Im Interview: DR. FRIEDRICH SCHWANDT, Gründer der Statista GmbH

Aus dem Interview, das in Thomas Promnys Buch „Online-Mittelstand in Deutschland“ erschienen ist, veröffentlichen wir hier Auszüge aus dem Gespräch mit Dr. Friedrich Schwandt.

Lange bevor sich „Big Data“ zum Schlagwort entwickelt hat, wertschätzte sie bereits Dr. Friedrich Schwandt. Aktuell ist er mit Statista dabei die digitale Welt zu erobern. Der Dienst aggregiert wirtschaftlich relevante Daten zu so unterschiedlichen Themen wie dem deutschen Erdbeermarkt oder der Verbreitung von Smartphones in Afrika. Thomas Promny, Advisor von nextMedia.Hamburg, hat den Daten-Doktor zum Gespräch getroffen.

Aus dem Interview, das in Promnys Buch „Online-Mittelstand in Deutschland“ erschienen ist, veröffentlichen wir hier Auszüge.

Promny: Erzähl doch noch etwas zu dem Gründerteam, wer war das genau?
Schwandt: Wir waren zwei Gründer, Tim Kröger und ich. Wir haben zusammen die Idee entwickelt und waren das treibende Management. Um uns herum gibt es noch das erweiterte Gründerteam Hubert Jacob und Thilo Loewe. Mit beiden sind wir sehr eng befreundet, sie haben unsere Gründung finanziell und/oder technologisch gefördert.

Promny: Wie genau funktioniert euer Angebot bei Statista? Was bedeutet hier „Markt“?
Schwandt: Mit Märkten meine ich z. B. alles zu Erdbeeren, Beerdigungsunternehmen, iPads in Deutschland und so weiter. Wir kauften von sehr, sehr vielen Quellen – wie Allensbach, Forrester, IDC etc., gegenwärtig sind es 18.000 solcher Quellen – große Datenmengen auf und stellten sie in die Datenbank ein. Das Besondere ist, dass jede einzelne Statistik als eigene Einheit gilt und so aufbereitet ist, dass man sie sehr leicht über eine Suchmaschine findet.

Promny: Wie steht es um Angebot und Nachfrage? Zuerst das Angebot: Ihr musstet Partner finden, die Daten zu einem Thema haben, die ihr dann aufbereiten konntet?

Schwandt: Genau. Zunächst hat man immer eine Vorlaufzeit von zwei bis drei Jahren, bis die Datenbank wirklich steht. Das heißt, du gehst auf alle Partner zu, um an die Daten zu kommen, suchst im Internet, was man verwenden kann, was rechtlich erlaubt ist. Wenn du das aufgebaut hast, versuchst du, eine Traffic-Basis zu etablieren. Darüber funktioniert erst die ganze Lead-Generierung: Die entsprechenden Leute müssen dich finden, sich anmelden. Dann fängst du an zu verkaufen.

Promny: Ihr habt also über kostenlose Häppchen zum Anfüttern Kontakte zu potenziellen Kunden generiert?
Schwandt: Richtig, ein typisches Freemium-Modell. Das Besondere ist, dass Kunden nicht nur bei uns, sondern auch bei Google die ganze Datenbank sehen, d.h. welche Statistiken wir haben, ob zum Erdbeer- oder zum Automarkt. Welche Daten das sind und woher sie kommen, war aber zu Beginn nicht erkennbar.

Promny: Wieso diese Geheimhaltung?
Schwandt: Früher gab es die Google-Welt und Datenbanken in der Form noch nicht. Damals war man nicht so offen, sondern hat sich geschützt und geschlossen gehalten – es könnte ja irgendjemand abschreiben, kopieren. Jetzt haben wir Teile angefüttert und geöffnet, damit potenzielle Kunden sie frei nutzen, sich zunächst ein bisschen wohlfühlen können. Und wenn sie dann sagen „Okay, das passt, das hilft mir“, findet typischerweise der Abschluss statt.

Dieses Interview ist ein Auszug aus dem Buch „Online-Mittelstand in Deutschland – Erfolgreiche Gründer der Internet-Branche im Gespräch“ von Thomas Promny, das gerade erschienen ist. Im vollständigen Interview erzählt Dr. Friedrich Schwandt noch viel mehr interessante Geschichten und einige Erfolgsgeheimnisse. Außerdem gibt es im ganzen Buch noch 19 weitere interessante Unternehmer/innen kennenzulernen.

Interview, Thomas Promny, Buch Online-Mittelstand in Deutschland, Dr. Friedrich Schwandt