4 Dinge, die wir von den Innovation Talks lernen können

Wer sind die Innovationstreiber in Hamburg, welche Skills werden an der Schnittstelle zwischen Content und Technologie den Weg in die digitale Zukunft ebnen, wo finden Gründer die passende Anlaufstelle? In unserer Blogreihe „Innovation Talk“ haben wir uns diese und weitere Fragen gestellt und Stakeholder aus der Medien- und Digitalbranche um ihre Einschätzung gebeten. Wir fassen für euch die vier wichtigsten Learnings zusammen.

Was ist Innovation?

Der Begriff Innovation ist weit umfassend und erlaubt eine Reihe an unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten, was nicht zuletzt die Antworten der im „Innovation Talk“ befragten Stakeholder aufzeigen: Ob neue Produkte, Vertriebsstrukturen oder Geschäftsmodelle – Innovation findet in den verschiedensten Arten und Formen statt und steht dabei stets für etwas Neues, etwas Anderes, etwas Besseres. Für Franziska Knoefel, Manager Digital Revolution bei Weischer.Media, fängt Innovation schon bei der Methodik an. So können auch kleine Prozesse innovativ sein und müssen nicht zwangsläufig als „The Next Big Thing“ enden. Es gehe vor allem darum, seine Ziele auch mit alternativen Wegen zu erreichen, Dinge auszuprobieren und aus Fehlern zu lernen. Dabei müsse der Impuls zu etwas Neuem von den Menschen selber kommen und dürfe nicht von oben diktiert werden.

Speziell im Medienbereich sei der gesamte Prozess sehr technologiegetrieben und basiere auf einem interdisziplinären Austausch der verschiedenen Innovationstreiber. Philipp Walter, Verantwortlicher für das Projekt „beyourpilot“, definierte diesen Ansatz wie folgt: „In der Theorie ist es die Übersprunghandlung von Wissen, sodass viele Leute und Ideen zusammenkommen, aus denen etwas neues Ganzes generiert wird.“ Schöne, kreative oder innovativen Ideen alleine würden allerdings nicht ausreichen. Dafür sei die Kluft zwischen einer Idee und der tatsächlichen Umsetzung zu groß, wie Michal Olmert, Direktorin am IDC Herzliya Global MBA Innovation & Entrepreneurship, anmerkte. Erst die Umsetzung oder der wirkliche Versuch Neues zu probieren,  führe zu Innovationen. Für den Journalismus sieht New York City Media Lab-Leiter Justin Hendrix konkret in der Anwendung der Datenwissenschaft und im Experimentieren mit neuen Schnittstellen wie Augmented Reality enormes Innovationspotenzial.

Wer sind Innovationstreiber?

Bei der Frage nach Innovationstreibern wird schnell deutlich, dass es sowohl inner- als auch außerhalb der Unternehmen Wechselwirkungen gibt, die Entwicklungen vorantreiben und separat voneinander betrachtet werden müssen. So sind es die Unternehmen und ihre Mitarbeiter selbst, die innovativ denken, handeln und neuen Ideen eine Chance geben. In diesem Zusammenhang betonte Niels Rasmussen, Leiter des Programmbereichs Online und Multimedia bei NDR.de, die Bedeutung von Start-ups und anderen innovativen Firmen, die den Markt mit neuen Ideen bereichern würden: Sie seien häufig schneller, weil sie sich auf die Entwicklung einzelner Produkte konzentrieren könnten. Für die großen Medienanbieter sei diese Entwicklung in Hamburg gerade im Digitalen positiv, weil dadurch viele kleinere Innovationen auf den Markt kämen, mit denen die bereits bestehenden Angebote ergänzt und erweitert werden könnten. Ähnlich äußerten sich die Innovationsverantwortlichen von ARD-aktuell, Andreas Lützkendorf und Christian Radler: Ihrer Auffassung nach seien es überwiegend Digitalagenturen, die die benötigten Impulse zur Weiterentwicklung von Medienprodukten gäben und dabei die großen Medienhäuser unterstützen würden. Justin Hendrix wiederum verwies vor allem auf Hard- und Softwareunternehmen sowie Technologieplattformen, die er für die größten Veränderungen der letzten Jahre verantwortlich macht.

Die großen Medienbetriebe haben derweil erkannt, dass es nicht ausreicht, wenn sie auf Entwicklungen der Medienwelt nur reagieren. Vielmehr müssen die Formate und Inhalte der Zukunft auch von ihnen aktiv mitentwickelt und gestaltet werden. Trotz des Aufbaus von Innovationsabteilungen und dem Einsatz von Innovationsverantwortlichen müsse von den großen Medienunternehmen noch viel mehr kommen. Mehr Engagement im Bereich Medieninnovationen fordert HMS-Professor Stephan Weichert auch von den Hochschulen, die als potenzieller Innovationstreiber zurzeit noch „mit angezogener Handbremse“ unterwegs seien. Hier fehle es vor allem an Förderstrukturen und –programmen, um die Innovationen marktgerecht zu stimulieren. Immerhin: In Hamburg habe die Politik das Thema schon seit einiger Zeit auf der Agenda und die damit verbundene Herausforderung erkannt, neue Anreizsysteme zu schaffen, um Wirtschaft und Bildung zusammenzubringen.

Wie wird Innovation in Hamburger Betrieben umgesetzt und wann ist sie erfolgreich?

Bei der Frage nach Hamburger Innovationstreibern fällt immer wieder der Name des Otto-Konzerns, der sich in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich digitalisiert hat. Auch andere (auf den ersten Blick) medienferne Betriebe wie die Hochbahn oder der Beiersdorf-Konzern werden von den Experten als positive Innovationsbeispiele angeführt. Es wird deutlich: Der Kontakt zu Innovatoren außerhalb der Medienbranche macht einen wichtigen Teil  im Innovationsprozess aus und so sind gemeinsame, branchenübergreifende Projekte keine Seltenheit mehr.  Ein Beispiel hierfür ist die Entwicklung einer progressiven Web-App, die Beiersdorf und ARD-aktuell trotz nur weniger inhaltlicher Berührungspunkte gemeinsam umgesetzt hatten. Das Alte zu machen, ohne das Neue zu lassen, sei die spannende Frage, die die verschiedensten Unternehmen verbinde. Der gegenseitige Austausch und die Zusammenarbeit von Betrieben aus unterschiedlichen Branchen ergäben so wertvolle Synergieeffekte, die sich  positiv auf die Gestaltung von Projekten beider Seiten auswirken würden. Dies führe zu engen Vernetzungen in der Hamburger Wirtschaft, von denen letztendlich alle profitieren würden.

Doch ab wann gelten derartige Innovationsprojekte auch als erfolgreich? Die einhellige Meinung: Innovation sei dann erfolgreich, wenn sie dabei hilft, Angebote und Produkte besser oder effektiver zu machen. Der Erfolg von Projekten hänge dabei weniger von konkreten Zahlen oder Vergleichsgrößen, sondern mehr vom tatsächlichen Nutzen für Entwickler und Verbraucher ab, wie Stephan Weichert ausführt: „Wenn wir sagen können‚ das hat uns was gebracht, wir sind weitergekommen, wir haben zarte Pflänzchen gesät, aus denen etwas wächst‘ – dann ist es ein Erfolg.“ Dabei sei es zweitrangig, ob Produkte oder Prototypen entstünden, „die zum Unicorn werden und den Mega-Exit schaffen.“ Hauptsächlich gehe es darum, die wachsenden technischen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die digitalen Angebote auszweiten und zu verbessern. Dabei probiere man inzwischen immer mehr aus und entwickle Dinge anhand der Rückmeldungen des Publikums weiter, verriet beispielsweise Niels Rasmussen vom NDR.

Wie verändern Innovationen die Arbeit von Media Workern?

Der Medienwandel und die Digitalisierung der Arbeitswelt schreiten in großem Tempo voran und verändern auch die Anforderungen an die Media Worker von heute. Das ist nicht nur ein Ergebnis des  Media Worker Report, sondern auch die Beobachtung, die die befragten Stakeholder gemacht haben. Für Medienschaffende käme es demnach immer mehr darauf an, sich weiterzuentwickeln und die Bedienung neuer Systeme und neuer Fertigkeiten zu erlernen. Lützkendorf und Radler konkretisieren dieses Bild: „Sie müssen plötzlich sechs oder sieben verschiedene Software-Programme aus dem Effeff beherrschen. Insofern ist heute womöglich die wichtigste Ressource eines journalistischen Mitarbeiters, dass er extrem flexibel ist und nicht bis zur Rente auf die 20 Uhr abonniert ist.“ Klar sei:  Es müsse nicht jede und jeder alles können, aber es kämen an verschiedenen Stellen zusätzliche Anforderungen hinzu.

Dieser Anforderungen-Mix ist auch bei den Ausbildungsstätten angekommen, wie Michal Olmert berichtete: „Wir konzentrieren uns bei allen Kursen auf die rechtlichen und finanziellen Aspekte des Gründens und die Vermittlung von Fähigkeiten wie Produktmanagement und Pitching. Wir wollen dabei nicht nur theoretisches Wissen vermitteln, sondern die Studenten dazu motivieren, ihre Ideen auch umzusetzen.“  Das richtige Rezept sei eine Kombination aus den klassischen Säulen der MBA-Ausbildung, wie Organisationsmanagement, Marketing oder Finanzen mit spezifischen Kursen, die auf Innovation und Unternehmertum zugeschnitten sind.


Insgesamt haben die sieben „Innovation Talks“ Antworten auf die verschiedensten Fragestellungen rund um das Thema Innovation geliefert. Von der Diskussion über den Begriff Innovation über das Vorstellen von Innovationstreibern in- und außerhalb von Hamburg, bis hin zu  Innovationen in der Arbeitswelt der Media-Worker – die Themen und Antworten waren so unterschiedlich wie die befragten Experten selbst. Was sie allerdings alle einte war ihr Innovationsgeist und der Glaube daran, dass im Medienbereich noch viel mehr möglich ist.

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