Die nextMedia.Hamburg-Studie in Zusammenarbeit mit Statista zeigt: Verbraucher sehen das größte Potenzial in VR/AR und Livestreams, 51 Prozent der Deutschen haben bereits einen Podcast gehört, Messenger-Angebote von Medien werden kritisch gesehen und die Mehrheit möchte für neue Medienformate kein Geld ausgeben.

nextMedia.Hamburg-Studie zu VR, Podcasts & Co.

Deutsche glauben an Medieninnovationen, wollen aber nicht dafür zahlen

scoopcamp voraus! Ab 27. September trifft sich das Whos-who der internationalen und nationalen Medienbranche wieder zum Austausch und Diskurs. Im Vorfeld hat nextMedia.Hamburg gemeinsam mit Statista die Deutschen gefragt, welche Trends sie interessieren und wie sie vor allem VR, Podcasts & Co. nutzen. Die Ergebnisse hier kurz und knapp:

Verlage und Medienschaffende erkennen zunehmend die Bedeutung von Medieninnovationen. Neben internen, strukturellen Veränderungen sind das auch neue journalistische Formate und Technologien. Allem voran: Podcasts, VR-Angebote und Artificial Storytelling. In regelmäßigen Abständen kämpfen neue Technologien um den Marktdurchbruch. Einigen gelingt dies, anderen eher nicht – erinnert sich noch jemand an Minidisks oder Quix?! Über den Erfolg entscheiden die Verbraucher und diese wurden nun genau danach befragt. 

Die Top-Trends heben sich klar ab: Livestreaming (67 Prozent), VR/AR (49 Prozent) und Messenger-Dienste (45 Prozent) werden sich langfristig am Medienmarkt etablieren. An einen langfristigen Erfolg von Podcasts glauben allerdings nur 27 Prozent. Was in Sachen Medieninnovationen zuversichtlich macht: Nur jeder Zehnte glaubt, dass sich keines der genannten Formate durchsetzen wird. Bedenklich ist allerdings die Haltung der Deutschen zur Finanzierung der neuen Formate: Ähnlich wie bei Textinhalten scheint sich eine „Online-Kostenlos-Kultur“ zu etablieren. Bei keinem der genannten Formate kann sich eine Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer vorstellen, Geld auszugeben. Am besten schneiden hier Livestreaming (23 Prozent) und VR (25 Prozent) ab. Nur vier Prozent der Befragten sind beispielsweise bereit, für automatisiert erstellte Texte in die eigene Geldbörse zu greifen.


Podcasts: Kostenlose Unterhaltung und Weiterbildung

Podcasts sind das Format der Stunde. Immer mehr Privatleute, Verlage oder auch freie Redakteure setzen auf die Audiodateien, um Inhalte zu verbreiten. Die Studie zeigt: 51 Prozent der Deutschen haben bereits mindestens einmal einen Podcast gehört, elf Prozent wollen dies noch machen. Auch in Zukunft wird Werbung aller Voraussicht nach eines der wichtigsten Erlösmittel aus Podcasts sein, denn nur sechs Prozent der Deutschen sind bereit, für Podcasts Geld auszugeben. Beliebte Audio-Formate sind vor allem Reportagen (hören 62 Prozent gerne), Nachrichten (45 Prozent), Interviews und Talkrunden (37 Prozent) sowie Erzählungen (34 Prozent). Inhaltlich soll es dann vor allem unterhaltsam zugehen. Auch Politik und Wirtschaft sind passende Themen für das Format; weniger hingegen Inhalte aus dem Bereich Technik.


Messenger-Angebote: Deutsche wollen auf WhatsApp unter Freunden bleiben

Ein weiteres Medium, dass Verlage zunehmend nutzen, um Inhalte einzubinden und zu verbreiten, sind Messenger-Dienste wie Facebook Messenger und WhatsApp. Hier sind Erfahrungswerte und Erwartungshaltung der Deutschen deutlich niedriger als bei Podcasts. Nur 32 Prozent nutzen solche Angebote, 14 Prozent wollen dies in Zukunft tun. Die Mehrheit von 54 Prozent lehnt das Angebot ab und möchte es auch zukünftig nicht nutzen. Die Gründe für eine ablehnende Haltung gegenüber Messenger-Angeboten sind vielseitig: Auschlaggebend ist, dass eine Mehrheit von 55 Prozent nur Nachrichten von Freunden erhalten möchte, aber auch der Datenschutz und die Angst vor Spam spielen eine Rolle. Wie bei allen neuen Formaten stehen auch bei Messenger-Diensten die Verlage vor der Herausforderung einer wirtschaftlichen Umsetzung. Denn zum einen können sich aktuell nur zwölf Prozent der Deutschen vorstellen, Geld für solche Dienste auszugeben, zum anderen lehnen 76 Prozent Werbung Dritter im Rahmen von Messenger-Angeboten von Medien ab.


Virtual Reality: Dokus und Sport

Eines der Formate, das im Vergleich als durchsetzungsfähig angesehen wird, ist Virtual bzw. Augmented Reality. Fast die Hälfte der Deutschen (49 Prozent) glaubt an die Zukunft dieser Technologien in der Medienbranche und immerhin ein Viertel wäre bereit, dafür Geld auszugeben. 
Vor allem Reportagen (62 Prozent) und Dokumentationen (72 Prozent) können nach Meinung der Deutschen in Zukunft über diese Technologie verbreitet werden. Bei Nachrichten (34 Prozent) sind die Befragten deutlich kritischer. Genutzt werden VR-Angebote vor allem bei den Themen Natur (67 Prozent), Sport (49 Prozent) und Wissenschaft (47 Prozent). Fragt man die Deutschen nach dem Mehrwert von Inhalten in VR/AR, so sind es vor allem die bessere Erlebbarkeit (47 Prozent) und die Chance, sich selbst ein Bild einer Situation zu machen (40 Prozent).

Diese repräsentative Studie wurde im Vorfeld des scoopcamp am 27. September 2018 von Statista im Auftrag von nextMedia.Hamburg zwischen dem 17. und 24. Mai 2018 durchgeführt. Das scoopcamp ist die Innovationskonferenz für Onlinemedien. Unter den hochkarätigen Speakern sind in diesem Jahr Nonny de la Peña (Emblematic Group) und Marius Thorkildsen (Schibsted), sowie der Scoop Award Preisträger Jochen Wegener (Zeit Online). Seit 2009 lädt Hamburg@work – und seit 2014 nextMedia.Hamburg – jährlich zusammen mit der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH mehr als 250 Experten, Entscheider und Innovatoren der IT- und Medienbranche zur Diskussion über Trends und aktuelle Themen an der Schnittstelle zwischen Redaktion, Programmierung und Produktentwicklung ein. Im Fokus stehen Themen wie „Data Journalism“, „Social Media“ und „New Storytelling“ in digitalen Medien. www.scoopcamp.de

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