Niels Rasmussen (NDR.de) im Interview: „Am Ende ist Innovation kein Selbstzweck“

Leiter des Programmbereichs Online und Multimedia bei NDR.de: Niels Rasmussen.

Wer sind die Innovationstreiber in Hamburg, welche Skills werden an der Schnittstelle zwischen Content und Technologie den Weg in die digitale Zukunft ebnen, wo finden Gründer die passende Anlaufstelle? In unserer Blogreihe „Innovation Talk“ geben Stakeholdern aus der Medien- und Digitalbranche Antworten auf diese und weitere Fragen rund um das Thema Innovation. Dieses Mal im Gespräch: Niels Rasmussen, Leiter Programmbereich Online & Multimedia bei NDR.de

Wer treibt in Hamburg Medieninnovationen voran?

Einerseits arbeiten Medienunternehmen selbst an Innovationen. Start-ups und etablierte Firmen, die mit neuen Ideen auf den Markt kommen, spielen dabei aber auch eine große Rolle. Sie sind häufig schneller, weil sie sich auf die Entwicklung einzelner Produkte konzentrieren können. Dazu gibt es inzwischen ein Umfeld, in dem Start-ups gefördert werden. Für die großen Medienanbieter ist diese Entwicklung in Hamburg gerade im Digitalen positiv, weil dadurch viele kleinere Innovationen auf den Markt kommen, mit denen die Angebote ergänzt und erweitert werden können.

Wie ist der NDR in puncto Innovation aufgestellt?

In diesem Bereich haben wir sicher noch Luft nach oben – aber wir arbeiten daran. Konkret hat der NDR einen Innovationsprozess gestartet, der das Ziel hat, Innovationen im Haus zu fördern und Ideen der Mitarbeiter schneller umzusetzen. Der NDR hat dazu für drei Jahre Mittel und Strukturen bereitgestellt, um jenseits unserer zum Teil relativ langen Planungszyklen Projekte schneller umsetzen zu können.

Neben diesem Prozess geht es im NDR beim Thema Innovation natürlich häufig auch einfach darum, von den ständig wachsenden technischen Möglichkeiten Gebrauch zu machen. Wir haben beispielsweise in der Realisierung von Videoangeboten inzwischen ein sehr viel größeres Portfolio an Geräten und Übertragungstechnik – das macht uns flexibler. Zudem hilft es uns, Inhalte schneller zu verbreiten. Denn aufgrund der kontinuierlichen aktuellen Berichterstattung im Netz ist der Bedarf sehr groß geworden, zu vielen Tageszeiten möglichst schnell über Videomaterial zu verfügen. Hier gibt uns der Ausbau des Mobilfunknetzes und die technische Weiterentwicklung bei den Geräten viele neue Möglichkeiten. Wir probieren im NDR inzwischen immer mehr aus und setzen neue Techniken schneller ein.

Müssen in diesem Zug Journalisten neue technische Fertigkeiten beherrschen?

Die meisten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich weiterentwickeln, neue Systeme bedienen und auch neue Fertigkeiten erlernen – das gilt auch für Journalisten. Sie sind natürlich ausgebildete Fachleute auf ihrem Gebiet, aber sowohl in der Recherche als auch in der Realisierung von Beiträgen hat sich viel verändert. Es muss nicht jede und jeder alles können, aber es kommen an verschiedenen Stellen zusätzliche Anforderungen hinzu. Bei uns arbeiten VJs, die selbst drehen, in manchen Redaktionen schneiden Journalisten Beiträge selbst und Datenjournalisten müssen auch über spezielle technische Skills verfügen.

Welche Erfolgskriterien gibt es für Innovationen?

Am Ende ist Innovation kein Selbstzweck. Sie ist dann sinnvoll und aus unserer Sicht erfolgreich, wenn sie funktioniert und uns hilft, unsere Angebote besser oder unsere Arbeit einfacher und effektiver zu machen.

Ein Beispiel: Wir führen gerade  eine App-gestützte Dispositionslösung ein, die ursprünglich aus der Gastronomie kommt. Der Vorschlag kam von Mitarbeitern des NDR, wir haben ihn im Rahmen unseres Innovationsprozesses umgesetzt. Unser Ziel war dabei, dass wir explizit nicht unsere klassischen Dispositionslösungen auf Mobilität erweitern wollten, weil das sehr aufwendig geworden wäre. Stattdessen haben wir auf dem Markt eine schlanke Gastronomielösung gefunden und festgestellt, dass die Disposition von Redaktionen sich davon nur geringfügig unterscheidet. Hier sind die Erfolgskriterien einfach: Die Lösung macht die Disposition sowohl für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als auch für die Disponenten einfacher, schneller und es passieren weniger Fehler.
Ein wichtiges Ziel des NDR ist es, die digitalen Angebote zu verbessern. Da sich Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer kontinuierlich weiterentwickeln, lässt sich der Erfolg von Innovationen im Vorfeld nicht immer sicher beurteilen. Hier geht es darum, einfach Dinge auszuprobieren, zu testen und anhand der Rückmeldungen des Publikums weiterzuentwickeln.

Gibt es bereits Kooperation mit jungen Unternehmen?

Wir haben schon immer auch mit kleineren und mittelgroßen Hamburger Unternehmen zusammengearbeitet. Beispielsweise hat ein damals sehr junges Hamburger Unternehmen vor einigen Jahren unser Content-Managementsystem entwickelt, inzwischen wird es fast in der ganzen ARD eingesetzt. Seit Kurzem ist der NDR auch Partner des next media accelerators geworden. Nicht als Investor sondern als Partner, sodass wir enger mit den Start-ups zusammenarbeiten können. Diese Partnerschaft mit dem nma ist ein Teil unseres Innovationsprozesses, wir erhoffen und davon neue Ideen und vielleicht auch weitere Kooperationen mit jungen Unternehmen.

Dieses Interview führte Andreas Wrede, Dozent an der Hamburg Media School.

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