Big Data: Bakterien, indische Tiger, Hip Hop und so

Big Data wird oft in Verbindung mit grenzenloser Sammelwut gebracht. Andreas "The Spectator" Wrede, Editor-in-Chief InnoLab/Medienmanagement, Hamburg Media School, hat aber auch positive Beispiele gefunden: von Tigern über Bakterien bis Hip Hop.

 

In einer von IBM beauftragten Studie heißt es: „Auf der Welt werden alle zwei Tage so viele Daten erzeugt wie von Beginn der Geschichte bis zum Jahr 2003. Bis zum Jahr 2020 werden erstaunliche 40 Zetabyte oder 40 Billionen Gigabyte von digitalen Inhalten erzeugt sein.“

Was für Monsterzahlen. Sie bedeuten auf jeden Fall schon mal Eines: An Big Data kommen wir ganz und gar nicht mehr vorbei.

Hier soll es nun nicht um die riesigen Datenmengen gehen, die etwa die NSA sekündlich global und kriminell abgreift. „Gericht erklärt Datensammelwut des NSA für illegal“ ist eine von diversen amtlichen Erklärungen, die leider nichts am NSA-Sammelirrsinn ändern wird. Freilich schätzt der Spectator journalistische Kollegen wie jene von Netzpolitik.org außerordentlich. Wo wir uns wehren können gegen unzulässige staatliche Eingriffe, müssen wir das tun, basta.

Heute beleuchtet der Spectator allerdings einige positive Facetten von Big Data. Und schließt sich – ziemlich unbescheiden – dem Pew Research Center an: „The rise of what is known as ‚Big Data’ will facilitate things like...the development of ‚inferential software’ that assets data patterns to project outcome; and the creation of algorithms for advanced correlations that enable new understanding of the world.“

Das führt uns – zum Beispiel – ins Smart Home, kleine und große elektrische Geräte steuern und kontrollieren sich via Sensortechnik permanent sinnvoll selbst. Oder zum Big-Data-Fahr-Assistenten im Auto, der den Verkehr, sowohl unmittelbar um uns herum wie entlang der gesamten geplanten Strecke, checkt und den Fahrer gegebenenfalls stets sehr aktuell vorwarnt. Oder zu Big-Data gestützten medizinischen Diagnosen, „bereits jetzt schon gibt es bahnbrechende Erfolge bei der Überwachung von Frühchen“. Oder zu Big Data-Apps, die nur für individuelle Anwender entwickelt werden.

Natürlich existieren noch zahlreiche andere Big Data-Projekte. Etwa um den vom Aussterben bedrohten indischen Tiger zu hegen und zu pflegen, deren Bewegungen werden wissenschaftlich verfolgt – um sie vor Wilderern zu schützen. Oder um mit Hilfe von Big Data Epidemien wie Malaria in Afrika zu bekämpfen oder den städtischen Baumbestand von New York City instand zu halten. Oder um herauszufinden, welche zumeist harmlosen hunderte Arten von Bakterien in der U-Bahn von New York das Urban Environment mikrobiologisch beeinflussen.

Aber das mit Abstand bahnbrechendste Ergebnis von Big Data haben uns kürzlich Forscher der Queen Mary University in London beschert. Sie widmeten ihre ganze wissenschaftliche Schaffenskraft der Auswertung von Last.fm-Daten zu 50 Jahren American Billboard Hot 100 Charts. Das überraschende Ergebnis: „Big Data confirms Rap was the biggest innovation in Pop since 1960“. U. a. haben die Damen und Herren das herausgefunden, indem sie jeweils 30-Sekunden-Clips von 17.094 Pop-Songs auswerteten, um eine „Serie quantitativer Audio Features“ etwa auf deren harmonische Themen zu untersuchen. 

Und dabei kam eben heraus, dass Rap und ihm verwandte Genres die Struktur der US-Charts in den vergangenen 50 Jahren wie keine andere Musikform beeinflusst, geprägt und dominiert haben – Hip Hop goes innovation, sozusagen.

Jedenfalls empfiehlt der Spectator, total subjektiv, abschließend das überhippste Hip Hop-Album der Stunde von Kendrick Lamar: To Pimp A Butterfly. 


von Andreas Wrede, Editor-in-Chief InnoLab/Medienmanagement, Hamburg Media School

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