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scoopcamp 2016

Appelle an neues Selbstverständnis beim scoopcamp: Medienmacher zwischen Diversität, Wagemut und Verantwortung

Fox and Sheep-Gründerin Pausder mit Storyteller-Award ausgezeichnet // Umfrage zur Verantwortung der Medien vorgestellt

Hamburg, 30. September 2016 –
Immer mehr Diversität bei der Contentgestaltung und -distribution haben die Experten beim achten scoopcamp, der Innovationskonferenz für Medien, für die Zukunft der Branche in Aussicht gestellt. Fast 300 Medienschaffende, Redakteure und Programmierer waren zu der Veranstaltung der Initiative nextMedia.Hamburg und der Deutschen Presse-Agentur (dpa) am Donnerstag in Hamburg zusammengekommen, um gemeinsam in Vorträgen, Talkrunden und Workshops über die nächsten Innovationen der Medienlandschaft zu diskutieren. Keynote-Speaker waren die Vordenker Jeremy Gilbert (Director of Strategic Initiatives bei der Washington Post), Assaf Sagy (Vice President International Markets bei Playbuzz) sowie Verena Pausder (Gründerin und Geschäftsführerin der Fox & Sheep GmbH), die bei der Veranstaltung im Theater Kehrwieder mit dem scoop Award für digitale Mediapreneure ausgezeichnet wurde.

Gilbert, der Strategie-Experte aus den USA, zeigte den rasanten digitalen Wandel der Mediennutzung am Beispiel des eigenen Medienhauses auf: Seit 2013 sei der Anteil mobiler Nutzer von rund einem Drittel bis heute auf schon 75 Prozent gestiegen. „Das betrifft das Gerät zur Ausspielung, aber auch der Zeitpunkt der Nutzung hat sich geändert.“ Und vor diesem Hintergrund hat die Washington Post ein neues Selbstverständnis entwickeln müssen. Dazu gehöre auch eine Portion „Badassness“, ein Ausspruch von Washington Post-Käufer Jeff Bezos, der damit den Optimismus und das Selbstverständnis seiner Redaktion anspricht. Dies gilt auch beim Storytelling. Gilbert definiert das so: „Wir machen keine Stories, wir liefern Komponenten, Module und Bausteine, um Stories zu gestalten. Und dazu gehören Fotos, Videos, Texte, Grafiken – auch Audio. Denn wir bedienen schon lange nicht mehr nur die drei Produkte Zeitung, Website, App – wir distribuieren Content überall.“Und Assaf Sagy von Playbuzz bestärkte den Aspekt: „Medienunternehmen werden sich zu Storytellern entwickeln – zu nichts anderem. Und wir müssen uns stetig an die verschiedenen Distributionskanäle anpassen. Dabei müssen wir den Content immer wieder für unsere User adaptieren – wo auch immer sie sich gerade befinden.“ Der Kunde will individualisierte Inhalte – und Medien lassen ihm künftig auch immer öfter die Wahl. Dafür bedarf es jedoch auch einer gestiegenen Kompetenz der Nutzer.

Für diese Kompetenz will scoop Award-Gewinnerin Pausder sorgen: Sie will Kinder und Jugendliche spielerisch mit der Digitalisierung vertraut machen. Die Gründerin des Kinderspiele und Lernapp-Entwicklers Fox and Sheep ist auch Geschäftsführerin der HABA Digitalwerkstatt und Unterstützerin der Plattform STARTUP TEENS. Mit dem scoop Award werden Medien-Entrepreneure wie Verena Pausder ausgezeichnet, die journalistische Geschäftsmodelle auf eine besondere Weise mit den Möglichkeiten digitaler Technologien verknüpfen.

Die Auszeichnung übergab Meinolf Ellers, Chief Digital Officer der Deutschen Presse-Agentur. In seiner Laudatio betonte er: „Wer sich unsere  Kriterien – Journalismus, Technologie, Unternehmertum – vor Augen führt, muss zugeben, dass das Angebot an wirtschaftlich erfolgreichen Medien-Gründerinnen hierzulande nicht allzu reichhaltig ist. Aber es wird besser. Und daran hat auch Verena Pausder ihren Anteil“, so Ellers über das Multitalent. Mit Apps wie „Schlaf gut“ oder „Streichelzoo“ überzeugt Fox and Sheep Eltern und Pädagogen durch hochwertige und kindgerechte Inhalte sowie durch ein transparentes Geschäftsmodell. Pausder forderte am Rande des scoopcamp, dass die digitale Bildung von Kindern weiter vorangetrieben werden muss.

Gleichzeitig zeigte sich, dass der Journalismus auch angesichts der digitalen Entwicklung weiter für das Vertrauen der Nutzer kämpfen muss. Nach einer repräsentativen Umfrage im Auftrag von nextMedia.Hamburg sehen 85 Prozent der Befragten die Medien in der Verantwortung, bei kontroversen Gesellschaftsthemen „ehrlich zu informieren“ – nur knapp halb so viele (41 Prozent) erwarten hingegen, dass sie hier „Haltung zeigen sollen“. Auch plädierten 66 Prozent dafür, dass „Medien transparenter werden müssen, um sich weiter ihre gesellschaftliche Bedeutung zu erhalten“. Dr. Carsten Brosda, Staatsrat für Kultur, Medien und Digitales der Freien und Hansestadt Hamburg, sagte: „Es ist unsere Aufgabe, den Journalismus in einer Weise weiterzuentwickeln, dass er weiterhin seine wichtige Funktion in der Gesellschaft erfüllt. Und dafür ist Hamburg der richtige Standort, denn wir sind eine Medienstadt und wir haben zugleich die technische und digitale Kompetenz.“ Die Zahlen sollen ausführlich im Digitalmagazin Unified im Oktober präsentiert werden.

Workshops zu den Themen Datenjournalismus, Investigativrecherche, immersives Storytelling, Social Media und Produktinnovation erlaubten den Teilnehmern bereits beim scoopcamp am Donnerstag weitere spannende Einblicke in die Praxis.

Die vorangegangene Pressemitteilung mit weiteren Details zum scoopcamp finden Sie hier.

Fotomaterial steht unter www.scoopcamp.de/mediathek zur Verfügung und kann dort für redaktionelle Beiträge kostenlos heruntergeladen werden.