfucker“.

von Andreas Wrede, Editor-in-Chief InnoLab/Medienmanagement, Hamburg Media School

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