scoopcamp 2021

Das war das scoopcamp 2021

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Zwei Tage Programm, über 50 Speaker*innen

Ein Rückblick auf das scoopcamp 2021

Die Medien müssen sich besser auf die Bedürfnisse junger Zielgruppen einstellen, um Vertrauen in journalistische Berichterstattung zu gewinnen und das Interesse an Nachrichteninhalten zu steigern. Das ist eine zentrale Erkenntnis nach dem ersten Tag der diesjährigen Innovationskonferenz für Medien von nextMedia.Hamburg und der dpa. Beim 13. scoopcamp diskutieren Medienschaffende in Keynotes, Panels und Workshops zwei Tage lang über die Zukunft der Medienlandschaft.

Die Konferenz startete gestern mit einem Fachtag zum Thema „Nachrichtenkonsum und -kompetenz in der jungen Zielgruppe“ moderiert von „Tagesschau“-Sprecher Constantin Schreiber. Über welche Formate, Kanäle und Inhalte lassen sich junge Menschen nachhaltig erreichen? Wie können Medienschaffende Jugendliche für Nachrichten begeistern? Und wie lässt sich das Verständnis der Generation Z von Journalismus verbessern? Um diese Fragen zu beantworten, waren neben Journalist*innen und Influencer*innen auch Bildungsexpert*innen vor Ort im Hamburger designxport

Eröffnung mit Dr. Carsten Brosda, Hamburgs Senator für Kultur und Medien, Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Mediengruppe und Tagesschau“-Sprecher Constantin Schreiber

Eröffnet wurde die Konferenz durch Dr. Carsten Brosda, Hamburgs Senator für Kultur und Medien und Julia Becker, Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Mediengruppe. „Nachrichtenkompetenz ist mehr als ein Schlagwort im Bildungsdiskurs. Sie ist gleichermaßen für die informierte Öffentlichkeit und die Medienbranche von fundamentaler Bedeutung. Denn wer den Wert seriöser Nachrichten nicht erkennen kann, wird auch nicht bereit sein, dafür zu bezahlen“, so Brosda. Funke-Verlegerin Becker bezeichnete die Aufgabe, junge Menschen zu erreichen als „die größte Herausforderung, die die Verlage in den kommenden Jahrzehnten beschäftigen wird“ und sagte: „Wir müssen nachhaltig darüber nachdenken, wo unsere zukünftigen Zielgruppen unterwegs sind, und wir müssen sie dort ansprechen und nicht nur über sie sprechen.“

Alan Rusbridger
Keynote von Pulitzer-Preisträger Alan Rusbridger.

„Why should they believe us?“ lautete der provokante Titel der Keynote von Pulitzer-Preisträger Alan Rusbridger. „Jede Generation ist anders, aber die Generation Z scheint besonders anders zu sein“, so der ehemalige „Guardian“-Chefredakteur. Aufgewachsen mit 9/11, Finanzkrise, Klimakrise und Coronakrise seien die „born digitals“ von Unsicherheit geprägt und hätten nur wenig Vertrauen in die etablierten Institutionen. Die klassischen Medien unterschätzen, wie sehr auch ihnen als Teil der herrschenden Eliten misstraut werde, warnte Rusbridger und forderte alle Medienschaffenden auf: „Try to get inside the mind of generation Z!“

Tagesschau statt Fortnite
Panel mit Isabell Beer (funk), Annelie Naumann (ZDF Magazin Royale), Achim Pollmeier (ARD-Magazin Monitor) und Prof. Dr. Steffen P. Walz (Game-Designer)

Darum, wie das gelingen kann, ging es beim Panel: „Tagesschau statt Fortnite – Wie erreicht seriöser Journalismus das junge Publikum?“ mit Isabell Beer (funk), Annelie Naumann (ZDF Magazin Royale), Achim Pollmeier (ARD-Magazin Monitor) und Prof. Dr. Steffen P. Walz (Game-Designer). Die Journalistin Beer plädierte dafür, die eigene Rolle neu zu denken. Durch mehr Nahbarkeit und direkte Einblicke in die eigene Arbeitsweise könnten Journalist*innen Vertrauen schaffen und nebenbei sogar die Medienkompetenz ihres Publikums verbessern. Kritik übte Beer an der langen Ausbildungszeit, die dafür sorgt, dass Journalist*innen zu Beginn ihrer Laufbahn eigentlich schon zu alt seien, um die jungen Zielgruppen zu verstehen. Ihre Empfehlung an die traditionellen Medien: „Holt junge Leute, die selbst schon im Netz erfolgreich sind, ins Team.“

Influencer-Panel
Der YouTuber und Journalist Mirko Drotschmann („MrWissen2go“, funk), die Autorin Nena Schink, der YouTuber und Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt („Filmanalyse“) und der Chefredakteur Jochen Wegner (ZEIT ONLINE) diskutieren über Influencer.

Die Rolle von Influencer*innen und deren Einfluss auf die Meinungsbildung junger Menschen war Thema des Panels mit dem Titel „Frenemies der demokratischen Öffentlichkeit?“. Der YouTuber und Journalist Mirko Drotschmann („MrWissen2go“, funk), die Autorin Nena Schink, der YouTuber und Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt („Filmanalyse“) und der Chefredakteur Jochen Wegner (ZEIT ONLINE) diskutierten darüber, was Influencer*innen und Journalist*innen voneinander trennt und was sie verbindet. Das Fazit: Eine klare Abgrenzung ist schwierig, die Schnittmengen werden eher größer und beide Gruppen können durchaus voneinander lernen. So könnten Journalist*innen, die eine größere Nähe zu jüngeren Zielgruppen aufbauen wollen, durchaus von den Erfahrungen der Influencer*innen profitieren.

Was-will-die-Gen-Z-Panel
Abschlusspanel des ersten scoopcamp-Tages mit Etienne Gardé, Host und Co-Founder (Rocket Beans TV), Hüdaverdi Güngör, Redaktionsleiter (Salon5, die Jugendredaktion von CORRECTIV), Jan Müller, Sector Lead Performance (Snap Inc.) und Lucie Pankonin (Projekt #UseTheNews)

Aber „Was will die Generation Z?“ denn nun wirklich? Darüber diskutierten Etienne Gardé, Host und Co-Founder (Rocket Beans TV), Hüdaverdi Güngör, Redaktionsleiter (Salon5, die Jugendredaktion von CORRECTIV), Jan Müller, Sector Lead Performance (Snap Inc.) und Lucie Pankonin (Projekt #UseTheNews) beim Abschlusspanel des ersten scoopcamp-Tages. Das Kernergebnis der Runde: Inhalte, die einen engen Bezug zur Lebenswirklichkeit junger Menschen haben, haben in der Aufmerksamkeitsökonomie die besten Chancen, diese auch wirklich zu erreichen. 

Weiter ging es an Tag #2 mit Klimajournalismus, künstlicher Intelligenz, Livestreaming und Social Audio

Technologische Innovationen und mediale Trends standen im Mittelpunkt des zweiten scoopcamp-Tages Dabei wurde deutlich: Vor allem in der direkten Interaktion steckt viel Potenzial für eine engere Bindung zwischen Medienmarken und ihren Nutzerinnen und Nutzern. Aber die Akzeptanz von neuen Technologien benötigt noch viel Überzeugungsarbeit.

Die Digitalisierung verändert die Medienwirtschaft weiterhin in einem rasanten Tempo. An Tag zwei des scoopcamp, der von Dr. Johanna Leuschen, Leiterin des NDR Audiolab THINK AUDIO, moderiert wurde, diskutierten Medienschaffende in Keynotes, Panels und Workshops, wie die Zukunft der Medienlandschaft aussehen kann.

Pia Frey mit scoop Award
Pia Frey (Opinary) erhält den scoop Award

Werden bald Journalistinnen und Journalisten sowie Content Creator nicht mehr für große Verlage arbeiten, sondern mit Tools und Plattformen wie Substack selbst zu Medienmarken werden? Diese Frage etwa warf Pia Frey, Gründerin von Opinary und Preisträgerin des diesjährigen scoop Awards, in ihrer Auftakt-Keynote auf – und richtete einen Appell an Medienhäuser, nicht pauschal ihr gesamtes Angebot hinter Paywalls zu verstecken, sondern gezielt einzelne Kanäle abonnierbar zu machen.

Jonas Navid Al-Nemri (Scriptbakery)

Danach nutzten drei junge Start-ups die scoopcamp-Bühne, um zu zeigen, was in ihnen steckt: Am Start waren Ourdio, das die Produktion personalisierter Hörbücher ermöglicht, Scriptbakery, das Annahme, Verwaltung und Analyse von Manuskripten und Texten digitalisiert, und Trensition, das Trendscouting für Unternehmen systematisiert und erleichtert. Auffällig dabei: Die Geschäftsideen aller drei Start-ups basieren auf Künstlicher Intelligenz.

Judith Klose (Civey)

Der Einsatz der Technologie in Redaktionen war auch im weiteren Verlauf der Konferenz ein breit diskutiertes Thema. Exklusiv für das scoopcamp hat das digitale Markt- und Meinungsforschungsunternehmen Civey Daten zur Akzeptanz von KI durch Mediennutzer und Medienschaffende erhoben. Demnach sieht die Mehrheit der Bundesbürger KI eher kritisch: 70 Prozent der Befragten sorgen sich, dass KI für Manipulation genutzt werden könnte, 65 Prozent befürchten negative Auswirkungen auf die journalistische Qualität. Alle Umfrage-Ergebnisse können unter www.bit.ly/civeyscoopcamp abgerufen werden.

Johanna Leuschen (Moderation), Christina Elmer (TU Dortmund), Uli Köppen (BR), Matthias Spielkamp (AlgorithmWatch)

Darüber, wie die Medienbranche das Potenzial von KI als Zukunftstechnologie trotz vieler Vorbehalte ausschöpfen kann, diskutierten Christina Elmer, Professorin für Digitalen Journalismus und Datenjournalismus an der TU Dortmund, Uli Köppen, Head of AI + Automation Lab beim Bayerischen Rundfunk, und Matthias Spielkamp, Mitgründer und Geschäftsführer von AlgorithmWatch. Das Fazit: Die Debatte um KI ist noch immer von vielen Klischees und falschen Ängsten geprägt. Weniger Mystifizierung, mehr Differenzierung, Transparenz und konkrete Anwendungsbeispiele sind entscheidend für die Akzeptanz dieser Technologie, sowohl bei den Nutzerinnen und Nutzern als auch bei den Medienschaffenden selbst.

Johanna Leuschen (Moderation), Tobias Fröhlich (Teravolt), Martin Gardt (OMR), Mark Heywinkel (ZEIT ONLINE)
Johanna Leuschen (Moderation), Tobias Fröhlich (Teravolt), Martin Gardt (OMR), Mark Heywinkel (ZEIT ONLINE)

Neben technologischer Innovation stand beim diesjährigen scoopcamp auch die Frage im Vordergrund, welche neuen medialen Formate sich in Zukunft durchsetzen. So beschäftigten sich zwei weitere Panels mit den Chancen von Livestreaming und Social Audio für Medienhäuser und Verlage. Dabei wurde vor allem deutlich: In der direkten Interaktion steckt viel Potential für eine engere Bindung zwischen Medienmarken und ihren Nutzerinnen und Nutzern, allerdings ist der Aufwand insbesondere beim Livestreaming erheblich. Zudem sind der jüngste Erfolg von Livestreaming wie auch der Hype um Clubhouse durch die Corona-Pandemie geprägt, so dass nicht vorhersehbar ist, wie sich beide Formate in Zukunft wirklich entwickeln.

Als sicher kann dagegen gelten, dass die Klimakrise die mediale Berichterstattung in den kommenden Jahren stark prägen wird. Auf großes Interesse stieß deshalb auch der scoopcamp-Workshop mit Klimajournalistin Sara Schurmann.

Oliver Wurm (Medienmacher, Autor)
Oliver Wurm (Medienmacher, Autor)

Zum Abschluss der Konferenz trat der mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Verleger und Medien-Unternehmer Oliver Wurm auf und machte allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern Mut, ihre eigenen Visionen umzusetzen. Sein Motto: „Jeder hat Ideen, also probiert euch aus! Auf die Schnauze fallen ist auch eine Vorwärtsbewegung.“

Unterstützt wurde das diesjährige scoopcamp von Civey, NOZ Medien und ZEIT ONLINE sowie MEEDIA als Medienpartner. Der scoopcamp-Fachtag wurde ermöglicht durch eine Partnerschaft mit der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche e.V. sowie dem dpa-Projekt #UseTheNews und unterstützt von der Schöpflin Stiftung und der ZEIT-Stiftung.

Neue Förderung für innovative Klimakommunikation
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