Content Foresight Health: Ein Blick hinter die Kulissen

Die Zukunft liegt in den Daten

„Im Rahmen von Content Foresight identifizieren die Teilnehmer*innen einen Zeitpunkt oder eine Reihe von Umständen, die zukünftige Produkt- oder Dienstleistungschancen eröffnen könnten.” So formulierte Tobias Heger, Gründer unseres diesjährigen Facilitation-Partners Rohrbeck Heger, in seinem Gastbeitrag die Zielsetzung des Innovationsprogramms. Was vor sechs Wochen noch sehr theoretisch klang, ist mit zunehmender Programmdauer wesentlich greifbarer geworden. Wie angedacht erarbeiteten Teilnehmer*innen von Bauer Media Group, BKK VBU, Carlsen Verlag, Eppendorf AG, MaibornWolff, DER SPIEGEL und VIA AG konkrete Zukunftsszenarien und entwickelten auf dieser Grundlage Ansätze für Produkte, die die Content- und Health-Branche zusammenführen.

Um in Zeiten der Corona-Pandemie optimale Rahmenbedingungen zu schaffen und auch remote eine reibungslose Zusammenarbeit zu gewährleisten, wurde das gesamte Programm von nextMedia.Hamburg und dem Cross Innovation Hub der Hamburg Kreativ Gesellschaft kurzfristig ins Digitale übersetzt. Konkret fungierte das Kommunikationstool Miro dabei als zentrales Instrument, das eine kollaborative Zusammenarbeit und die Umsetzung von Brainstorming-Runden ermöglichte. Die Arbeit im digitalen Whiteboard  zeichnete sich durch einen positiven und konstruktiven Umgang mit den vielen Ideen aus, die die Teilnehmer*innen generierten.

Konkrete Ideen sollten allerdings erst im späteren Programmverlauf eine Rolle spielen. Im ersten Schritt galt es, mithilfe der Foresight-Methodik verschiedene Zukunftsszenarien zu entwickeln. Dafür schauten sich die Teilnehmer*innen in branchenübergreifenden Teams Trends und Entwicklungen an, die das gesellschaftliche Zusammenleben in Zukunft beeinflussen könnten und bewerteten diese anhand ihrer Bedeutung und Kontraste. Die politischen, ökonomischen, sozialen und technologischen Einflüsse konnten wiederum auf zwölf Schlüsselfaktoren reduziert werden, unter anderem Data Ownership und der Wandel des Arbeitsmarkts, und mündeten in vier konkreten Zukunftsszenarien, die die Welt in 2030 beschreiben.

Die Welt in 2030: Schöne neue Welt oder virtuelle Klassenkluft?

Die Teilnehmer*innen versuchten dabei alle denkbaren Zukünfte zu berücksichtigen und vier Zukunftsszenarien zu entwickeln, die sich grundlegend voneinander unterscheiden. Während Szenario zwei beispielsweise verpflichtende Digitale Identitäten vorsieht und einen starken, fürsorglichen Staat skizziert, der seine souveränen Bürger*innen schützt, wird die Welt im dritten Szenario von multinationalen Tech-Konzernen dominiert und von privatwirtschaftlichen Daten-Profilen bestimmt. Die Folge ist eine in Sub-Gruppen gespaltene Gesellschaft, in der die digitale Identität als universeller Code für jegliche Form von gesellschaftlicher und ökonomischer Teilhabe fungiert. Ein weiteres Szenario nimmt an, dass die smarte Umgebung Nutzer*innen in Zukunft oft besser kennt, als die Personen sich selbst – ganz nach dem Motto „Ich mache mir die Welt, wie sie Dir gefällt”. Dass das Gemeinwohl aller in der Selbstoptimierung jedes*r Einzelnen liegt, nimmt derweil Szenario eins an.

Auf Grundlage dieser Zukünfte konnten die Teilnehmer*innen anschließend in den jeweiligen Szenarien Räume für Innovationen und neuen Services an der Schnittstelle von Content und Health erarbeiten. Dabei galt es zunächst nicht an konkrete Lösungen zu denken, sondern Situationen, Kund*innen-Bedürfnisse und Herausforderungen zu formulieren, die besondere Aufmerksamkeit benötigen. Auffallend häufig traten Medienhäuser hierbei als Vermittler mit einem Werteversprechen auf – ganz offensichtlich eine Rolle, die für klassische Medien in Zukunft noch wichtiger werden wird. Eine weitere Annahme, die sich auch in der Formulierung der Szenarien widerspiegelt: Die Verfügbarkeit und Masse von Daten steigt weiter an. Heruntergebrochen auf die Health- und Content-Branche könnte das eine große Chance für hyperindividualisierte Produkte bedeuten. 

Das Ergebnis standen schließlich sogenannte Opportunity Spaces, die über die Szenarien hinweg als Grundlage für die weitere Bearbeitung von den Teilnehmer*innen bewertet wurden. Den Spaces „Digitale Bildung und Medienkompetenz”, „Personalisierte Health Literacy” und „Hochindividuelle Gesundheitsvorsorge und Aufklärung” sprachen dabei alle Projektbeteiligten eine hohe Relevanz und Robustheit zu. „Fluiditätsmanagement” und „Human Touch” fielen hingegen ab, während hochindividuelle Angebote zur Gesundheitsvorsorge und Aufklärung als „BIG BET” betrachtet wurden. Mit Hilfe von „Wie können wir…?!”(WKW)-Fragen näherten sich die Teilnehmer*innen schließlich den konkreten Lösungsansätzen.

Vielversprechendster Lösungsansatz wird weiter verfolgt

Von diesen Lösungsansätzen begeisterte vor allem die Idee des Magic Animal Coach. Ähnlich dem Gedanken eines Tamagotchis können Kinder nach dieser Idee mit personalisierten Tier-Avataren interagieren und gleichzeitig etwas für ihre Gesundheit tun. Der Clou: Das Tier reagiert auf die bereitgestellten Gesundheitsdaten des Kindes und geht spielerisch auf diese ein. Beispielsweise kann das virtuelle Tier bewegungsfördernd wirken, in dem es das Kind zu Aktionen animiert.

Bereits jetzt steht fest, dass die Unternehmen BKK VBU, Carlsen Verlag und MaibornWolff diese Idee in einem zweiten Content Foresight Modul weiter schärfen wollen. Aber auch die anderen Lösungsansätze zeigten vielversprechende Potenziale an der Schnittstelle von Content und Health auf. Beispielsweise der DOCpanion, der als Roboter Hard- und Software kombiniert, sich an Daten im Smart Home bedient und relevante Gesundheitsinformationen nutzer*innenfreundlich aufbereitet. Oder der DigiBot, der rein digital als persönlicher Gesundheitsassistent fungiert und mit einer digitalen ID verknüpft ist. 

Insgesamt zogen die Teilnehmer*innen nach Ende des ersten Moduls ein überaus positives (Zwischen-)Fazit: Vor allem die verschiedenen Perspektiven der Projektbeteiligten begeisterten die Teilnehmer*innen und zeigten eindrucksvoll auf, dass die Zusammenarbeit der Content- und Health-Branche viele Potenziale eröffnet. Der wirtschaftliche Erfolg der Gesundheitsbranche hänge ganz wesentlich vom Erfolg der Content-Branche ab, präzisierte sogar ein*e Teilnehmer*in – und vom cleveren Umgang mit Daten. 

 

Darüber, wie es mit Content Foresight und dem Magic Animal Coach nun weiter geht, informieren wir euch über unsere Social-Media-Kanäle. Weitere Infos zum Programmablauf von Content Foresight findet ihr hier.

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing
Share on print
Weitere Artikel

Wie Medien-Start-ups Förderungen nutzen

Wie gehen journalistische Unternehmer*innen vor und wie beeinflussen vorhandene Ressourcen und Werte ihr Handeln? Und welche Rollen spielen Förderprogramme dabei? Diese und weitere Fragen untersuchten Henriette Heidbrink und Sebastian Pranz in einer explorativen Studie. In diesem Beitrag geben die Forscher*innen Einblicke in ihre Ergebnisse.

Mehr lesen

Neue Studie aus Hamburg: Nachrichtennutzung von Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Wie informieren sich Jugendliche und junge Menschen in Deutschland im digitalen Zeitalter – und was bleibt am Ende tatsächlich bei ihnen hängen?
Die gerade vorgestellte #UseTheNews-Studie liefert neue fundierte Erkenntnisse für Medienunternehmen und Medienpädagogik. Erstmals schlüsselt eine Untersuchung derart präzise und differenziert auf, wie junge Menschen mit Nachrichten umgehen.

Mehr lesen

Immersive Storytelling – Wie der Carlsen Verlag die Potenziale neuer Technologien nutzt

Markus Dömer ist Head of Business Development & AR/VR TechHub beim Carlsen Verlag in Hamburg und seit diesem Jahr Mitglied in unserem Beirat. Wir haben mit ihm über die Verwendung von AR, VR und KI gesprochen und erfahren, wie viel Potenzial für den Verlag in den Technologien steckt. Es geht um Edutainment, immersives Storytelling, interaktive Audioformate und digitale Produkentwicklung in Zeiten einer Pandemie.

Mehr lesen
Jetzt für unser neues Weiterbildungsangebot anmelden
This is default text for notification bar
X