Wie Hamburg Start-ups zu schnellem Wachstum verhilft

Wenn Kaufmannstradition auf hohe Gründungsaktivität trifft

Veronika Reichboth ist Expertin, wenn es darum geht, Start-ups mit passenden Förderformaten zu matchen und kennt die Vorzüge des Hamburger Startup-Ökosystems nur zu genau. Als Leiterin der Startup-Unit von Hamburg Invest vernetzt sie Unternehmer*innen mit großen Player*innen der Branche und zeigt sich auch für überregionale Vermarktungsaktivitäten verantwortlich. Bei unserem Inkubator MEDIA LIFT fungierte sie außerdem als Ansprechpartnerin für die Finalist*innen, mit denen sie sich über mögliche Anschlussförderungen und bedeutende Netzwerke austauschte. Damit auch ihr von Veronikas enormer Branchenkenntniss profitieren könnt, haben wir uns mit ihr über den Gründungsstandort Hamburg, seine Akteur*innen und Potenziale unterhalten.

Die Startup-Unit gilt als zentrale Anlaufstelle für alle Start-ups in Hamburg. Was sind typische Anliegen, mit denen Gründer*innen auf euch zukommen?

Die sind sehr verschieden – genauso wie die Branchen, aus denen die Gründer*innen kommen, und ihr Erfahrungsschatz: Von ersten Gründungsideen über ausgearbeitete Geschäftsmodelle bis hin zu bereits existierenden Unternehmen ist alles dabei. Unsere Hilfe sieht so aus, dass wir ein persönliches Gespräch vereinbaren, hierbei den konkreten Bedarf ermitteln und dann mit passenden Infos zu Angeboten und Ansprechpartner*innen helfen. Im Nachgang erfolgt eine direkte Vernetzung mit passenden Ansprechpartner*innen. Mit der Bündelung unterschiedlicher Services unter dem Dach der Hamburg Invest professionalisieren wir das rasant wachsende Start-up-Ökosystem zwischen Elbe und Alster. Wir verstehen uns dabei nicht als Konkurrenz zu den bestehenden Angeboten, sondern geben als „One-Stop-Agency“ eine erste Orientierungsberatung zu bestehenden Förderangeboten.

Kann sich jedes Start-up an euch wenden?

Alle Gründer*innen und Gründungsinteressierten, die sich auf wissens- und technologieorientierte sowie digitale Geschäftsmodelle fokussieren, können sich an uns wenden – per Mail, Telefon oder Social Media. Unser Service ist kostenlos. Wir organisieren außerdem eine regelmäßig stattfindende Start-up-Sprechstunde an den Hotspots der lokalen Start-up-Szene. Darüber hinaus unterstützen wir die Teilnahme von Hamburger Start-ups an ausgewählten Messen und Konferenzen, für die wir einen geringen Kooperationsbeitrag aufrufen.

Company Builder, Lab, Hub, Accelerator oder Inkubator: Die Vielfalt an Unterstützungsmöglichkeiten ist riesig. Wie finde ich heraus, welche Option am besten zu mir und meiner Idee passt?

Die Angebote konzentrieren sich auf verschiedene Phasen der Gründung, haben unterschiedliche Schwerpunkte, verfolgen aber alle das gleiche Ziel: Start-ups zu schnellem Wachstum verhelfen. Um herauszufinden, welche Unterstützung am besten passt, sollten sich Gründer*innen im ersten Schritt immer mit den Stärken und Schwächen des eigenen Start-ups beschäftigen. Was kann ich? Wo habe ich noch Defizite? Ist bereits Branchenexpertise vorhanden oder gründe ich in einem branchenfremden Bereich? Brauche ich womöglich Zugang zu neuen Netzwerken oder potentiellen Kund*innen? Jede*r Gründer*in hat verschiedene Fähigkeiten und Kontakte und somit auch eine unterschiedliche Herangehensweise. Wichtig sind Selbstdisziplin und die Bereitschaft, Feedback anzunehmen und aktiv einzuholen, aber auch die Offenheit gegenüber neuen Wegen.

Außerdem sollte ich mir als Gründer*in die Frage stellen, was ich möchte: Ein schnelles Wachstum und dafür Unternehmensanteile abgeben oder lieber mein individuelles Entwicklungstempo selbst bestimmen? Trifft letzteres zu, könnte ein Inkubator die richtige Wahl sein. Möchte ich eine*n Investor*in, der*die sich in der Konzeptionsphase sowie bei der Entstehung meines Unternehmens aktiv einbringt und auch danach weiterhin inhaltlich beteiligt, sollte ich vielleicht einen Company Builder wählen. Und wenn das Start-up bereits erfolgreich am Markt gestartet ist und externe Unterstützung so gut wie gar nicht benötigt wird, könnte ein Hub die richtige Entscheidung sein.

Nimmst du einen Unterschied zwischen Medien- und Digital-Start-ups und Start-ups aus anderen Branchen wahr?

Meine Erfahrung mit anderen Branchen zeigt, dass die Medien-Branche neuen Ideen offener gegenübersteht und auch gewillter ist, neue Ansätze auszuprobieren. Andere Branchen, zum Beispiel traditionelle, konservative Wirtschaftszweige wie die Logistik oder die Maritime Wirtschaft, waren bis vor kurzem nicht sehr offen für neue Ansätze – aber auch hier tut sich viel. Insgesamt lässt sich schon beobachten, dass sich aktuelle Trendthemen wie Künstliche Intelligenz oder auch Virtual-, Augmented- und Mixed Reality durch alle Branchen durchziehen.

Was macht den Gründungsstandort Hamburg so besonders?

Hamburg ist ein Hotspot, wenn es um die Zahl der Start-up-Gründungen in Deutschland geht und bietet Gründer*innen viele Vorteile. Einer davon ist die lange Kaufmanns-Tradition: Es gibt hier viele mittelständische oder familiengeführte Gesellschaften, die unternehmerisch denken und sich als Business Angel für Start-ups engagieren. Darüber hinaus sind in Hamburg viele Branchen mit hoher Gründungsaktivität ansässig. Dazu zählen die Kreativwirtschaft, der Handel- und Konsumgüterbereich oder auch die Logistik. In Kombination mit den Initiativen der Stadt hat Hamburg eine gute Basis für die Vernetzung von Start-ups und etablierten Unternehmen gelegt.

Wie siehst du die Zukunft des Start-up-Standorts Hamburg?

Der Start-up-Standort Hamburg hat sich in den letzten fünf Jahren gut entwickelt. Laut startupdetector gibt es aktuell 1.228 aktive Start-ups in Hamburg, außerdem eine Vielzahl an Start-up-Angeboten. Klar, Corona stellt eine große Herausforderung dar, bietet gleichzeitig aber auch viele Chancen – vor allem in Bezug auf Digitalisierungsprozesse. Ich sehe die Zukunft daher positiv und bin davon überzeugt, dass sich unser Hamburger Start-up-Ökosystem auch weiterhin gut und stetig entwickeln wird.

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