Bildcredits: Kolja Schoepe

Malte Brenneisen (Die Brueder Publishing)

Wir entscheiden, wie die Medien von morgen aussehen.

| | Journalismus

Malte Brenneisen ist Mitgründer des Labels „Die Brueder Publishing“ und Mitveranstalter der Indiecon, dem Independent Magazine Festival in Hamburg. Wir haben uns mit dem freien Journalisten, Autor, Herausgeber und seit Neuestem auch #dasmitmedien-Botschafter über das Potenzial von Indiemags, die Rolle von Journalisten und technische Neuerung bei deren Arbeit unterhalten.

Zusammen mit deinen Kollegen von Die Brueder Publishing veranstaltest du seit 2014 das Festivial Indiecon, das dieses Jahr unter dem Motto „No more borders“ stand. Ist es die Enttäuschung der Verlage über nicht funktionierende Geschäftsmodelle im Netz, die die Diskussion „Print vs. Online“ überhaupt erst aufflammen lässt?

Die Diskussion Print vs. Online haben wir ehrlich gesagt noch nie geführt. Einige Independent Magazines (Chef*innen = Macher*innen) sind insbesondere durch die Digitalisierung ermöglicht worden. Die technischen Barrieren werden kleiner, Drucke immer günstiger, aufwendige Programme zur Erstellung von Medien zugänglicher (Lizenzmodelle) und die Kanäle zur Distribution vielseitiger. Viele Indiemags haben dieses Potenzial erkannt und sich ihre Leserschaft seit der Magazingründung mit herangezüchtet – siehe Crowdfunding, Direktvertrieb, neue Lesezirkel und vieles mehr.

Wenn man Online-Journalisten nach zukünftigen Strategien fragt, bekommt man oft zu hören, dass der Journalismus wieder Leser-zentrierter sein muss. Wer sollte bestimmen, welche Inhalte relevant sind: Analytic-Tools oder doch das gute alte Bauchgefühl des Journalisten?

Ich glaube, dass Journalisten künftig eine Schlüsselfunktion bei der Auswahl und Einordnung von nachrichtlichen Themen einnehmen werden. Denn Aufbereitung und Distribution von Unterhaltungsthemen übernehmen heute bereits viele Semiprofessionelle oder Unternehmen, Verbände oder Vereine (siehe Content Marketing). Es ist vielleicht nur mein Gefühl, aber bei nachrichtlichen Großereignissen scheinen Mediennutzer*innen vor allem in glaubhafte Quellen Orientierung zu suchen, um sich ein Bild zu machen. Hier zählt Qualität und nicht Quantität.

Indiemags richten sich mit Nischen-Themen eher an ein Fachpublikum. Neue technologische Möglichkeiten müssten da doch ein Segen für Redakteure sein, um die richtige Zielgruppe zu erreichen?

Erfolgreiche Independent Magazines zeichen sich durch eine echte, glaubhafte Expertise in einem bestimmten Themenfeld aus. Es geht aber aus unserer Sicht um genau diese Expertise – und eben nicht allein den Fakt, dass man eine noch differenziertere Mini-Nische bedient. In der gesamten Wertschöpfung helfen technische Neuerungen: Das Internet als überwiegend freier Zugang zu „Wissen“, die Crowd mit ständigem Feedback und ständig neuen Marktplätzen als Alternativen zum physischen Kiosk.

Du hast unter anderem an der HAW Hamburg im Fachbereich Kommunikationsdesign mit dem Schwerpunkt Inhalt doziert. Wenn du auf deine eigene Uni-Zeit denkst: Wie unterscheidet sich der heutige Mediennachwuchs von den damaligen Studenten?

In meiner frühen Unizeit war mehr Nokia und Snake als iPhone und Snapchat. Das Bild hat sich ansonsten kaum verändert: Einer steht vorne und sabbelt, viele sitzen hinter ihren Tischen und wirken abgelenkt oder orientierungslos. Aus #irgendwasmitmedien kann in Hamburg noch viel mehr #dasmitmedien werden – das ist mein Anspruch! Magazine sind wunderbare Reagenzgläser, um sich auszuprobieren. Das zeigen unsere Indiecon Summer School und deren Publikation „41-43“ jedes Jahr aufs Neue.

Und abschließend: Magst du uns folgenden Halbsatz vervollständigen: In Hamburg #dasmitmedien zu machen bedeutet für mich …

in einer Medienmetropole zu arbeiten. Hierher kommen große Publizisten und Herausgeber, deren Nachlass auch in unserer Verantwortung liegt. Wir entscheiden, wie die Medien von morgen aussehen, wer sie macht und bezahlt.

Bildcredits: Kolja Schoepe

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