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WIE STARTUPS IM SPANNUNGSFELD VON MENSCH UND MASCHINE AGIEREN

Die beiden Hamburger Startups 11mrd und Audiodevel machen es vor: Mensch und Maschine stehen nicht in Konkurrenz zu einander, sondern können sich ergänzen. Wie genau, erzählen uns die jeweiligen Gründer.

Foto:pexels.com

Das Team von 11mrd

Eine intelligente Oberfläche von Gegenständen - daran arbeitet das Startup 11mrd.

Spätestens mit Beginn der Industrialisierung fand sich der Mensch plötzlich überall mit Technik konfrontiert. Vieles davon ist für uns alltäglich geworden – ob nun elektrisches Licht, die Eisenbahn oder das Flugzeug. Das sah vor drei, vier Generationen noch ganz anders aus. Was uns aber mit unseren Vorvätern und –müttern wieder eint, ist die Tatsache, dass wir uns auch an einem erneuten Wendepunkt in der Geschichte von Mensch und Maschine befinden. Technik kann unser Leben leichter machen, aber auch zu einem Mehr an Überwachung, Kontrolle und Bevormundung führen. nextMedia.Hamburg sprach mit zwei Startups au der Hansestadt, die sich genau in diesem Spannungsfeld bewegen.

Alltagsgegenstände mit intelligenter Oberfläche

Ingo Aurin und seine zwei Mitstreiter von „11mrd“ lernten sich an der Bauhaus-Universität Weimar kennen und entwickeln mittlerweile von Hamburg aus ein Verfahren, wodurch Alltaggegenstände mit einer intelligenten sensorischen Oberfläche bedruckt werden können. „So wird beispielsweise Verpackungsdesign smart“, sagt Aurin, der lange Jahre in Edinburgh zu diesem Thema forschte. Das kann in der alternden Gesellschaft ein großes Thema werden – schon jetzt verzweifeln viele an „garantiert frustfreien Verpackungen“. Künftig kann die Zahnpastatube Auskunft darüber geben, ob sie auch wirklich in die Hand genommen wurde, oder ob der Nutzer nur vorgibt, die Zähne gereinigt zu haben. In Feldversuchen mit Unternehmen aus Branchen wie der Lebensmittelindustrie, Kosmetik/Pflege, aber auch Sport und Kultur versucht das Startup, altbekannten Produkten und Nutzungssituationen neue Geheimnisse zu entlocken.

Das kann bestehende Produkte besser machen oder später zu verschiedenen Designs für unterschiedliche Zielgruppen führen. Auch ermöglichen die gewonnenen Daten völlig neue Geschäftsmodelle, wenn etwa die Plattenfirma den Star-Pianisten an ein vorher von „11mrd“ präpariertes Klavier setzt und die per Bluetooth gewonnenen Daten visualisiert oder für Lern- bzw. Entertainmentsoftware lizensiert. Aktuell nutzt eine Künstlerin aus der US-amerikanischen Grenzregion die Technik, um bei einem zeitgleich auf beiden Seiten der Grenze angesetzten Dinner getrennte Familien wieder zusammenzuführen – zumindest haptisch.

Instrumente über die eigene Stimme spielen

Während „11mrd“ auf Verbesserungen für große Nutzergruppen setzt – daher auch der Name – widmet sich Michael Kraft mit „Audiodevel“ individuelleren Herausforderungen. Seit mehr als drei Jahren schon tüftelt der Musiker an seiner Entwicklung, dem VC1 Vocal Converter. Das Musikinstrument kann die Frequenzen von Singstimmen in Echtzeit erfassen und somit Sampler oder Synthesizer steuern. „Das wirklich Interessante daran ist, beliebige Instrumente über die eigene Stimme spielen zu können und damit sehr intuitiv zu Komponieren und Improvisieren“, sagt der Musiker. Das funktioniert auch in lauten Umgebungen oder live, denn das VC1 ist mit einem speziellen Tonabnehmer (Kehlkopfmikrofon) ausgerüstet. Dennoch ist das Gerät keine Wundermaschine und macht aus Amateuren nicht gleich Profis: „Man muss schon singen können. Wenn man hinein grunzt, grunzt VC1 zurück“, so Kraft.  

Wer singen kann, wird mit Krafts Erfindung besser, verspricht er: „Meine Entwicklung reagiert direkt auf alle Feinheiten der menschlichen Stimme und eröffnet über Dynamik-Kompression und automatisches Tuning die Möglichkeit, der Performance des Benutzers den letzten Schliff zu verleihen.“ Noch handelt es sich beim VC1 um einen Prototypen und der Sounddesigner, der schon mit 14 Jahren seinen ersten Gitarrenverstärker baute, feilt noch am finalen Design und Interface seiner Idee. „Da es kein Vorbild gibt, ist das natürlich nicht so einfach“, lacht Kraft.

Mensch und Maschine müssen sich also nicht immer in einem Spannungsfeld befinden (Automatisierung gleich Jobverlust), sondern können sich – wie „11mrd“ und „Audiodevel“ zeigen, sinnvoll ergänzen. Letztlich entscheidet immer noch der Mensch als Nutzer und Programmierer, wie Technik sich verhalten und auswirken soll. Sollten sich mehr Startups, User, Journalisten und Intellektuelle in diesen Diskurs einschalten, kann die Welt mit Hilfe von Maschinen vielleicht wirklich zur ihrer bestmöglichen Variante werden.

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