About You-Gründer Tarek Müller: Der kometenhafte Aufstieg eines Hamburger Startups

About You-Co-Gründer Tarek Müller

About You-Co-Gründer Tarek Müller. Foto: facebook/Tarek.Mueller

Im Alter von gerade einmal 15 Jahren stampfte er seinen ersten Online-Shop aus dem Boden. Heute gehört Tarek Müller mit About You zu den erfolgreichsten Gründern Deutschlands. Im Digital Factory Talk der Beiersdorf AG verriet der Hamburger, welche Faktoren beim Wachstum seiner Online-Plattform entscheidend sind.

Mit dem Zeitalter der Digitalisierung müssen gerade traditionelle Unternehmen bewährte Strategien auf den Prüfstand stellen, anpassen oder gar neu entwickeln. Hierfür hat Beiersdorf die Digital Factory gegründet, die als Lab für digitale Innovationen dient und so Startup-Enthusiasmus mit langjähriger Erfahrung paart. Einer, der aus beiden Attributen eines der umsatzstärksten Jungunternehmen Deutschlands zum Leben erweckt hat, ist Tarek Müller. Beim Digital Factory Talk am 27. April, der für Beiersdorf -Mitarbeiter sowie Gäste abgehalten wird, sprach der gebürtige Harburger über das Erfolgsgeheimnis von About You

Vom Shisha-Verkäufer zum Shooting Star

Seinen Gewerbeschein hat Tarek Müller vor 15 Jahren erworben, mit 28 Jahren sei er bereits ein „alter Hase im Digitalgeschäft“, wie der Unternehmer über sich sagt. Angefangen hat seine Karriere mit der Gründung der ersten Online-Shops – für Shishas und Pokerzubehör. In den Folgejahren baute Müller verschiedene Agenturen und E-Commerce-Geschäftsmodelle erfolgreich auf. Das weckte auch das Interesse der Big Player. Vor dreieinhalb Jahren verkaufte Tarek Müller zwei seiner Unternehmen an die Otto Group – die gleichzeitige Geburt von About You. 

Gemeinsam mit zwei Partnern schrieb Tarek Müller für das Startup den Business-Plan. Der Erfolg sollte nicht lange auf sich warten. Bereits im zweiten Geschäftsjahr konnte das Unternehmen einen Nettoumsatz von 150 Millionen verzeichnen. Damit ist About You mittlerweile der zweitgrößte Online-Fashionshop in Deutschland. Und ein Ende des rasanten Wachstums ist nicht in Sicht. „Wir werden unseren Umsatz locker verdoppeln. Wir streben dieses Jahr einen Netto-Umsatz von über einer Milliarde an“, gibt Müller selbstbewusst zu Protokoll. Zahlen, die für ein Digitalunternehmen ungewöhnlich sind – auch weil About You diese mit einem äußerst geringen Kapitaleinsatz erzielt. Was hat das Startup also der Konkurrenz voraus?

About You: Discovery-Plattform durch Influencer-Marketing

Müller vergleicht Wettbewerber wie Zalando, Amazon oder Otto mit klickbaren Lagerhallen. Diese könnten mit ihrem großen Angebot den Bedarf der Käufer zwar decken, zum Stöbern wären diese Shops aufgrund der unüberschaubaren Produktpalette jedoch eher ungeeignet. Und genau hier haben Müller und sein Team eine Marktlücke gefunden. About You will vor allem die Kunden für sich gewinnen, die neue Mode entdecken und sich von ihr inspirieren lassen wollen. Daher kooperiert das Unternehmen auch mit zahlreichen Influencern wie Lena Gercke, Stefanie Giesinger oder Steven Gätjen, die About You als eine Art Online-Laufsteg für ihre Lieblingsstücke nutzen. Davon profitieren beide Seiten – About You bekommt namhafte Content-Contributer und die Stars können ihre Reichweite durch eine Gewinnbeteiligung monetarisieren. 

Eine große Rolle beim Influencer-Marketing spielt Authentizität. „Uns ist wichtig, dass die Person, mit der wir kooperieren, Dinge trägt, die sie auch im alltäglichen Leben tragen würde.“ Nur so würde die Kleidung nicht als Werbung wahrgenommen werden. Oft posten die Stars ein Selfie auf Instagram, Facebook und Co. und weisen darauf hin, dass die eigenen Fans den Look auf About You nachkaufen könnten. Damit das Outfit für den Durchschnittskäufer auch bezahlbar bleibt, gäbe man den Promis aber ab und an den Hinweis, Premium-Marken auch mit preiswerteren Outfits zu kombinieren. 

Personalisiertes Angebot durch datengetriebenes Geschäftsmodell

Neben dem Influencer-Marketing legt About You auch viel Wert auf sein individualisiertes Angebot.  Anders als bei High-Tech-Geräten würde bei Mode nicht etwa das Preis-Leistungs-Verhältnis die Kaufbereitschaft erhöhen, sondern vor allem der persönliche Geschmack. Um diesen zu berücksichtigen, sammelt About You Daten von Usern. Zum Beispiel darüber, welche Stoffe, Marken oder Größen präferiert werden, wenn der Kunde auf digitaler Shopping-Tour ist. Mit den Informationen füttert About You seinen Algorithmus und gibt so persönliche Empfehlungen für den Nutzer – ganz ohne Filterblase. „Die Wahrscheinlichkeit, dass man die passende Jeans für sich findet, ist bei About You wesentlicher höher als bei Zalando“, erklärt Müller. Handel durch Personalisierung – das sei nach Meinung des 28-Jährigen zwar keine neue Idee, jedoch in der technischen Umsetzbarkeit nach wie vor eine große Herausforderung. 

Mit der digitalen Transformation kommt es auch zu einer Machtverschiebung im E-Commerce. Während vor 20 Jahren der IT-Bereich nur für die Lösung technischer Probleme zuständig war, sind Programmierer und Technologen heute die DNA eines Digitalunternehmens. Tarek Müller dazu ganz bescheiden: „Wenn man fragt, wer bei uns drei Geschäftsführern die wichtigste Person ist, dann ist das Sebastian Betz, der bei uns die Technik macht.“ Und weiter: „Es geht am Ende des Tages schon um das richtige Sortiment und das man dieses an den Mann bringt, aber das auf eine digitale Art und Weise – gestützt durch technisches und logisches Wissen.“

Zum Abschluss seines Vortrags gab Tarek Müller allen digitalen Startups noch einen simplen, aber eindringlichen Ratschlag mit auf den Weg: „Viel ausprobieren, auch im Wissen, dass man scheitern kann.“ About You zeigt, dass sich Risikobereitschaft durchaus bezahlt machen kann. 

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