Mixen und Scratchen auf dem Lehrplan: Hamburger Startup Boomworx bildet DJs aus

Bei der Boomworx DJ Academy lernt man die hohe Kunst des Auflegens. Vor allem durch den digitalen Wandel ergeben sich für die Schüler ganze neue Möglichkeiten.

Egal, ob man im Club die Massen zum Tanzen bringen oder sich mit seinem Können mit anderen DJs messen will: Bei der Boomworx DJ Academy lernt man die hohe Kunst des Auflegens. Vor allem durch den digitalen Wandel ergeben sich für die Schüler ganze neue Möglichkeiten.

Als die Tür im ersten Stock der Elbgaustraße 244 im Stadtteil Hamburg-Lurup aufgeht, werden wir von dumpfen Bässen aus dem Hinterraum in Empfang genommen. Durch die starken Vibrationen tanzen die Platten, die wie Trophäen akkurat an einem Wandregeln aufgestellt sind. Wir sind zu Gast in der Boomworx DJ Academy. Den Ton geben hier die zwei Gründer Ole Jan Fischer und Thorsten Last an; beide langjährig aktiv als DJs und Produzenten in der Hamburger Clubszene. Das Konzept der Akademie, die Anfang 2017 ihre Pforten für Musikbegeisterte öffnete, ist angelehnt an traditionelle Musikschulen. Im Einzelunterricht oder in kleineren Gruppen mit bis zu fünf Schülern fängt das Lehrer-Duo jeden Schüler mit seinen individuellen Bedürfnissen auf – anfangen beim taktgenauen Synchronisieren zweier Musikstücke über komplexe Scratchtechniken bis hin zur Harmonielehre beim Produzieren. Anders als an einem auszubildenden Institut gibt es beim Erreichen der festgelegten Lernziele kein Zertifikat. Wie lange jemand braucht, bis er bereit ist, in einem Club aufzulegen, an einem DJ-Battle teilzunehmen oder den ersten Track zu veröffentlichen, liegt letztendlich an jedem selber.

Besucht wird das Startup Boomworx nicht nur von Jugendlichen, die vom Leben als Star-DJ träumen. „Mein Ältester ist 64“, sagt Last fast so, als würde er von seinen eigenen Kindern sprechen. „Viele nutzen den Unterricht auch einfach als Ausgleich zu der Arbeit.“  Die beiden wissen aber auch von richtigen Erfolgsgeschichten zu berichten. Eine davon ist der Werdegang des Pop-Produzenten Agatino Romero. „Der hat bei null bei mir angefangen. Mittlerweile ist er mit seinem zweiten Radiohit am Start und spielt auch auf großen Festivals“, gibt Last stolz zu Protokoll. Auch Jaden Bojsen, seines Zeichens Musical-Schauspieler, Ex-Boyband-Mitglied und seit kurzem DJ, hatte seine ersten Berührungspunkte mit Vinyl-Scheiben in der Boomworx Academy.

Kreative Freiheiten durch das digitale DJing

Mit der Digitalisierung hat auch die Evolution des DJing einen Quantensprung gemacht, von denen natürlich auch die Schüler der DJ Boomworx Academy profitieren, wie Fischer und Last erklären. Neben digitalen Mischpulten und Medien wie CD eröffnen vor allem Vinyl-Systeme (DVS), mit denen man über spezielle Timecode-Platten Musik vom PC ansteuern kann, dem DJ ganz neue Möglichkeiten. Fischer dazu: „Man kann beispielsweise die Geschwindigkeit einzelner Tracks über die integrierte Software automatisch anpassen lassen oder binnen Sekunden den Track wechseln.“ Ein weiterer Vorteil des digitalen DJing: Das leidige Schleppen von Plattenkoffern gehört der Vergangenheit an, schließ ist jeder Song per Klick abrufba. „Ein Laptop-DJ kann Millionen Tracks mitnehmen. Die Auswahl ist einfach größer“, sagt Fischer weiter.

Nach Meinung der beiden Dozenten hätte das Auflegen mit CDs oder MP3s allerdings auch eine Kehrseite. „Heute hat jeder alles auf dem Rechner und häufig wird dem DJ dann vorgeworfen, dass er gar nicht seinen Sound spielt“, gibt Last zu bedenken. „Anfänger bekommen dann einen USB-Stick vom Veranstalter und müssen das spielen, was ihnen vorgeschrieben wird. DJs werden dann zu menschlichen Jukeboxen“, kritisiert Fischer. Auf die Glaubensfrage, ob analog oder digital besser ist, wollen sich die DJ-Profis allerdings nicht einlassen. Vielmehr ginge es darum, das Beste aus beiden Welten mitzunehmen. Um die zahlreichen Freiheiten des digitalen Auflegens ausschöpfen zu können, sei es jedoch erforderlich, die Grundlagen mit einem traditionellen DJ-Setup zu erlernen. Dieser Lernansatz verdeutlicht Last seinen Schülern mit einem einfachen Vergleich. „Es ist wie Autofahren: Kannst du mit Plattenspieler auflegen, ist das so, als würdest einen Schaltwagen bedienen können. Wenn du mit CD-Playern spielst, ist das wie ein Automatikwagen. Kannst du also mit einer Plattenspielern umgehen, kannst du alles.“

Wer jetzt Bock hat, den Umgang mit Plattentellern und Mischpult zu lernen, kann sich hier weitere Informationen zum Kursangebot holen: www.boomworx.de/dj-schule