Georg R. Rötzer ist Vice President Corporate Marketing bei Samsung.

Georg R. Rötzer (Samsung) erklärt, wie Connected Living digitale Parallelwelten auflöst

„Das vernetzte Zuhause wird ein zentraler Teamplayer für den Alltag“

In unserer Projekt-Reihe Content Foresight haben wir die Zukunft von Content und Medienkonsum erforscht und uns gefragt, wie zukünftige Produkte aussehen könnten. Georg R. Rötzers Vortrag bei der NEXT Conference zahlte auf genau diese Frage ein und behandelte das futuristische Wohnkonzept von Connected Living, in der das Zuhause durch das Zusammenspiel mehrerer smarter Komponenten auf einer offenen Plattform vollständig vernetzt ist. Wie das Konzept funktioniert und welche neuen Möglichkeiten sich dadurch für die Content-Aufbereitung ergeben, hat er uns im Interview verraten.

Samsung hat das Wohnkonzept Connected Living entwickelt, mit dem digitale Parallelwelten aufgelöst werden sollen. Wie soll das genau funktionieren?

„Parallelwelten“ war ja das Motto der NEXT Conference, bei der wir als Samsung mitgemacht haben. Es ist aber auch ein gutes Stichwort, um zu beschreiben, worum es uns beim Thema Connected Living geht. Zunächst einmal würde ich das vernetzte Zuhause nicht „Wohnkonzept“ bezeichnen, denn es bringt so gut wie keine sichtbaren Veränderungen mit sich. Und gerade deshalb braucht das Thema eine Form. Die haben wir in dem Tiny House von dem Berliner Startup „Cabin One“ gefunden, um das vernetzte Zuhause kompakt zu vermitteln. Es ist stylisch, nachhaltig und wir können auf engstem Raum viele Szenarien des vernetzten Lebens zeigen. So ist die Idee zum Samsung Connected Living House entstanden.

Was die Auflösung von „Parallelwelten“ angeht, kann das vernetzte Zuhause so etwas wie „aktive Lebenshilfe“ bieten. Wir alle kennen den Spruch „ich kann mich nicht zweiteilen“. Und doch tun wir es eigentlich die ganze Zeit. Mein Eindruck ist, dass wir immer noch in digitalen und dinglichen Parallelwelten leben – und ständig hin und her switchen. Connected Living löst das ein Stück weit auf. Dein Zuhause wird plötzlich ansprechbar, auskunftsfähig, gibt Feedback und Status-Updates, kann Dinge für dich aus der Ferne erledigen und mit dir zusammenarbeiten. Es kann Dinge sichtbar machen, die sonst unsichtbar waren, und es kann die Bedürfnisse ganzer Familien und Lebensgemeinschaften auf eine Weise organisieren, die wir als Erleichterung empfinden. Dann findet dein Zuhause in deiner digitalen Welt statt, mit echten Handlungsoptionen. An dieser Stelle lösen sich Parallelwelten auf, dein Leben wird einfacher. Du gewinnst Kontrolle zurück. Das vernetzte Zuhause wird zu einem zentralen Teamplayer für deinen Alltag.

Bei unserer Projekt-Reihe Content Foresight erforschen wir die Zukunft von Content und Medienkonsum und die Innovationspotenziale der Branche in einem interdisziplinären Kontext. Mit Unternehmen aus der Medienbranche, Soft- und Hardware-Herstellern und hochqualifizierten Kreativschaffenden erarbeiten wir, methodisch fundiert, Prototypen. Welche Möglichkeiten bietet das vernetzte Haus für die Aufbereitung von Content?

Audio und Voice werden immer wichtiger, sowohl für die Interaktion als auch für den Konsum. Vieles, was ich heute auf dem Smartphone-Bildschirm mache, wandert beim vernetzten Zuhause in die Umgebung. Dein Spotify-Podcast begleitet dich über die Speaker von Küche bis Schlafzimmer, Rezepte aus dem Netz lässt du dir vorlesen. Auch Videostreams verteilst Du einfach auf die vernetzten Geräte in deinem Zuhause – zum Beispiel auf den Screen deines Samsung-Kühlschranks.

Eine neue und spannende Form von Content in dem Zusammenhang sind ‚Szenarien‘. Dahinter stehen Routinen und Befehle, die ich einrichten kann, um bestimmte Aktionen auszuführen. Das ist eine ganz neue Form von „user generated content“, die viel mit Freiheit zu tun hat. Anwender werden kreativ und bestimmen ihren Nutzen selbst und teilen Szenarien untereinander.

Wir bewegen uns auf eine Umgebung zu, in der man mit der Erwartung einen Raum betritt, diesem eine Frage stellen zu können und direkt eine Antwort zu erhalten. Laut einer unserer aktuellen Studien empfinden allerdings 70 Prozent der Nutzer die Kommunikation mit Voice-Assistenten noch als ungewohnt, 77 Prozent fühlen sich in Bezug auf Datenschutz bei Sprachassistenten unsicher. Eine begründete Angst?

Das Schöne ist ja, dass du für das vernetzte Zuhause nicht zwingend Sprachsteuerung brauchst, sondern vieles über Automatisierung, also über deine reine Anwesenheit, über dein Smartphone, Notifications oder über physische Schalter regeln kannst. Für Zweifler und „German Angsthasen“ also kein Hinderungsgrund.

Dabei ist Sprachsteuerung ganz klar auf dem Vormarsch. Unsere Connected Living Plattform SmartThings ist da ganz offen ausgelegt – von Haus aus bieten wir unseren digitalen Assistenten Bixby an, aber unsere Kunden können zudem auch Amazon Alexa oder Google Assistant über zusätzliche Hardware einbinden. Wir schreiben also nichts vor, sondern versuchen mit größtmöglicher Offenheit und Kompatibilität die Hürden möglichst weit herunterzusetzen.

Was die Sicherheit angeht, haben wir die Hürden möglichst hoch gesetzt. Alle SmartThings Geräte und aktuellen Samsung Produkte werden durch die Sicherheitsplattform Samsung Knox sowohl Hardware- als auch Software-seitig geschützt. Drittanbieter müssen strenge Sicherheitsanforderungen erfüllen, damit ihre Produkte für SmartThings zugelassen werden.

Bei der NEXT Conference konnten Besucher das Connected Living-Haus von Samsung begehen und sehen, wie vermeintlich futuristische Wohnkonzepte schon heute Realität werden. Welche Innovationen werden für das Wohnen in 20 Jahren eine bedeutende Rolle spielen?

Im Tiny House zeigten wir mit unserem Partner Cabin One, wie sich selbst auf minmalem Raum maximale Ansprüche darstellen lassen: Komfort, Sicherheit, Nachhaltigkeit, Unterhaltung – in der Reihenfolge.

Was in 20 Jahren kommt lässt sich kaum noch seriös beantworten, aber nehmen wir mal das Thema Selbstbestimmung im Alter. Hier kann das vernetzte Zuhause auch die Generationen neu miteinander verbinden – Parallelwelten auflösen und Nähe, Fürsorge und Sicherheit im Alltag schaffen, die sonst nicht darstellbar wären. Zum Beispiel ob das vernetzte Zuhause den Sturz eines alten Menschen registrieren kann und selbständig Hilfe ruft. Jedes neue Auto ist dazu in der Lage und sogar verpflichtet – warum nicht das eigene Zuhause?!

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