Insights

Predictions

20 Trends für 2020

Unser Format Predictions 20/20 zeigt die relevantesten Technologien, Innovationen und Entwicklungen der Medien- und Digitalbranche für das Jahr 2020 auf. In vier Kategorien geben unsere nationalen und internationalen Expert*innen einen Vorgeschmack darauf, was Nutzer*innen und Anbieter*innen im neuen Jahr erwartet.

Trend 1

Future of Storytelling

Wie werden zukünftig Geschichten erzählt? Von Visual Journalism bis Content to go – in diesem Teil geben unsere Expert*innen ihre Prognosen zur Zukunft des Storytellings ab.

Hier geht’s zum vollständigen Trendbericht „Future of Storytelling“.

Jeremy Caplan

Visual Journalism

Das Jahr 2020 wird einen Wendepunkt im visuellen Journalismus darstellen, vor allem für interaktive Video-Formate: Der Aufstieg von Videosoftware-Diensten wie Eko, Verse, Wirewax und Rapt wird eine wachsende Anzahl von Redakteur*innen dazu befähigen, spannende Geschichten zu kreieren. Die Nutzer*innen werden zunehmend selbstständig entscheiden können, wie Geschichten entstehen und welche Zutaten ein Video-Rezept enthält.

Jeremy Caplan

City University of New York

Johanna Röhr

Stories vs. Feeds

Storys werden auch 2020 die sozialen Netzwerke bestimmen. Es gibt aktuell kein anderes Erzählformat, das aufgrund des vertikalen Formats und der kurzen Snaps so gut für die mobile Nutzung geeignet ist – anders als Feed-Beiträge, die in ihrer Urform auf die Desktop-Nutzung zugeschnitten sind. Aus diesem Grund werden wir im kommenden Jahr definitiv mehr Apps und Angebote zur Produktion von filmreifen Storys präsentiert bekommen – sowohl für Profis als auch für Amateur*innen.

Johanna Röhr

SPIEGEL

Valerie Krämer

Interactive Storytelling

Gelernte Muster und Verhaltensweisen aus den sozialen Netzwerken werden sich am Markt etablieren. Publisher, Agenturen und Marken müssen ihren Content dementsprechend anpassen. Nicht jeder Klick oder jede Interaktion ist beabsichtigt oder relevant. Das wird die Kunst in 2020 sein: Gezielte, personalisierte sowie qualitativ hochwertige Interaktionen und Erfahrungen schaffen, um echte Beziehungen zu den Nutzer*innen aufzubauen und sie nachhaltig zu binden.

Valerie Krämer

Opinary

Hendrik Menz

Content to go

Eine nahtlose Reiseplanung unter Einbeziehung von individuell auf die Nutzungssituation zugeschnittenem Content bleibt zunächst noch Zukunftsmusik. Die Technologie wäre bereits so weit, allerdings muss sich noch zeigen, wie sich offene Plattformen entwickeln und angenommen werden. Ich glaube, dass es im ersten Schritt viel mehr situationsunabhängige Angebote ähnlich der Nintendo Switch geben wird. Ob zu Hause, unterwegs oder bei der Arbeit – Multi-Plattform-Games werden auch unter Einbeziehung der realen Welt schnell angenommen und in kürzester Zeit hohe Verbreitung erfahren.

Hendrik Menz

ehem. pilot Screentime

Eugen Gross

Artificial Storytelling

Der Einfluss Künstlicher Intelligenz auf die Content-Industrie wird auch im nächsten Jahr zunehmen. Vor allem wird KI immer häufiger bei der Optimierung redaktioneller Inhalte zum Einsatz kommen und die Individualisierung verschiedenster Medienströme weiter vorantreiben. Im Bereich der Programmzusammenstellung wird sich der KI-Trend als erstes durchsetzen, aber auch die Individualisierung der Inhalte wird für Publisher zunehmend wichtiger. Die steigende Rechenpower mobiler Endgeräte führt dazu, dass cloudbasierte Streamings schon bald der Vergangenheit angehören und Artificial Storytelling das große Thema der nächsten Jahre wird.

Eugen Gross

aiconix

Trend 2

New TV

Immer interaktiver, immer personalisierter, … immer unübersichtlicher? In diesem Teil blicken unsere Expert*innen auf Entwicklungen der Bewegtbild-Branche.

Hier geht’s zum vollständigen Trendbericht „New TV“.

Burkhard Leimbrock

Streaming

In 2020 werden wir noch mehr Live-Streams sehen, in denen Produzent*innen etwas gemeinsam mit ihrer Community erleben. Ich denke da an Live-Events, die gemeinsam verfolgt werden und über die man sich gleichzeitig im Chat unterhält. Oder ans gemeinsame Singen, Musizieren, Basteln und Kochen.

Burkhard Leimbrock

Twitch Deutschland

Kim Dormann

Vertical Video

Das vertikale Video wird in erster Linie mobil erzählt und in der Handfläche abgespielt – immer den Daumen bereit für einen Programmwechsel via Swipe. Es ist dadurch aktuell eines der spannendsten und dynamischsten Videoformate. Klar ist: Vertical Video ist gekommen, um zu bleiben. In Anbetracht der Verbreitung von Smartphones als Video-Abspielgerät unserer Zeit, werden wir noch viele spannende Entwicklungen in diese Richtungen erleben.

Kim Dormann

Redpinata

Oliver Koch

SVoD

Die Kund*innen werden vom SVoD-Angebot zunehmend überwältigt: Erstens werden aktuell derart viele Serien produziert, dass es kaum noch möglich ist, sie alle zu konsumieren. Zweitens müssen sie auf Zugangsseite sämtliche Credentials und Navigationsparadigmen steuern. Und drittens stellt sich ihnen auch immer mehr die Frage nach dem Budget: Egal ob Amazon oder Netflix, Sky oder DAZN – alle OTT-Services haben ihren Preis und die Kosten summieren sich für die Nutzer*innen. Daher sind aus meiner Sicht schon in naher Zukunft „Re-Aggrergation“-Angebote im Sinne der Konsument*innen zu erwarten.

Oliver Koch

TeraVolt

Steven Rosenbaum

Hyper-personalized Content

Die SVoD-Plattformen experimentieren mit personalisierbaren Inhalten. Nutzer*innen bekommen Werkzeuge zur Verfügung gestellt, mit der sie die Art und Weise, wie sie Geschichten konsumieren, anpassen können. Früher passive Content-Konsument*innen werden auf diese Weise zunehmend aktiv: Sie teilen, kommentieren, vermischen – und beeinflussen somit das Verhalten anderer Nutzer*innen. Dieser Trend wird sich verstärken, da die Technologie die interaktiven Werkzeuge in die Hände der Verbraucher*innen legt.

Steven Rosenbaum

NYC Media Lab

Britta Schewe

Interactive VoD-Content

Das Thema Live Interactive Storytelling wird uns 2020 sehr viel beschäftigen. Wir müssen verstehen und adaptieren, dass Community-Nähe, aber auch eine stärker werdende Fokussierung auf gemeinsam erlebbare Live-Events einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerb für das klassische Fernsehen darstellen. Zukunftsweisend wird sein, wie man diese Entwicklung in funktionierende Geschäftsmodelle im Sinne des Jugendschutzes und des neuen Medienvertrags überträgt.

Britta Schewe

Rocket Beans TV

Trend 3

Enabling Technologies

Zwischen Hype und Durchbruch – welche Technologien bescheren uns im kommenden Jahr wirkliche Innovationen? In diesem Teil widmen sich unsere Expert*innen „Enabling Technologies“.

Hier geht’s zum vollständigen Trendbericht „Enabling Technologies“.

Claudia Kiani

XR

2020 wird sich mit Sicherheit einiges an der immersiven Content-Front tun: Neue VR-Games werden den Markt erobern, im B2B-Bereich sehe ich ein hohes Entwicklungspotenzial und neben Virtual-Reality-Marketinglösungen gewinnt der Bereich Training und Schulungen zunehmend an Relevanz. Aber auch Augmented Reality wird dank ARKit und ARCore im nächsten Jahr weiter an Fahrt aufnehmen: Besonders im eCommerce und Tourismus gibt es zahlreiche spannende Use-Cases für mobile AR. Bis AR-Brillen den Konsumgütermarkt erobern, müssen wir uns aber wohl noch ein bisschen gedulden.

Claudia Kiani

omnia360 & nextReality e.V.

Christopher Roskowetz

Blockchain & Content

Es bleibt abzuwarten, ob wir Blockchain kurzfristig im Einsatz erleben werden. Schließlich haben allen voran die digitalen Großmächte wie Google und Facebook einiges zu verlieren. Mit der Blockchain-Technologie könnten Publisher beispielsweise transparent und verschlüsselt auf einfache Weise feststellen, ob content-konsumierende User*innen echt sind und ob sie der tatsächlichen Zielgruppe entsprechen.

Christopher Roskowetz

JvM/TECH

Benjamin Ferreau

Synthetic Audio & Visuals

In Anlehnung an Gartner’s Hype Cycle erleben neuartige Innovationen in der Regel einen Hype, der zunächst nur eine ganz spitze Zielgruppe erreicht, ehe die Ernüchterung in der Masse folgt. Ist die Technologie allerdings nicht nur ein Hype, fängt sie anschließend an, sich in den unterschiedlichen Zielgruppen auszubreiten – und genau das sehe ich als nächstes im Bereich „Synthetic Audio & Visuals“ auf uns zukommen. Meiner Meinung nach ist der nächste logische Schritt, eine flächendeckende Akzeptanz solch einer Technologie in den verschiedenen Zielgruppen zu erlangen.

Benjamin Ferreau

Akanoo

Marco Maas

KI

Die „KI-ifizierung“ der Welt beginnt gerade, für 2020 erwarte ich noch keine sichtbaren Massen-Einsätze. Viele Dinge werden eher unter der Haube passieren, die Adaption auf Massenbreite wird noch drei bis fünf Jahre dauern. Und dennoch wird sich KI im nächsten Jahr in vielen Spezialfeldern ausbreiten, ich denke da vor allem an messbare Datensätze. Auf sozialen Netzwerken werden Algorithmen noch viel stärker genutzt werden, um extreme Meinungsäußerungen zu identifizieren, und für Kameraanwendungen wird es eindrucksvolle Spezialanwendungen geben.

Marco Maas

OpenDataCity / Datenfreunde

Henry Mason

Voice & Interfaces

Voice-Anwendungen werden immer mehr in das tägliche Leben eingebettet. Denn das Thema Voice ist nicht mehr nur ein Trend, sondern überschneidet sich mit anderen sozialen und kulturellen Trends. Ein Beispiel: Die Kreativagentur Virtue hat Anfang des Jahres eine geschlechtslose Stimme für virtuelle Assistenten eingeführt. Diese wurde mit einem in Kopenhagen ansässigen Linguisten entwickelt, der sich auf Sprachaufnahmen von fünf nicht-binären Personen stützte und auf Forschungen, im Zuge derer 4.600 Proband*innen gebeten wurden, die Stimmen auf einer Skala von eins (männlich) bis fünf (weiblich) zu bewerten.

Henry Mason

TrendWatching

Trend 4

Business Model Innovations

Ob mit Fokus auf Technologien oder auf die Nutzer*innen – die Medien- und Digitalszene braucht neue Geschäftsmodelle. Unsere Expert*innen erklären die wichtigsten medienökonomischen Entwicklungen im kommenden Jahr.

Hier geht’s zum vollständigen Trendbericht „Business Model Innovations“.

Christina Elmer

Membership vs. Subscription

Für ein stabiles Finanzierungsmodell müssen wir Medien die Beziehung zu unseren Nutzer*innen weiter vertiefen. Ob sie letztlich Abonnent*innen oder Mitglieder werden müssen, lässt sich nicht für alle Märkte und Geschäftsmodelle gleichermaßen beantworten. Hier können durchaus unterschiedliche Lösungen nebeneinander funktionieren. Was es dafür aber in jedem Fall braucht, ist ein nutzer*innenzentrierter Blick auf unsere Angebote: In welchen Situationen begegnen Menschen uns? Welche Bedürfnisse haben sie? Und wie können wir sie mit unserem Journalismus für uns gewinnen? Wenn wir erfolgreich sein wollen, müssen wir hier noch viel genauer hinschauen, zuhören, experimentieren – und Angebote schaffen, die langfristig überzeugen.

Christina Elmer

DER SPIEGEL

Itamar Benedy

In-Game-Advertising

Gaming steht heutzutage im Mittelpunkt unserer Popkultur, sodass ich damit rechne, dass die Einnahmen im Bereich In-Game-Advertising weiter ansteigen werden. Durch die programmatischen Anforderungen an die Sichtbarkeit von Anzeigen in Konsolenspielen, wird der Bereich In-Game-Advertising allerdings gleichzeitig immer anspruchsvoller und standardisierter werden. Ich bin mir dennoch sicher: Wir schauen gerade auf die nächste Welle der Werbung und können uns auf viel Bewegung im Spiel freuen!

Itamar Benedy

Anzu.io

Prof. Dr. Martin Spindler

Dynamic Pricing

Durch die zunehmende Digitalisierung im E-Commerce können Preise ohne Verzögerung angepasst werden. Maschinelle Lernmethoden und Künstliche Intelligenz können helfen, die optimale Preisstrategie zu finden. Die naive Anwendung solcher Methoden führt allerdings zu nicht optimalen Ergebnissen, so dass die richtige statische Modellierung immer mehr in den Fokus rückt, wie es bei Tech-Firmen wie Amazon und Google schon der Fall ist. Dynamic Pricing dient nicht nur der Gewinn- und Erlösmaximierung, sondern führt auch zu einer effizienteren Verteilung der Ressourcen.

Prof. Dr. Martin Spindler

Universität Hamburg

Katja Fleischmann

Story driven Ready Revenue

Die Bedeutung von strukturierten Inhalten wird weiter zunehmen. Das heißt, dass Geschichten mit immer mehr Metadaten versehen werden, die maschinell lesbar und auswertbar sind. Auf diese Weise können Nutzer*innen sie über die Suchmaschine leichter finden. Zum anderen ermöglichen strukturierte Daten eine genauere Auswertung des Nutzungsverhaltens. So verstehen wir besser, wofür sich Leser*innen im Internet interessieren und können ihnen individuelle thematische Empfehlungen geben. Das wiederum erhöht ihre Loyalität und steigert die Erlöse, zum Beispiel in Form von digitalen Abonnements.

Katja Fleischmann

dpa Deutsche Presse Agentur

Nicolas Meibohm

Convenience over everything

Ich glaube, dass in den nächsten Jahren alles dem Thema Convenience untergeordnet werden muss, um erfolgreich zu sein. Im Medien-Umfeld bedeutet das ein klares Umdenken: weg von den aktuell gängigen Reichweite optimierten hin zu Nutzer*innen fokussierten Angeboten. Es geht darum, jede*n Nutzer*in individuell zu informieren und zu unterhalten, ohne sie*ihn in eine News-Bubble zu manövrieren. Personalisierte Paid-Angebote in Form von persönlichen Assistenten werden daher sicher ihre Chance bekommen. Diverse Player aus den unterschiedlichsten Industrien denken auf diesem Thema schon seit geraumer Zeit herum, am Ende wird das Rennen aber wohl Google, Amazon oder Apple machen und die einzelnen Bestandteile entsprechend zusammenzuführen.

Nicolas Meibohm

Axel Springer SE

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