Wie die Fast Mover den Journalismus in der Krise stärken

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Neue Content-Formate, innovative Strukturen

Mit unserem neuen Förderprogramm Fast Mover unterstützen wir kreative Medienmacher*innen bei der Weiterentwicklung und Umsetzung ihrer innovativen Ideen mit 3.000 € pro Team. Der Fokus liegt dabei auf Projekten, die Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen des Journalismus verfolgen – in Krisenzeiten und darüber hinaus. Wie diese konkret aussehen und woran die Teams jetzt arbeiten, verraten wir euch in diesem Beitrag.

Dieser Beitrag wurde am 28.04.20 aktualisiert.

Ressourcenknappheit, Informationsflut und der Kampf gegen Fake News sind nur einige Themen, die den Diskurs in den Medien derzeit bestimmen. Um auch in den turbulenten COVID-19-Zeiten den Überblick zu bewahren und eine zuverlässige Informationsversorgung zu gewährleisten, braucht es mehr denn je eine funktionierende, digitale Infrastruktur, die neuartigen Journalismus ermöglicht, und innovative Content-Formate, die auf aktuelle Gegebenheiten reagieren können. Um diesen Bedarf zu decken und den Journalismus in dieser schwierigen Situation zu stärken, haben wir von nextMedia.Hamburg kurzfristig das Förderprogramm Fast Mover ins Leben gerufen, für das sich innerhalb von nur einer Woche über 30 spannende Projekte bewarben. Aus allen Bewerbungen wählte die Jury, zusammengesetzt aus unseren Unterstützer*innen von SPIEGEL, Greenhouse Innovation Lab von G+J und Mediengruppe RTL, Rudolf Augstein Stiftung, next media accelerator, Hamburg Media School und Jung von Matt/TECH, letztlich die vier vielversprechendsten Lösungsansätze aus, zwei für den Track „Content & Formate“, zwei für den Track „Infrastruktur“. Wer sich durchsetzen konnte und was die Teams jetzt mit der Fördersumme von 3.000 € planen, haben wir für euch zusammengefasst.

Track: Content & Formate

„In times of …“ by THE DISTRIQT

Was eint Menschen, die besonders krisenkompatibel sind? Dieser Frage widmet sich „In times of …“, das neue Edutainment-Format des Content-Start-ups THE DISTRIQT. Das Team um Gründerin Charlotte Richter-Kiewning reagiert damit auf eine verstärkte Nachfrage nach sogenanntem „Conscious Content“ rund um Themen wie mentale Gesundheit und den Umgang mit der Krise. Denn klar ist: Ängste nehmen in Krisenzeiten zu und verunsichern viele Menschen. Diesem Trend will THE DISTRIQT etwas entgegensetzen und den Fokus viel mehr auf die Personen lenken, die Krisen eher als Chance begreifen und derartige Situationen besser wegstecken. Warum ist das so und wie erleben solche Menschen eine globale Pandemie? Wodurch zeichnen sich krisenfeste Menschen aus?

Diesen und weiteren Fragen geht die Psychologie-Studentin Emily Rodenberg in fünf- bis sechsminütigen Video-Interviews auf den Grund. Dabei kommen unterschiedlichste Personen, wie zum Beispiel eine Musikerin aus New York, eine junge Hotelbesitzerin aus Bangkok, eine Ärztin aus dem Jordan und ein Berliner Barkeeper zu Wort. Allen ihren Gesprächspartner*innen begegnet Emily mit denselben Fragen und einem Persönlichkeitstest, der übereinstimmende Charakterzüge identifizieren soll. Die Erkenntnisse aus diesen Interviews reflektiert die Protagonistin schließlich im Anschluss mit ihrer eigenen Mutter, einer Psychologin aus Norditalien, und weiteren Krisenforscher*innen. Die Fördermittel in Höhe von 3.000 € fließen vor allem in die Post-Produktion dieser Inhalte, die für die Kanäle Instagram und LinkedIn aufbereitet werden.

Flip

Das Team Flip versteht sich selbst als eine neue Bewegung für eine bessere Wirtschaft nach der Corona-Krise, stützt sich auf journalistische Recherchen, organisiert eine Community aus mündigen Verbraucher*innen und bündelt deren Veränderungskraft hin zu einer besseren Wirtschaft – einer, die nicht zerstört und ausbeutet, Pandemien oder den Klimawandel befeuert, sondern Probleme löst. Flip geht auf diese Weise einen entscheidenden Schritt weiter als herkömmlicher Recherchejournalismus und versteht sich als investigativer, partizipativer und konstruktiver Verbraucherjournalismus. Veröffentlich wird „Flip“ zunächst in Form eines Newsletters.

Hinter dieser Idee steht ein heterogenes Gründerteam aus renommierten Wirtschaftsjournalist*innen und Geschäftsmodellentwickler*innen mit vielfacher Startup-Erfahrung, das sein Projekt auch in der Post-Corona-Welt sukzessive zur zentralen, journalistisch informierten Empowerment-Plattform für bewusste Verbraucher*innen aufbauen will. Ihr Motto: „Gemeinsam bauen wir die Wirtschaft wieder auf – nur besser. Let’s flip it!“

Track: Infrastruktur

Hostwriter

Hostwriter bemüht sich um eine infrastrukturelle Lösung für den Journalismus, der in Zeiten von Corona vor allem mit den geschlossenen Grenzen und abgesagten Recherchereisen zu kämpfen hat. Das bringt Freelancer*innen in Existenznöte, denen systematisch Aufträge wegbrechen, und erschwert es kleinen und lokalen Redaktionen, ihr Publikum in der Corona-Krise zuverlässig zu informieren. Die Lösung von Hostwriter: kollaborativer Journalismus. Wenn die eigenen Reporter*innen nicht nach Bayern oder Norditalien einreisen können, gibt es lokale Journalist*innen, die vor Ort recherchieren und Informationen teilen können.

Solche Kollaborationen sind für sich erstmal nichts Neues und werden von Hostwriter bereits seit 2014 ermöglicht, bisher allerdings nur unter Journalist*innen. Was fehlt, ist eine Schnittstelle für Redaktionen, die Freelancer*innen weltweit buchen wollen. Mit der Fast Mover-Unterstützung von nextMedia.Hamburg will Hostwriter nun eine nutzerzentrierte „COVID-19-Kollaborationsbörse“ entwickeln, über die Redaktionen schnell und unkompliziert geeignete Freelancer*innen in 154 Ländern finden und für Recherchen beauftragen können – ein Modell, das Co-Founderin und CEO Tabea Grzeczyk nicht nur in Zeiten von COVID-19, sondern auch für die Zeit danach als das Journalismus-Modell der Zukunft ansieht, wie sie uns zuletzt erst im Interview verriet.

Remote Journalism

Neben innovativen Content-Formaten, neuen Journalismus-Bewegungen und der internationalen Vernetzung von Journalist*innen lässt sich auch der Journalismus von daheim weiter optimieren. Immer mehr Journalist*innen machen derzeit die unfreiwillige Erfahrung, dass Videos und Schalten aus dem Home-Office oft pixelig und unverständlich daherkommen. Dabei lässt sich ein professionelles Technik-Set-up schon mit überschaubarem Aufwand realisieren.

Wie das gehen soll? Im Rahmen von Remote Journalism will der Datenjournalist Marco Maas Tutorial-Videos und -Texte produzieren, die zeigen, wie sich technische Set-ups für Journalist*innen zeit-, raum- und kostensparend zusammenstellen lassen. Das Ziel ist, Verbindungsprobleme und eine mangelhafte Video- und Tonqualität bei Live-Schalten, aber auch bei digitalen Workshops und Schulungen zukünftig zu vermeiden.

Diese vier spannenden Projekte zeigen, dass sich der Journalismus keineswegs vor der Zukunft fürchten muss. Denn statt in Schockstarre zu verharren, erkennen viele Medienschaffenden in der Krise auch eine Chance. Die Chance, den Journalismus nachhaltig zu stärken und zu verbessern. Wir freuen uns jetzt schon auf die Entwicklung der vier geförderten Projekte, die nicht nur von den finanziellen Fördermitteln, sondern auch vom Zugang zum nextMedia.Hamburg profitieren werden. Die Ergebnisse werden bereits nächste Woche in einem Abschlusspitch vorgestellt werden.

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