Print ist tot? Das glaubt über die Hälfte der Deutschen nicht, wie eine Umfrage im Vorfeld des scoopcamp 2018 ergab.

Studie zu Print vs. Online

Traditionelle Medien genießen Vertrauen bei den Deutschen

| | Journalismus

Neuer Rahmen, neue Location, erweiterte Ziele: Der zehnte Geburtstag des newTV Kongress von nextMedia.Hamburg wird etwas ganz Besonderes und dürfte sowohl optisch, als auch programmatisch eine Vielzahl an Neuerungen beinhalten. Neuerungen, die nextMedia.Hamburg mit der Unterstützung der newTV Focus Group umsetzen wird. So steht auch Britta Schewe, Chief Sales & Marketing Officer bei Rocket Beans und seit etwa einem halben Jahr Mitglied der newTV Focus Group, bei der Organisation der Veranstaltung beratend zur Seite. 

Kaum eine andere Branche wandelt sich im Zuge der Digitalisierung so rasant wie die Kreativindustrie. Vor rund 40.000 Jahren lernte der Mensch sprechen und es dauerte etwa 35.000 Jahre, bis er diese Sprache auf Stein oder Holz festhalten konnte. Bis zu Gutenbergs Bibeldruck vergingen weitere 10.000 Jahre; und das ist erst rund 500 Jahre her. Jetzt beinhaltet „Medien“ von Radio über Fernsehen bis zur Tageszeitung auch noch das World Wide Web. Nun scheint uns ein erneuter Paradigmenwechsel bevorzustehen.

Mit zunehmendem Fortschritt des Wandels glauben viele Experten nicht an ein Überleben des Print-Mediums. Zu verstaubt, nicht messbar und gerade deswegen unprofitabel seien die gedruckten Inhalte. Im Gegenzug liegen die Vorteile von „Everything is digital“ auf der Hand: Dank Datenerfassung der User haben Online-Publisher die Möglichkeit, ihre Inhalte passgenau an ihre Zielgruppe zu spielen. Wer jedoch in Zeiten von Instant-Journalismus im hart umkämpften Markt wahrgenommen werden will, muss auch schneller und lauter sein. Ein ökonomischer Zwang, der das journalistische Ethos der Sorgfalt, Kritik und Aufdeckungsfunktion gefährdet – mit schwerwiegenden Folgen. Seit rund zwei Jahren steckt die Medienwelt in einer tiefen Vertrauenskrise, die durch die gezielte Streuung von Fake News befeuert wird. Laut des Edelman Trust Barometers 2018 haben beinahe 70 Prozent der Leser weltweit Angst vor Falschmeldungen.

Print-Medien behalten Daseinsberechtigung

Die wachsende Unsicherheit scheint gleichzeitig eine Chance für das Print-Medium zu sein. Das zumindest deutet eine repräsentative Statista-Umfrage an, die nextMedia.Hamburg im Vorfeld des scoopcamp 2018 in Auftrag gab. Demnach bestreitet die Hälfte der Deutschen die Aussage, dass Print in zehn Jahren tot sei. Besonders die Altersgruppe über 30 Jahre glaubt weiter an einen Fortbestand des Gutenbergschen Erbes. Die jüngeren Befragten, wenn auch knapp, prognostizieren eher ein baldiges Ableben. Etwas anders sieht es aus, wenn man die einzelnen Print-Produkte betrachtet. Gerade Fachmagazine stehen hier auch in zehn Jahren noch hoch im Kurs. 53 Prozent der 18- bis 29-Jährigen glaubt an deren Fortbestand; bei der Tageszeitung sind es immerhin noch 43 Prozent.

Print-Medien werden also, wenn auch nicht flächendeckend, ihre Daseinsberechtigung behalten. Sie müssen sich den Platz im metaphorischen Zeitungsständer, aber mit deutlich neueren Medien wie etwa Virtual Reality teilen. Allerdings haben erst 15 Prozent der Deutschen Reportagen oder Nachrichten mit VR oder AR gesehen. Dies kann einerseits an einem Mangel von passender Hardware liegen, aber auch am Content, der angeboten wird: 67 Prozent der Befragten wollen Inhalte zu Natur-Themen über VR erleben. Bei den über 50-Jährigen sind es sogar 72 Prozent.

Skepsis bei Robotor-Journalismus

Auch Künstliche Intelligenzen halten immer weiter Einzug in den Journalismus. 45 Prozent der Deutschen allen Alters sind aber der Meinung, dass sich diese Technologie hier nicht durchsetzen wird. Entsprechend skeptisch stehen sie automatisierten Nachrichten gegenüber. 49 Prozent sind hier eher kritisch, 28 Prozent halten diese News für schlechten Content. Nur drei Prozent halten Roboterjournalismus für sinnvoll. Diese Einschätzung wirkt sich auch auf die Glaubwürdigkeit aus: 43 Prozent halten diese Meldungen für unglaubwürdig, 18 Prozent schenken diesem Content Glauben. Immerhin 39 Prozent können die Glaubwürdigkeit hier nicht einschätzen. Nachvollziehbar: 91 Prozent der Deutschen wollen eine Kennzeichnung von automatisiert erstellten Artikeln.

Ob die gesellschaftliche Akzeptanz von Artificial Storytelling steigen oder die Mehrheit zukünftig doch lieber zur analogen Zeitung greifen wird, ist derzeit noch ungewiss. Sicher ist nur: Die Printbranche steht mit dem digitalen Wandel vor der großen Herausforderung, die sinkenden Auflagen von gedruckten Zeitungen und Zeitschriften wirtschaftlich wieder aufzufangen. Am Ende könnte der Königsweg aus der Krise auch in der Verschmelzung von Online und Print liegen. Was sich daraus für neue Monetarisierungsmöglichkeiten entwickeln können, zeigt DIE ZEIT. Die digitale Ausgabe der Zeitung verkauft sich jede Woche 26.000 Mal, mit den Einnahmen kann die gedruckte Version zum Teil refinanziert werden.

So oder so: Die Zukunft der Medien in Deutschland bleibt weiterhin spannend. Das Distributionsfeld wird zunehmend größer. Klassische Medienformen bleiben relevant, müssen sich den Platz an der Sonne jedoch mit den „jungen Wilden“ der Technologie teilen. Neben Virtual Reality gewinnen übrigens auch Podcasts und Messerdienste immer mehr Bedeutung – das zeigt die nextMedia.Hamburg-Studie „Messenger-Dienste, Podcasts und VR/AR“ sehr deutlich. 

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