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„Witze, Meinungen und Haltungen“: Thilo Kasper über Memes

Memes, das sind laut Thilo Kasper Schablonen für „Witze, Meinungen und Haltungen“. Sie finden sich nicht nur in sozialen Netzwerken, sondern mittlerweile auch in journalistischen Kontexten. Wie genau das funktioniert, erklärt Thilo hier.

„Zwischen Design und Journalismus.“ So beschreibt sich Thilo Kasper selbst auf Twitter. Da ist der Weg zu Memes nicht weit. Und genau das ist ein Spezialgebiet des Alumnus des Vocer Innovation Medialab. Was genau Memes sind, wie sie sich im Journalismus einsetzen lassen und welche Memes man kennen sollte, erklärt Thilo, indem er unsere Sätze vervollständigt.

Wenn jemand fragt, was ein Meme ist, antworte ich gerne,… dass Internet-Memes Schablonen sind, mit denen man im Internet Witze, Meinungen und Haltungen verbreiten kann. Als Schablone können z. B. Fotos, Texte, GIFs, Videos oder Sounds von Usern imitiert oder modifiziert und mit eigenen Positionen angereichert werden. Dabei geht es um Selbstdarstellung, aber auch um Teilhabe an öffentlichen Debatten und an einer weltweiten Meme- und Remix-Kultur.

Dabei sind Memes aber nicht nur eine kleinere Spielerei in sozialen Netzwerken, sondern… besonders für eine sehr junge Generation eine selbstverständliche Ausdrucksform. Und immer häufiger auch Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Z. B. hat der amerikanische Kommunikationswissenschaftler Ryan M. Milner erforscht, wie sehr die "Occupy Wall Street“-Bewegung von Memes getrieben war. Dabei stellt er fest, dass Memes heute zum Rohmaterial des gesellschaftlichen Diskurses gehören. Nebenbei erkennen Stars wie Drake oder Shia LaBeouf die Möglichkeiten von Memes und produzieren Videos, die als Meme-Schablone genutzt werden können. Das zahlt sich aus: Mit Reichweite und somit auch Kohle.

Der Einsatz von Memes im Journalismus ist… vor allem im Bereich des partizipativen Journalismus spannend. Andrew Losowsky hat gerade im NiemanLab prophezeit, dass wir 2016 User-Kommentare neu erfinden müssen – weg vom bloßen Kommentieren und hin zu produktiver Beteiligung des Publikums. Die Funktionsweise von Memes kann ein Schlüssel sein, um zu verstehen, wie sich User künftig an der Produktion von Medien beteiligen werden. Außerdem können Memes als Quelle genutzt werden. Z.B. habe ich letztes Jahr zur Parlamentswahl in Israel Meme-Bastler interviewt, um ein Stimmungsbild junger Netzaktivisten zu erhalten.

Memes und Karikaturen unterscheidet, dass…
Karikaturen das Werk von Profis sind und Memes das Werk von Amateuren. Ein Meme wird selten die satirische Brillanz einer Karikatur erreichen. Das ist okay, denn der Reiz von Memes liegt in der Masse der User, die sich über möglichst niedrige Barrieren hinweg an einer gesellschaftlichen Debatte beteiligen. Keine Frage – viele Memes sind einfach Quatsch – aber eben ganz schön basis-demokratischer Quatsch.

In jedem Fall ist ein Meme mehr als nur ein Bild. Denn das Rezept für ein gelungenes Meme ist… das gelungene Rezept. Die Spielregeln eines Memes müssen so austariert sein, dass die Belohnung schwerer wiegt, als der Aufwand sich daran zu beteiligen. Am besten sieht man das am Erfolg der Ice Bucket Challenge, bei der sich im Sommer 2013 abertausende Menschen weltweit Eiswasserkübel über den Kopf schütteten, um Spenden für die Erforschung der Nervenkrankheit ALS zu sammeln. Der Aufwand ein solches Video zu produzieren war vergleichsweise hoch. Dafür konnte man sich als Belohnung in sozialen Netzwerken humorvoll und hilfsbereit präsentieren und in einer Reihe mit Stars wie Marc Zuckerberg oder Justin Bieber stehen, die sich ebenfalls an dem Meme beteiligt hatten.

Drei Memes, die jeder gesehen haben sollte, sind…
1. Just do it! Wer noch keine Vorsätze fürs neue Jahr hat – Shia LaBeouf liefert sie. Seine Motivationsrede ist eines der erfolgreichsten Memes des letzten Jahres und wurde in tausenden Versionen geremixt.
2. Meme-Kultur hat auch Schattenseiten, die man nicht außer Acht lassen sollte. Rassismus, Sexismus, Ableismus und andere -ismen gibt es auch bei Reddit und Co., aktuell wurde z. B. dieser Krebs-Patient mit einem Meme verhöhnt.
3. Eine Schattenseite der deutschen Meme-Kultur ist das Urheberrecht. Prominent wurde im letzten Jahr der „Socially Awkward Penguin“, für dessen Veröffentlichung ein deutsches Blog 800 Euro Strafe zahlen musste, obwohl tausende User weltweit das Bild jeden Tag verwenden. Ich habe mit Detektor.fm über den Fall gesprochen.

 

Hinweis der Seitenbetreiber: Memes gehören zur Netzkultur und entsprechende Beispiele in einen Beitrag, der sich mit dem Thema befasst. Aber natürlich gilt: Diese wurden nicht von uns erstellt und wir zeichnen dementsprechend nicht verantwortlich für die Inhalte auf den verlinkten Seiten.

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