„Manipuliert“-Produzentin Michaela Hummel im Interview: Wie Sascha Lobo auf ZDFneo über Fake News aufklärt

Michaela Hummel, Produzentin der ZDFneo-Sendung „Manipuliert mit Sascha Lobo“ und Doclights Gmbh-Geschäftsführerin. © doclights/Sabine Finger

Fake News sind derzeit eines der beherrschenden Themen in der Journalismus-Welt. ZDFneo widmet sich in der Sendung „Manipuliert“ gemeinsam mit Digital-Pionier Sascha Lobo dieser Problematik. Wie werden Menschen beeinflusst? Welche Mechanismen greifen hier? Und am wichtigsten: Wie können sich User vor Manipulation schützen? Wir haben mit Doclights GmbH-Geschäftsführerin und Produzentin der Sendung, Michaela Hummel, über die Herausforderungen im Umgang mit Falschmeldungen gesprochen.

Welche Idee steckt hinter „Manipuliert mit Sascha Lobo“?

Die sozialen Netzwerke haben unsere Gesellschaft komplett verändert. Es geht darum, die alltäglichen, kleinen Mechanismen der Beeinflussung von Facebook, Twitter und Co. zu beschreiben. Denn genau diese Mechanismen haben eine ziemlich große Macht, vor allem politisch. Donald Trump ist mithilfe der sozialen Medien zum Präsidenten gewählt worden.

„Manipuliert mit Sascha Lobo“ zeigt in vier Kapiteln, wie diese Mechanismen funktionieren. Wenn man diese durchschaut hat, kann man sein Verhalten in Zukunft ändern und die sozialen Medien bewusster und aufgeklärter nutzen.

Bei der Sendung handelt es sich um ein sogenanntes „Social Factual“. Warum bietet sich dieses Format gerade für ein so komplexes Thema an?

„Social Factual“ bedeutet, gesellschaftlich-relevante Themen und „Aufreger“ anders als in einer klassischen Dokumentation oder Reportage umzusetzen. Es steckt viel Recherche und Formatentwicklung dahinter. Ein so komplexes Thema aufzubereiten und eine 60-minütige Sendung zu konzipieren, ist erheblich zeitintensiver als zum Beispiel eine Dokumentation zu produzieren. „Social Factual“ bedeutet auch, zugespitzter, provokativer zu sein, zur Diskussion anzuregen. Bei ZDFneo laufen die „Social Factuals“ zudem auf allen Plattformen, TV ist nur eine davon.

Bei „Manipuliert“ nehmen acht Social Media-Nutzer, stellvertretend für die Zuschauer, an unserem Experiment teil. An ihrem Beispiel will Sascha Lobo menschliches Verhalten auf die Probe stellen und herausfinden, ob und wie Nutzer sozialer Medien beeinflussbar sind.

Die Tests basieren auf psychologischen Erkenntnissen über Fehler unserer Wahrnehmung, die man „kognitive Verzerrungen“ nennt. Und die machen uns anfällig für Manipulation.

Welche Tipps können Sie Usern geben, damit diese Falschmeldungen aufdecken können? Gibt es vielleicht einen Leitfaden für einen Faktencheck?

Für die Website manipuliert.zdfneo.de hat die Doclights Gmbh extra einen Videoclip  zum Thema „Fake News“ produziert. In Kürze: Es gibt Recherche-Einheiten wie #ZDFcheck17 oder die „Fake News-Jäger“ von Mimikama. Online-Seiten wie „Hoaxmap“ bieten einen Faktencheck.

Aber: Fake News bedeuten ja nicht immer nur Propaganda, Satire oder Lüge. Es stecken oft kommerzielle Ziele dahinter. Skandal-News leiten zu einem Gewinnspiel auf einer getürkten Seite. Manchmal werden über den falschen Klick Trojaner oder Spyware auf den Rechner geschleust. 

In welcher Verantwortung stehen Medien im Kampf gegen Fake News?

Sowohl die klassischen als auch die Online-Medien tragen eine große Verantwortung. Anlässlich der Ausstrahlung von „Manipuliert“ hat ZDFneo eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben. Das Phänomen „Fake News“ ist inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. 30 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass „Fake News“ einen starken Einfluss auf den Ausgang der Bundeswahl haben. 67 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass Fake News vor allem in den sozialen Netzwerken vorkommen. Die klassischen Medien schneiden wesentlich besser ab. Inzwischen haben ZDF und ARD bereits Rechercheeinheiten gebildet oder sind gerade dabei, sich mit Fake News auseinanderzusetzen. Vor allem im Hinblick auf die Bundestagswahl ist dies dringend nötig.

Bietet die unmittelbare digitale Kommunikation auf den sozialen Netzwerken, beispielsweise zwischen Politik und Wählerschaft, auch Chancen?

Große Chancen. Gerade mit den Rändern, also links und rechts, sollte man sich – solange ein zivilisierter Dialog möglich ist – auseinandersetzen und diskutieren. 

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