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Wohin wird uns Blockchain (ent-)führen?

Blockchain gehört zu den aktuellen Trendthemen. Unser "Spectator" Andreas Wrede, Editor-in-Chief InnoLab/Medienmanagement, Hamburg Media School, hat aufgeschrieben, was sich dahinter verbirgt.

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Wir alle ahnen es: Es werden angesichts immer rascher fortschreitender technologischer Entwicklungen (oder besser: Quantensprünge) wieder und wieder einschneidende Veränderungen in unser aller (Arbeits-)Leben passieren. Die Innovation von heute Morgen kann heute Abend bereits Makulatur sein. „Veränderung ist das Gesetz des Lebens. Diejenigen, die nur auf die Vergangenheit oder die Gegenwart blicken, werden die Zukunft verpassen“, bemerkte John F. Kennedy. Da hatte und hat er verdammt Recht.

Eine disruptive Innovation, die diese Charakterisierung verdient, heißt: Blockchain. Seit rund drei Jahren ist Blockchain ein spannendes Thema – aber bislang lediglich in Netz-Fachkreisen. Das liegt derzeit wohl daran, dass dieses Thema – wird es Realität – etwa im nationalen und internationalen für revolutionierende, vereinfachende Neuordnungen steht, die sich allerdings derzeit noch kompliziert darstellen. „Es ist vergleichbar mit dem Internet,“ sagt Dr. Ingo Fiedler, Ökonom an der Universität Hamburg, „alle benutzen es, aber nur wenige interessieren sich dafür, welche Protokolle dahinterstehen.“

Was also bedeutet Blockchain, Dr. Fiedler? „Es ist sozusagen eine riesige, dezentrale Datenbank, die permanent Updates erfährt, die via Peer-to-Peer-Technik an alle Nutzer publik gemacht und die auf zahlreichen Servern gespeichert werden.“ Mit Blockchain werden bald etwa ungeheuer große Datenmengen transportiert. Besteht da nicht die Gefahr des Datenraubs in einem bislang noch nicht gekannten Ausmaß?
Dr. Fiedler verneint: Duch die kryptografische Verschlüsselung sei Blockchain extrem schwer zu knacken. Und durch die Dezentralität seien Manipulationen von Dritten nahezu ausgeschlossen.

„Die Idee des Blockchain ist durch die virtuelle Währung Bitcoin entstanden“, schreibt Frank Schmiechen bei Gründerszene. Einer der klugen Köpfe, die derzeit an der Systematisierung von Blockchain werkeln, ist der junge Russe Vitalik Buterin. Er arbeite und lebt mittlerweile in der Schweiz, wo er mit anderen Programmierern an dem Blockchain-Fortschritt arbeitet. „An dem Tag, an dem ich mir Bitcoin genauer ansah, verstand ich, dass Zahlungen ohne Mittelsmänner möglich sind“ (Gründerszene).

Das wirklich radikal Neue an Blockchain ist, „dass dieses Protokoll eben nicht nur Informationen austauschen kann, sondern mit Hilfe von Coins oder Tokens Werte austauschen kann“, betont Dr. Fiedler im Gespräch mit dem Spectator. Noch steckt Blockchain in den Kinderschuhen, aber bald
schon kann es möglich sein, sehr umfängliche Finanz-Transaktionen rasend schnell, extrem effizient und kostenlos abzuwickeln – ohne vermittelnde und vor allem mitverdienende Banken oder andere Finanzinstitute.

„Blockchain ist und wird zum Beispiel für die Sharing Economy von besonderer Bedeutung sein“, prognostiziert Wirtschaftswissenschaftler Dr. Fiedler, „aber auch andere Bereiche wie der Energiemarkt könnten disruptiv verändert werden.“
Er wagt die Vorausschau, „dass in sieben Jahren 60-70% aller globalen Märkte mindestens indirekt mit der Blockchain arbeiten werden.“ Und zwar nicht nur im Geldverkehr, sondern etwa auch im Im- und Export oder im Handling großer Assets wie Flugzeugen oder Riesentanker, die mit Blockchain in kleinste Anteile heruntergebrochen und handelbar gemacht werden können.

Ob damit nun – als weiteres Beispiel – auch Musikern geholfen wird, endlich mehr Geld an ihren Songs/Stücken zu verdienen – jenseits von iTunes und Co. - ist ein interessanter, gleichwohl kleiner Ausschnitt der vielfältigen Blockchain-Denk- und Einsatzmöglichkeiten.


Dr. Fiedler hat ein weiteres, faszinierendes, noch futuristisch anmutendes Beispiel parat, das er allerdings in nicht allzu weiter Ferne verortet: „Blockchain eignet sich hervorragend für die Abrechnung selbstfahrender Teslas - kein Mensch braucht dann noch eine Kreditkarte für eine Taxifahrt durchziehen. Die Bezahlung, Erfassung und Buchung läuft unkompliziert über Blockchain, ohne dass auch nur ein Mensch irgendetwas hätte veranlassen müssen. Und das Auto fährt nicht nur selbst, sondern verwaltet sich auch noch autonom“. Ohnehin ist das Kreditkarten-Wesen nach wie vor sehr anfällig für Hack-Angriffe in jährlicher Milliardenhöhe. Erinnert sei nur an den gigantischen Angriff 2014 auf die
US-Baumarktkette Home Depot: Daten von 56 Millionen Kreditkarten wurden allein bei dieser Cyper-Attacke erbeutet. Mal lockere 62 Millionen Dollar kostete Home Depot die Behebung dieses Daten-Gaus.

„Den Kinderschuhen werden dezentrale Buchungssysteme auf Blockchainbasis eher entwachsen als wir denken,“ sagt Dr. Fiedler. Nach anfänglicher Panik in der Bankenbranche hat die nun begonnen, auch in Kooperation mit Start-Ups, Blockchain-Szenarien zu ihrem Nutzen durchzuspielen. Wir haben uns daran zu gewöhnen, dass Artificial Intelligence (AI) unseren Alltag mitbestimmen wird. Der amerikanische Informatiker Alan Perlis brachte schon in den achtziger Jahren seine AI-Ambivalenz zum Ausdruck: „A year spent in Artificial Intelligence is enough to make one believe in God“.


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