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Mit Bloggen Geld verdienen - aber wie?

Mit Bloggen Geld verdienen: Über Sponsored Posts, Werbung und Blogs als Türöffner

Monetarisierung ist das gegenwärtige Schlagwort der Medienbranche. Etablierte Verlagshäuser ziehen Paywalls hoch, während YouTuber – wie Jan Böhmermann genüsslich vorrechnet – durch ihre jungen Fans Geld verdienen. Doch fernab der Videos mit Schminktipps gibt es noch immer Blogs, die auf Texte und Fotos setzen. Wie es jedoch finanziell um diese Text-Blogs bestellt ist, zeigte Anfang dieses Jahres der bekannte BILDBlog: Er bat seine Leser um finanzielle Unterstützung, um die Schreiber der medienkritischen Artikel bezahlen zu können. Denn ein regelmäßig gepflegter Blog macht Arbeit und diese Arbeit sollte auch das (Über-)Leben der Blogger sicherstellen. nextMedia.Hamburg fragt daher: Lässt sich mit Blogs Geld verdienen?

Advertorials und Sensationen

Markus Herrmann betreibt den Blog Herm’s Farm. Über 30.000 Follower hat er allein bei Twitter, seine Blogartikel werden täglich zwischen 300 und 1000 Mal gelesen. Vom Bloggen leben kann er deshalb trotzdem nicht. „Als Textblogger Geld zu verdienen ist sehr schwierig“, sagt er. „Vom Bloggen kannst du nur leben, wenn du täglich Fun-Links postest und in einem Werbenetzwerk bist. Oder Advertorial machst.“ Advertorials oder sponsored Posts – also redaktionell aufbereitete Werbehinweise – sind eine der Einnahmequellen für Blogger. Doch nicht immer, so Markus Herrmann, gibt es für Advertorials auch Geld. Manchmal auch nur die beworbenen Produkte. „Wenn man bloggen möchte, sollte man nicht mit der Einstellung herangehen, damit Geld verdienen zu wollen.“


Denn Fakt ist auch: Der Anteil der Blog-Nutzer ist gering, laut ARD/ZDF-Onlineumfrage lesen insgesamt nur 5 Prozent einmal wöchentlich einen Blog. Zum Vergleich: Wetterinformationen rufen immerhin 51 Prozent einmal wöchentlich ab. „Viele würden Blogs interessant finden, wenn sie erst einmal darauf gestupst würden“, sagt Markus Herrmann und denkt dabei etwa an die diversen online Koch-Angebote mit Zubereitungstipps, die den Print-Titeln Konkurrenz machen könnten.

Doch neben der geringen Nutzung von Blogs macht Herrmann noch ein generelles Problem aus: „Es ist schwierig, Leute für Inhalte zu begeistern.“ Fernab von Zusammenstellungen der lustigsten Katzenvideos haben Blogs zu harten Themen bekanntermaßen Konkurrenz aus den traditionellen Medienhäusern, die ebenfalls nach praktikablen Monetarisierungsstrategien suchen. „Ich hoffe es nicht, aber der einzige Weg, wie sich Journalismus online verkaufen kann, scheint Häppchen-Journalismus wie bei Heftig.co zu sein“, meint Herrmann. Gerade in Sozialen Netzwerken ist heftig.co erfolgreich – im Februar-Ranking von 10000 Flies mussten sich deren Posts nur BILD geschlagen geben.

Werbung und Netzwerk

Wie wichtig soziale Medien wie Facebook für die Reichweite von Blogs sind, weiß auch Rudolf Klöckner. Mit Urban Attitude betreibt er eine Art Netzwerk, das mehrere Blogs umfasst – darunter etwa Geschnackvoll zu Kultur und Lifestyle sowie Kitchenmate zu Kochen und Essen. Eine wichtige Einnahmequelle dabei: Werbung. „Ich denke, die Welt ist derzeit noch nicht bereit für das regelmäßige freiwillige Bezahlen von digitalen Inhalten durch Dienste wie z. B. Flattr“, sagt Klöckner. Vor allem klassische Bannerwerbung ist bei ihm im Einsatz, die auf Basis eines festgelegten Preises für jeweils tausend Einblendungen bezahlt wird. Dabei arbeitet Klöckner auch mit ADVICE zusammen. „ADVICE liefert auf dem Blog vor allem Bannerwerbung aus. Dabei hat ADVICE vor allem einen Blick auf die Auswahl der Kampagnen und versucht sich dabei thematisch an den Inhalten des Blogs zu orientieren“, erklärt Klöckner. Aber auch sponsored Posts nutzt Urban Attitude. „Prinzipiell würde ich sagen gilt: je passender die Werbung zu den Inhalten des Blogs ist, desto besser funktioniert die Beziehung zwischen Werbendem und Publisher.“ Werbung also, die auf die Zielgruppe und deren Interessen zugeschnitten ist, kann das Überleben eines Blogs sicherstellen – da die User nicht bereit sind, für die Inhalte zu bezahlen. Und doch sorgt die Einblendung von Werbung bei manchem Nutzer noch immer für Unmut. „Aber seien wir mal ehrlich: anders funktionier es momentan (noch) nicht“, so Klöckner.

 

Bei all dem Erfolg, den Advertorials und Werbung als Einnahmequelle mit sich bringen können, ist noch ein weiterer Faktor Gold wert: das Netzwerk. Und obwohl der Medienwandel die Kommunikationswege verkürzt, sind nicht nur möglichst viele Twitter-Followern oder Facebook-Fans entscheidend.
„Die meisten Leuten stellen sich immer vor, einen Blog könne man von überall betreiben, Hauptsache es gibt WLAN an dem Ort. Letztendlich besteht die Arbeit dann doch aus einer ganzen Menge mehr und vor allem unterschiedlichen Tätigkeiten. Da bietet sich es an, in einer der größeren Städte des Landes wie Hamburg zu sein, in der man auf ein großes Netzwerk zurückgreifen kann“, sagt Klöckner.
Und das zeigt sich auch bei Markus Herrmann: sämtliche Jobs bekam er durch seine Online-Aktivitäten – auch bei der Pro7-Show Circus Halligalli, in der er als „1-Mann-Online-Redaktion“ agierte. Wie sehr ihm das Schreiben, auch jenseits seines Blogs, im Blut liegt, zeigte er jüngst auch in seinem Roman „Aaarfz“. Auch wenn Markus Herrmann nicht vom Bloggen selbst leben kann – von den Folgen dessen kann er es.



Blogs vermarkten – ein Profi erzählt

2007 fing für Rudolf Klöckner alles an: Er wollte eine Kommunikationsplattform für Street Culture schaffen, um zu zeigen, das sich auf den Straßen und Hinterhöfen der Städte eine Menge mehr abspielt, als man vielleicht auf den ersten Blick sieht und über das man in den klassischen Medien liest. Aus diesen ersten Schritten in der Blogger-Welt ist mittlerweile eine Vollzeitbeschäftigung geworden. Er betreibt „Urban Attitude – Agentur für urbane Kommunikation“ und vermarktet damit nicht nur Blogs, sondern unterstützt etwa auch Künstler bei ihrer Arbeit und vermittelt Kontakte.
Im Interview mit nextMedia.Hamburg spricht er über Erlösmodelle auf Blogs, die Bedeutung von Social Media und die Zukunft von Blogs.