Ines Gensinger ist Head of Business & Consumer Communications bei Microsoft Deutschland und hat gemeinsam mit Christiane Brandes-Visbeck das Buch „Netzwerk schlägt Hierarchie“ geschrieben. Fotocredit: Microsoft Deutschland GmbH

Co-Autorin Ines Gensinger im Interview

„Netzwerk schlägt Hierarchie“

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Unsere Arbeitswelt unterliegt einem stetigen Wandel – dabei gibt die Digitalisierung den Takt vor und stellt bestehende Prozesse und Strukturen auf den Prüfstand. Mitarbeiter arbeiten selbstbestimmter. Teams sitzen verteilt an verschiedenen Orten, immer häufiger sogar in unterschiedlichen Zeitzonen. Hierarchien lösen sich zunehmend auf und Prozesse werden transparenter. Smarte Technologien ermöglichen diese neuen Arbeitsweisen erst und sind das wichtigste Handwerkszeug für Wissensarbeiter. Das stellt auch Führungskräfte vor neue Herausforderungen. Wir haben mit Ines Gensinger, Head of Business & Consumer Communications bei Microsoft Deutschland und Co-Autorin von „Netzwerk schlägt Hierarchie“, im Rahmen eines Themenabends bei den Digital Media Women Hamburg zu dieser Entwicklung befragt.

Frau Gensinger, Sie widmen sich in Ihrem Buch „Netzwerk schlägt Hierarchie“ dem neuen Chef, dem „Digital Leader“. Gibt es eine Eigenschaft, die der neue Chef unbedingt haben muss? Und wie sollte er auf gar keinen Fall sein?

Es ist unbestritten, dass sich die Arbeitswelt wandelt – und sich deshalb auch Führung, oder besser die Art wie wir Führung verstehen, verändern muss. Es reicht nicht mehr aus, als Führungskraft kosmetisch nachzubessern und neue Technologien über alte Führungsprinzipien zu stülpen, sondern wir müssen die Möglichkeiten der Digitalisierung und veränderte Erwartungen der Mitarbeiter an Arbeit als Herausforderung begreifen – und uns ihr stellen, als Chance. Dafür gibt es nicht „die eine“ Lösung, bzw. Eigenschaft, die ein Leader zum Erfolg braucht. Ein erster Schritt ist meiner Meinung nach aber ganz sicher die Fähigkeit der Reflexion. Ein Digital Leader sollte sich ständig hinterfragen und das „Warum?“ in den Vordergrund stellen: Was ist unser Ziel, unser Anlass, was unsere Leidenschaft? Was treibt uns an? „Chefs aus der Hölle“, wie meine Co-Autorin Christiane Brandes-Visbeck und ich gern sagen, haben ausgedient. Es geht als Führungskraft mehr als je zuvor darum, zu coachen als zu führen und mehr zu ermöglichen als zu bestimmen. Ein Digital Leader handelt teamorientiert, fördert den Teamgeist und trifft Entscheidungen mit der Überlegung, wie sie alle weiterbringen können. Er ist innovativ und scheut sich nicht vor Veränderungen, sondern fördert sie. Und vor allem vertraut er, statt zu kontrollieren. Kurz gesagt: Ein guter Leader ist innovativ, sozial kompetent, disruptiv und mutig.

Die Bedürfnisse an einen Arbeitsplatz haben sich in den letzten Jahren rasant verändert. Flexibilität in Zeit und Ort, Yogagruppe oder gratis Obstkorb – mit diesen Erwartungen starten junge Bewerber dieser Tage in die Jobsuche. Wie aber haben sich die Anforderungen an die Mitarbeiter verändert? Bedarf es zum neuen Chef auch neue Arbeiter?

Die Digitalisierung als Ausschlaggeber für den Wandel der Arbeitswelt bringt unbestritten viel Veränderung für uns alle. Arbeit emanzipiert sich von Zeit und Ort, Teams arbeiten interdisziplinär über Länder- und Zeitzonen hinweg zusammen und neue Technologien wie beispielsweise Microsoft Office 365 fördern die Produktivität und Zusammenarbeit. Daraus wächst eine neue Generation von Wissensarbeitern heran, die maximale Flexibilität und Selbstentfaltung bei gleichbleibender Sicherheit fordert. Und dieser Herausforderung müssen sich Führungskräfte stellen. Es bedarf also keine „neuen Arbeiter“ zum „neuen Chef“, sondern ist die Entwicklung vielmehr anders herum: Zur neuen Arbeit, die neue (Wissens)Arbeiter mit sich bringt, braucht es neue Führung. Nur in dezentralen Strukturen, mit flachen Hierarchien und agil agierenden Teams, in denen Mitarbeiter eigenverantwortlich handeln können – und auch wollen – können wir den Wandel stemmen, Entscheidungen beschleunigen und Innovationen vorantreiben. 

Das Buch ist im September 2017 erschienen, dem die „Digital Leadership Canvas“ beilag – haben Sie dazu schon Erfolgsgeschichten oder positives Feedback erhalten?

Das Feedback zu unserem Buch – und auch dem Digital Leadership Canvas, einer individuellen Roadmap für moderne Führungskräfte, die meine Co-Autorin Christiane Brandes-Visbeck entwickelt hat – ist bisher durchweg positiv. Das freut uns natürlich sehr. Unter anderem als „Pflichtlektüre für jeden Digital Leader“ betitelt, haben uns so viele tolle Nachrichten von Kollegen, Führungskräften, Beratern und Freunden erreicht, die das Buch besonders für seine Praxisnähe und Hands-On-Mentalität loben. Und die Canvas spielt dabei eine zentrale Rolle: Mit ihr lässt sich unsere Theorie in die Praxis umsetzen: Auch hier beginnt die Reise zum Digital Leader mit der Reflektion über die eigenen Führungsqualitäten und -methoden und die Rolle im Unternehmenskontext. Als bewährtes Instrument nutzt meine Kollegin Christiane Brandes-Visbeck das Strategiepapier häufig in ihren Workshops zu Leadership – und gibt Führungskräften damit einen einfachen, praxisnahen Leitfaden zur Entwicklung des eigenen Führungsstils an die Hand. Zwei sehr schöne Stimmen zu dem Buch finden sich beispielsweise in den Amazon-Bewertungen. Feedback – und auch gerne Kritik – nehme ich beispielsweise auf Twitter oder LinkedIn entgegen.

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