Michal Olmert (IDC Herzliya Tel Aviv) im Innovation Talk: "Ideen alleine reichen nicht aus"

Michal Olmert ist Direktor des IDC Herzliya Global MBA Innovation & Entrepreneurship in Tel Aviv.

Wer sind die Innovationstreiber in Hamburg, welche Skills werden an der Schnittstelle zwischen Content und Technologie den Weg in die digitale Zukunft ebnen, wo finden Gründer die passende Anlaufstelle? In unserer Blogreihe „Innovation Talk“ geben Stakeholder aus der Medien- und Digitalbranche Antworten auf diese und weitere Fragen rund um das Thema Innovation. Nach Philipp Walter (beyourpilot), Justin Hendrix (NYC Media Lab) und HMS-Professor, Publizist und Gründer Stephan Weichert nun Michal Olmert, Direktorin am IDC Herzliya Global MBA Innovation & Entrepreneurship im Gespräch.

Welche Studenten kommen an die IDC Herzliya und wie fördern Sie Innovation?

Es gibt drei verschiedene Typen von Studenten, die bei uns studieren: Der erste Typ möchte in der Zukunft ein Unternehmen gründen, verfügt jedoch noch nicht über die nötigen Werkzeuge, das Wissen und das Netzwerk und weiß, dass er all das bei uns bekommt. Der zweite Typ kommt ausschließlich mit dem Ziel zu uns, einen Masterabschluss- zu absolvieren, weil er sich für Technik begeistert. Und dann gibt es noch die Bewerber, die ihre Ideen im Rahmen einer Organisation oder eines bestehenden Unternehmens entwickeln wollen. Sie können sich zwar nicht vorstellen, ihr eigenes Unternehmen zu gründen, möchten aber Innovationsführer sein, Ideen entwickeln und diese umsetzen. Deshalb versuchen wir, einen Studiengang anzubieten, der für jeden dieser drei Typen die richtigen Bedingungen schafft. Durch kombinieren der klassischen Säulen der MBA-Ausbildung, wie Organisationsmanagement, Marketing oder Finanzen mit spezifischen Kursen, die auf Innovation und Unternehmertum zugeschnitten sind. Wir konzentrieren uns bei allen Kursen auf die rechtlichen und finanziellen Aspekte des Gründens und die Vermittlung von Fähigkeiten wie Produktmanagement und Pitching. Wir wollen dabei nicht nur theoretisches Wissen vermitteln, sondern die Studenten dazu motivieren, ihre Ideen auch umzusetzen. Daher führen wir sie während des im Studium inkludierten Praktika an Angel-Investoren, Innovationsorganisationen und Start-ups aus dem israelischen Ökosystem, heran, um den Grundstein für eine Zusammenarbeit zu legen. Wir erwägen nun, das Angebot auch auf internationale Praktika auszudehnen und beginnen Gespräche mit Unternehmen in Übersee, um zu eruieren, ob wir unsere Studenten für einen bestimmten Zeitraum für eine Zusammenarbeit zur Verfügung stellen können.

Welche Rolle spielt Kreativität beim Studium der IDC?

Wir bieten einen Kurs von Prof. Jakob Goldenberg an, der systematische Kreativität mit dem Ansatz des Systematic Inventive Thinking (SIT) lehrt. Darüber hinaus bieten wir einen sechsmonatigen Praxis-Kurs an, in dem die Studenten Wagniskreation verstehen lernen. Hier werden Prototypen für neue Produkte oder Dienstleistungen erstellt. Dabei geht es nicht darum, innerhalb kurzer Zeit ein Start-up zu gründen oder neue Produkte zu schaffen, sondern darum, die Ideen professionell wachsen zu lassen, die Studenten in die Lage zu versetzen, besser im Unternehmertum zu sein und sie letztendlich mit dem Wissen auszustatten, wie sie eine Idee umsetzen können. Es ist nicht unser primäres Ziel, aus den Projekten echte Unternehmen zu machen. Manchmal kam es jedoch vor, dass Studenten nach Abschluss des Kurses weiter an einer Idee gearbeitet haben. Auch dann unterstützen wir sie natürlich und verbinden sie mit relevanten Investoren.

Wie helfen Ihrer Meinung nach Innovations-Exkursionen in die USA oder in andere Unternehmen?

Es macht den Studenten Spaß, sich auf professioneller Ebene mit Gleichgesinnten zu verknüpfen und ein kreatives Netzwerk aufzubauen. Dadurch erhalten sie eine Menge Inspiration. Wir planen die Studienreisen zeitlich stets so ein, dass sie stattfinden, bevor die Studenten wirklich mit ihren eigenen Gründungen beginnen. Denn durch den Kontakt mit Jungunternehmern bekommen unsere Studenten jede Menge Inspiration für ihre eigenen Projekte. Sie lernen, dass auch andere Menschen mit denselben Bedingungen große Projekte gestartet haben, weil sie innovativ waren und sich nicht beirren ließen. Die Exkursionen geben ihnen ein Gespür dafür, welche Projekte sinnvoll sind und welche den Aufwand nicht wert sind, sodass sie sich auf Innovationen konzentrieren können, die auf dem Markt einen Unterschied machen können.

Sie sagten einmal, dass eine gute Idee nicht genug ist. Was bedeutet das im Innovationsprozess?

Es wurde noch nie eine Firma gegründet, die allein auf einer schönen, kreativen oder innovativen Idee basiert. Die Kluft zwischen einer Idee und der tatsächlichen Umsetzung ist also wirklich groß. Hinzu kommt, dass die Idee, mit der man beginnt, eine andere ist als die Idee, die letztendlich umgesetzt wird, da man ab einem bestimmten Punkt feststellt, dass die eigene Idee nicht genügend Bestätigung von Kunden oder potenziellen Nutzern erhält. Eine Idee zu haben, ist schön, aber sie ist letztendlich nur der Ausgangspunkt. Im Gespräch mit Leuten in Israel haben wir herausgefunden, dass jeder eine Idee für ein Start-up hat. Aber der Unterschied zwischen einer Idee und dem tatsächlichen Versuch sie umzusetzen, besteht darin, dass ein Gründer seinen vorigen Job aufgibt, seine Zeit für die Realisierung aufwendet und damit beginnen muss, auch mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten, die sich anschließen.


Dieses Interview führte Prof. Dr. Stephan Weichert, Dozent an der Hamburg Media School.

Prof. Dr. phil. Stephan Weichert leitet den Masterstudiengang „Digital Journalism“, das „Urban Storytelling Lab“ und das Digital- Journalism-Fellowship-Programm an der Hamburg Media School (HMS). Seit 2008 lehrt er als Professor für Journalistik in Hamburg. Weichert ist Gründer des Think Tanks VOCER.org und Gründungsdirektor des VOCER Innovation Medialab, eines Stipendienprogramms für Nachwuchsjournalisten. Seit 20 Jahren setzt er sich als Wissenschaftler und Publizist mit den Folgen der Digitalisierung für Medien, Journalismus und Gesellschaft auseinander. Für seine herausragende journalistische Arbeit zur „Digitalen Gesellschaft“ wurde Weichert im Jahr 2014 der „Medienethik-Award“ verliehen.

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