Beme me up, Scottie!

Screenshot http://beme.com/

To beme or not to beme? Andreas Wrede, Editor-in-Chief InnoLab/Medienmanagement, Hamburg Media School, hat sich an die neue Trend-App herangewagt. Ganz so einfach war es nicht.

Tja, wie soll man über etwas Spannendes schreiben, das man selbst nicht testen kann. Weil’s nämlich offenbar noch ziemliche Bugs in der App von Beme gibt. Ich hab’ mir die App heruntergeladen und reservierte mir einen Username, dann taucht das Feld „Unlock“ auf. Aha: „Enter your code below. Anyone unlocked can let you in“. Nochmals Aha: Was mach’ ich jetzt nur, wenn ich noch keinen anderen Beme-User kenne bzw. keinen Code habe?

Tja, anscheinend ist das jetzt mein Pech, denn nun hängt die App. Sie verrät mir auch nicht, wie ich mit einem anderen Beme-User in Kontakt treten kann. Ich finde ja authentische Communities ganz prima, aber hier wird die Hype-Tuerei einfach übertrieben von den Beme-Machern Casey Neistat und Matt Hackett. Als potentieller App-User bin ich jetzt erstmal komplett frustriert und ratlos. Zumal ein anderer Lock-In-Versuch per Telefonummer ebenfalls in die Hose gegangen ist.

Tja, bleibt mir mithin, zu versuchen, zu erklären wie Beme funktionieren könnte, wenn ich es denn benutzen könnte. In der FAZ stand die Frage: „Wird Beme das neue Snapchat?“ und der Autor schießt gleich hinterher, dass sich via Beme „soziale Netzwerke neu erfinden“ könnten. Denn die Bedienung von Beme ist tastenlos und ein Feedback auf einen Clip ist nur per Selfie möglich, also keine Likes welcher Art auch immer.

Tja, „[d]ie Aufnahme wird gestartet, sobald man das Display des iPhones bedeckt, etwa indem man es sich an die Brust oder an eine Wand hält“ (FAZ). Sodann geht’s los mit der fünfsekündigen Aufnahme. Und wenn sich dann garantiert nur Deine Freunde die Videosequenz angeschaut haben, wird sie „automatisch gelöscht“ (Netzwelt), und zwar nach 48 Stunden (das verrät mir eine FAQ auf der beme.com-Site). Jedenfalls wird der Clip zackzack hochgeladen. „Kein Editing, keine Filter, keine schriftliche Beschreibung“, fasst Wired präzise zusammen.

Tja, Beme-Co-Erfinder Casey Neistat will nämlich: „Unsere User sollen mit den Augen im echten Leben bleiben und nicht mehr nur auf den Screen schauen“. Das führt natürlich dazu, dass die ersten individuellen Videoclips reichlich verwackelt und reichlich duster sind, sie wirken zunächst reichlich amateurhaft. Zudem: „Beme ist anfangs wirklich Fingerakrobatik, man gewöhnt sich jedoch relativ schnell an die (Bedienungs-)Mechanismen. Vorher versendet man jedoch ungefähr 41 Doppelkinn-Selfies und schießt 23 Bemes versehentlich.“ (Wired).

Tja, und - oh Wunder – ich kann mich schlussendlich doch noch in die App einloggen. Auf Twitter finden sich unter Beme Codes eher zufällig aktuelle Codes, die man anklicken kann und die dann sofort ihren Weg in die jeweilige App finden. Ich bin echt drin, wohlan, dann versuche ich mal mein Beme-Glück. Klappt sogar, einigermaßen: bei meinem Versuch sieht man meinen Mac-Bildschirm mit dem Text dieser Kolumne, im Hintergrund läuft Acid Jazz; bei einem anderen sieht man ein wunderbares Bild des Photographen Gerhard Linnekogel, es zeigt eine Szene mit Blick auf Central Park South in New York City.

Tja, geht also doch, irgendwie, irgendwann. To beam, davon leitet sich Beme ab, heißt übrigens aufleuchten, glänzen, strahlen. Irgendwo tief im Inneren freu’ ich mich schon, jetzt auf Beme zu sein, against all odds, wie die Amis sagen würden. Wenn da jetzt nur nicht die Aufforderung „Enter a valid phonenumber“ wäre, die poppt nun permanent auf, ohne dass ich nun entern kann. Ich bin mal optimistisch, dass dieser technische Fehler alsbald zu beheben ist. Und ob Beme nun das neue Snapchat ist? Wirklich: ich hab’ keine Ahnung, at least it’s fun anyway. Beme me up, Scottie!

von Andreas Wrede, Editor-in-Chief InnoLab/Medienmanagement, Hamburg Media School

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