Video: Vom Hobbyblogger zum Krisenreporter

Video: Vom Hobbyblogger zum Krisenreporter

Während des Erdbebens im März 2011 stand Richi Miyakawa auf seinem Balkon in Tokio und filmte die wackelnden Häuser, mit einer Handykamera. Das Video stellte er bei Youtube ins Netz. Wenig später bekam er eine Email von Spiegel Online: Die Redaktion bot ihm einen Videoblog an. Der Hobbyreporter Richie machte fortan unseren Job. Und die Leser liebten ihn.

Bild: http://nextmediablog.de/sites/hhmediablog/files/articleimages/japan_earthquaketsu_fukushima_daiichiov_march14_2011_dg.jpg

 

 

Während des Erdbebens im März 2011 stand Richi Miyakawa auf seinem Balkon in Tokio und filmte die wackelnden Häuser, mit einer Handykamera. Das Video stellte er bei Youtube ins Netz. Wenig später bekam er eine Email von Spiegel Online: Die Redaktion bot ihm einen Videoblog an. Der Hobbyreporter Richie machte fortan unseren Job. Und die Leser liebten ihn.

Nachrichtenportale wie Spiegel Online verzeichneten in den Tagen nach dem Tsunami Besucherrekorde.  Zeitungen und Magazine verkauften sich schlecht. Obwohl in Fukushima ein Atomkraftwerk explodierte. Obwohl in Ägypten Revolution war und in Libyen Krieg. Die Leser waren ins Netz abgewandert. Sie klickten sich durch Online-Zeitungen, verfolgten die Nachrichten in Echtzeit über Twitter oder suchten bei Youtube nach Videos von Augenzeugen. Augenzeugen wie Richie. Wir haben ihn in Tokio besucht und gefragt, warum die Leute seine Filme gucken aber unsere Artikel nicht lesen wollten. "Weil ihr nicht zeigt, was ihr fühlt" hat er gesagt – und uns erklärt, was er unter guter Berichterstattung versteht.



Als wir Richis Videos zum ersten Mal gesehen haben, haben wir uns fremdgeschämt. Weil wir sie pathetisch fanden und übertrieben subjektiv. Als wir Richie getroffen haben, hat er uns erzählt, wie er die vermeintlich objektiven Journalisten kurz nach dem Tsunami erlebt hat. Da haben wir uns wieder geschämt. Aber diesmal für uns selbst.