NextMedia

Blog

„Wir haben die riesige Chance, uns hier als Flaggschiff-Office zu etablieren“

Jan Werkmeister, Head of Translation und Geschäftsführer Deutschland im Interview über den Aufkauf durch Keywords Studios.

Für die Summe von 18 Millionen Euro haben die aus Irland stammenden und international aktiven Keywords Studios die Synthesis Group, Marktführer für Games-Lokalisierungen, aufgekauft. Jan Werkmeister, Head of Translation und Geschäftsführer bei Synthesis Deutschland, erklärt im Interview, welche Vorteile sich für Synthesis dadurch ergeben und wieso dem deutschen Standort in Hamburg eine rosige Aussicht blüht.


Synthesis, mit deutscher Dependance in Hamburg, ist den meisten Kennern der Games-Branche ein Begriff. Wie erklärst du jemandem, der Synthesis noch nicht kennt, was das Unternehmen genau macht?
Ganz kurz: Lokalisierung. Das klingt immer ein wenig kryptisch, aber im Prinzip bedeutet es, dass Spiele als englisches Original bei uns ankommen, wir die Texte übersetzen und uns um die deutschen Sprachaufnahmen kümmern – teilweise mit sehr bekannten Hollywood-Stimmen. Für einige Kunden machen wir diese Arbeit aber auch in anderen Sprachen. Wenn jemand zu uns kommt und sein Spiel in acht unterschiedlichen Sprachen benötigt, dann übernehmen wir dafür das gesamte Projektmanagement. Wir kontaktieren die einzelnen Büros von Synthesis, die weltweit verteilt sind, und leiten alle erforderlichen Produktionsschritte ein.

Klingt sehr spannend. Die Stimmen welcher bekannten Hollywood-Stars kamen denn bisher schon zum Einsatz?

Wir setzen sehr oft Stimmen bekannter Hollywood-Stars ein, zumeist für die Protagonisten eines Titels, das sorgt für das nötige stimmliche „Pfund“, das man bei einer Hauptrolle erwartet. In Fallout 4 hatten wir Gundi Eberhard (Michelle Monegan) und Bernd Vollbrecht (Antonio Banderas) für die Stimme des Spielers. Kürzlich für Heroes of the Storm Helmut Krauss (Marlon Brando, James Earl Jones), Michael Pan (Brent Spiner – “Data” aus Star Trek) in Doom oder Bernd Rumpf (Liam Neeson) in Elder Scrolls Online und auch für Daedalics Deponia – Doomsday.

Welche bekannten Games hat Synthesis zuletzt ins Portfolio aufgenommen?

Sicherlich die erst kürzlich neu erschienene Auflage vom Klassiker Doom und im letzten Jahr die Arbeit an einem der größten Titel überhaupt: „Fallout 4“. Dafür haben wir eine Auszeichnung für die beste Lokalisierung in 2015 bekommen. Das war ein riesiges Projekt mit über einer Million Wörtern, irrsinnig vielen Sprechern und Aufnahmen in ganz Deutschland.

Das verdeutlicht gut, welchen Stellenwert die Games-Branche mittlerweile hat. Vielleicht noch ein Wort zur Entstehung von Synthesis: Welche Rolle spielt Periscope Studio dabei?

Vielleicht dient ein kurzer geschichtlicher Exkurs zum besseren Verständnis. Viele kennen uns noch aus unserer Anfangszeit 2008 als Periscope Studio – damals hatten wir unser Büro hier in Hamburg im Keller einer alten Motorenfabrik für U-Boote. Vorwiegend haben wir uns um den Bereich Musikproduktion und Sounddesign für Games gekümmert. In den Folgejahren kamen immer häufiger Sprachproduktionen hinzu. Zunächst für deutsche Kunden wie beispielsweise Daedalic Entertainment, später folgten erste internationale Anfragen. Die wichtigste im Jahr 2009 von Synthesis. Damit fragte Synthesis erstmals bei uns deutsche Sprachaufnahmen für internationale Produkte an. Die Anfrage erreichte uns direkt aus der Zentrale in Mailand und nach diesem Projekt wurde die Zusammenarbeit immer intensiver. 2011 kam es zu einem Riesenprojekt rund um das Spiel „The Elder Scrolls V: Skyrim“. Wir haben nicht nur die Sprachaufnahmen, sondern auch die Übersetzungen gemacht. Auf die sehr gute Zusammenarbeit folgte das Joint Venture und damit die Gründung von Synthesis Deutschland im Jahr 2012.

Und nun scheint sich ein weiterer Kreis zu schließen: Synthesis wurde von Keywords Studios aufgekauft. Das Kerngeschäft beider Unternehmen ist sehr ähnlich. Wie ist es zu diesem Deal gekommen?

Im Vorfeld wurden viele Gespräche geführt, aus denen sehr deutlich wurde, dass sich beide Seiten eine Zusammenarbeit gut vorstellen können. Immerhin sind beide Unternehmen im Bereich Lokalisierung tätig. Allerdings ist Keywords Studios sehr stark in den Bereichen Mobile-, Facebook- oder Browser-Games, und das in vielen unterschiedlichen Sprachen. Synthesis ist besonders stark bei den Triple A-Titeln, also Spielen mit besonders hohem Budget. Somit profitiert jeder vom Know-how des anderen.

Synthesis ist nicht das erste Unternehmen, das von Keywords aufgekauft wurde. Wie erging es eigentlich Vorgängern?

Das ist richtig. Keywords erweitert sein Portfolio bereits seit Jahren durch Zukäufe. Dabei werden die gekauften Firmen schnell und gut in die riesige Gruppe integriert. Das bedeutet speziell für uns, dass wir auch auf viel größere Ressourcen zurückgreifen zu können. Das erleichtert die Arbeit an unterschiedlichen Projekten enorm und erweitert den Kreis potentieller Kunden, was gerade für uns in Hamburg sehr interessant ist.

Wieso gerade für dich in Hamburg?

Keywords hatte vor dem Kauf keine einzige Dependance in Deutschland. Wir haben also die riesige Chance, uns hier als Flaggschiff-Office zu etablieren.

Das stimmt. Klingt insgesamt so, als würde Synthesis im eigenen Tätigkeitsbereich sehr eigenständig bleiben. Gibt es schon konkrete Beispiele, bei welchen Projekten von den neu errungenen Ressourcen profitiert wird?

Um darauf zu antworten, ist es noch zu früh. Der Verkauf war ja "erst" am 12. April 2016. Wir führen aber bereits intensive Gespräche darüber, wie künftige Schritte aussehen können. Insgesamt ist das aber eine sehr gute Sache für uns. Wir gewinnen viel hinzu und es ist nicht so, dass wir Ketten angelegt bekommen und sklavisch zuarbeiten müssen [lacht]. Erst kürzlich war diesbezüglich auch der Keywords COO, Giacomo Duranti, in Hamburg zu Besuch und unser Austausch war sehr positiv. Es ist eben nicht das klassische Bild, das man erwartet, wenn man von einem so großen Unternehmen gekauft wird. Viele assoziieren damit gleich etwas Negatives. Ich kann alle beruhigen, denn das ist bei Keywords nicht der Fall.

Muss also niemand um seinen Arbeitsplatz fürchten?

Es wird keinen Stellenabbau geben, eher im Gegenteil. Bisher war es so, dass deutsche Aufträge innerhalb der Gruppe extern vergeben werden mussten und genau das wird sich nun ändern. Mittelfristig heißt das, dass wir eher mehr Arbeitsplätze in Hamburg schaffen.

Also schaut ihr euch bereits nach größeren Büroräumen um?

Wir haben bei uns ja noch eine Menge Platz. Als hätten wir bereits geahnt, dass wir ihn schon bald für noch mehr Personal benötigen würden [grinst].

Klingt nach guten Aussichten für Games-Fachkräfte, die Arbeit in Hamburg suchen. Was für Projekte können denn bereits zeitnah von dieser neuen Zusammenarbeit erwartet werden?

Da darf ich leider nicht zu viel verraten. In unserer Branche ist es üblich, dass Projekte bis zur Veröffentlichung nicht bekannt gegeben werden. Aber: Es wird mittelfristig mehr Projekte geben und eine starke Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe mit dem Standort Hamburg.

Synthesis, Games Hamburg, Games-Branche Hamburg, Gaming